19 Rennradschuhe für Männer und Frauen

Leistungstreter: 19 Rennradschuhe um 150 Euro im Test


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RoadBIKE 0515 Test Rennrad Schuhe
Foto: Christian Lampe

 

RoadBIKE Suplest Streetracing Supzero
Foto: Benjamin Hahn

 

RoadBIKE Megatest 2015: Rennradschuhe
Foto: RoadBIKE

 

RoadBIKE Specialized Comp Road
Foto: Benjamin Hahn

 

RoadBIKE Megatest 2015: Rennradschuhe
Foto: RoadBIKE
Leicht und steif soll ein Rennrad-Schuh sein. Und passen muss er! Doch welches Modell erfüllt diesen Dreiklang am besten? RB hat 19 Mittelklassemodelle um 150 Euro getestet, um das herauszufinden.
Zu den getesteten Produkten

Noch 500 Meter ... 300 Meter ... jetzt nur noch 200 Meter ... und dann Vollgas bis zur Ziellinie: Bis zu 2000 Watt treten Top-Sprinter wie Marcel Kittel im Finale. Jedes einzelne davon muss der Rennrad-Schuh aufs Pedal übertragen – höchste Anforderungen an das Material, damit kein Quäntchen Leistung verpufft und die entscheidenden Zentimeter kostet.

Ganz so extrem sind die Belastungen bei Hobbysportlern zwar nicht, aber natürlich profitieren auch sie von einem möglichst perfekten Rennrad-Schuh – sei es beim Ortsschildsprint oder beim Alpen-Marathon. Damit Sie dabei auch Ihre Leistung zu 100 % aufs Pedal bringen, hat RoadBIKE 14 Herren- und 5 Damenschuhe in der Preisklasse um 150 Euro getestet.

Die Spanne reicht von Bont Riot, Giro Apeckx und Mavic Ksyrium Elite, die für 130 Euro zu haben sind, bis zum Genius 5 Fit von Sidi, für den stramme 190 Euro fällig werden.

Bei den Damen bilden die Modelle von Giro, Mavic und Scott mit 130 Euro den Einstieg, teuerstes Modell im Test ist Shimanos SH-WR62 für 160 Euro.

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Fotostrecke: 5 Schuhe für Rennradfahrerinnen im Test

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RoadBIKE Specialized Torch Road Foto: Benjamin Hahn
RoadBIKE Megatest 2015: Rennradschuhe Foto: RoadBIKE
RoadBIKE Shimano SH WR62 Foto: Benjamin Hahn

Sitzt, passt ...

Das entscheidende Kritierium beim Schuhkauf sollte jedoch nicht allein der Preis sein, sondern die Passform – schließlich müssen die Schuhe auf jeder Ausfahrt mehrere tausend Kurbelumdrehungen mitmachen. „Da der Fuß selbst keine direkte Verbindung mit dem Pedal eingehen kann, kommt den Schuhen aus ergonomischer Sicht sehr große Bedeutung zu“, sagt auch Sportwissenschaftler und Bikefitter Philip Scheller. „Ein Radschuh muss einfach passen!“

Doch manche Füße sind breiter, andere höher, und bei vielen Menschen sind nicht einmal der rechte und der linke Fuß identisch. „Bei Fehlkäufen sehe ich hauptsächlich breite Füße, die in einen zu schmalen Schuh gepresst werden, oder deutlich zu lange Schuhe“, sagt Scheller. „Zu lange Modelle führen den Fuß nicht richtig, und es kann vorkommen, dass die Cleats nicht weit genug zurückgeschoben werden können, wie es für eine individuell sinnvolle Einstellung notwendig wäre.“

Um beim Kauf Hilfestellung zu leisten, hat RB alle Schuhe im Test bei der Firma Corpus.e vermessen lassen. Die Angaben, ob die Schuhe eher lang, hoch oder breit ausfallen, finden Sie zusammen mit einer Info zur Sohlenkrümmung in den Testtabellen.

„Generell gilt: Ein Radschuh sollte bereits mit offenem Verschluss guten Halt bieten“, sagt Ex-Profi und RB-Materialexperte Michael Rich. „Gelingt es nur, Halt durch Zuknallen des Verschlusses zu erzeugen, führt das immer zu Druckstellen.“ Um die Passform objektiv bewerten zu können, haben unterschiedliche Tester alle Schuhe ausführlich Probe gefahren und dabei notiert, wie sich die Schuhe am Fuß anfühlen und ob sie beispielsweise an der Zunge drücken.

Welcher Schuh war der komfortabelste?

Die besten Bewertungen gab es dabei für den R5(B)Uomo von Fizik, der mit allen Testerfüßen harmonierte. Aber auch der G.Motion von Gaerne und der CX175 von Lake trugen sich sehr angenehm. Beim Apeckx von Giro fiel das recht weiche, sehr angenehme Innenmaterial auf.

Weniger überzeugen konnten der Torpedo SRS von Northwave und der Bont Riot. Letzterer kommt mit wannenförmiger Carbon-CompositeSohle, die zu den steifsten im Testfeld gehört. Um die Schuhe anzupassen, muss man sie im Backofen erhitzen. Doch obwohl die RB-Tester sich strikt an die Vorgaben hielten, passte der Schuh am Ende weniger gut als andere Modelle im Test.

Bei den Damen überzeugte vor allem die Passform des SH-WR62 von Shimano mit seinem sehr angenehmen Sitz, während sich die Testerinnen beim Solara von Giro über Druckstellen am Rist beklagten.

Gute Druckverteilung

Wesentlichen Anteil an einem guten Fußgefühl hat das Verschluss-System. „Generell ist wichtig, dass es mehrere Verschlüsse gibt, um den Schuh an die unterschiedlichen Bereiche des Fußes anpassen zu können“, sagt Fitting-Experte Scheller. Besonders der Halt an der Ferse ist wichtig, hier darf beispielsweise auch im Wiegetritt nichts verrutschen.

In der Mittelklasse sind alle gängigen Systeme zu finden: der „klassische“ Klettverschluss, die Ratsche und der Boa-Drehverschluss. Der RB-Erfahrungen zeigen, dass alle Systeme zufriedenstellende Ergebnisse liefern können – wenn sie gut gemacht sind. Häufigstes Problem bei Klettverschlüssen sind zu unflexible Laschen und ein zu steifes Obermaterial. So lässt sich die Lasche entweder nicht straff genug zuziehen oder das Obermaterial wirft Falten, wie beispielsweise beim Streetracing Supzero von Suplest.

Aber auch eine Ratsche kann Probleme verursachen: So verhakte sich beim Torpedo SRS von Northwave die etwas zu kurze Lasche mit dem Oberschuh. Ergänzt wird die Ratsche meist durch 2 Klettverschlüsse, doch diese bringen nur dann etwas, wenn deren Laschen flexibel genug sind und sich der Schuh an dieser Stelle ohne Falten zuziehen lässt – Mavic zeigt, wie’s richtig geht. Besonders der untere Klettverschluss scheint oft mehr Dekoration zu sein und zeigt keinen nennenswerten Effekt beim Anpassen.

Am Ende erzielte ein Schuh mit Boa-Verschluss das Top-Ergebnis in dieser Disziplin: Wegen der angenehmen, gleichmäßigen Druckverteilung gab es für den Verschluss des Road Team Boa von Scott die Bestnote, knapp vor dem Lake CX175 und dem Fizik R5(B)Uomo.

Keinen ausreichenden Halt und/oder Druckstellen beklagten die Tester bei den Verschlüssen des Streetracing Supzero von Suplest, dem Torpedo SRS von Northwave, und auch der Riot von Bont konnte hier nicht überzeugen.

Die Testerinnen lobten beim Mavic Ksyrium Elite W die sehr gelungene und gut einzustellende Kombination aus Ratsche und Klett. Vor allem die vergleichsweise langen und flexiblen Laschen überzeugten.

Kraft auf die Straße

Nur wenn die Passform stimmt und der Verschluss für eine angenehme Druckverteilung sorgt, sollen Sie sich Gedanken über die Steifigkeit der Sohle machen. Steifere Sohlen bieten im Wesentlichen zwei Vorteile: Zum einen ist die Kraftübertragung besser, weil weniger Energie in die Verformung der Sohle fließt.

Im Hobbybereich ist das aber eine zu vernachlässigende, eher theoretische Größe. „Es ist hier so wie bei den Rahmen: Irgendwann ist steif auch steif genug“, sagt Michael Rich. Zum anderen ist mit einer steiferen Sohle eine großflächigere Druckverteilung besser gewährleistet. Andererseits empfinden viele Rennradfahrer gerade etwas weichere Sohlen mit mehr Flex als angenehmer, gerade weil man damit besser gehen kann. Nicht umsonst nutzt so mancher Rennradler MountainbikeSchuhe aus genau diesem Grund ...

Beim Material dominieren in der getesteten Preisklasse Nylonsohlen, die mit Glas- oder Carbon-Fasern verstärkt sind. Nur der RRS Carbon von Rose bietet eine Vollcarbon-Sohle. Dabei gilt: Je fester das Material, desto dünner kann die Sohle bei identischer Steifigkeit konstruiert werden.

Das bringt vor allem ergonomische Vorteile: Mit einer dünneren Sohle rückt der Fuß näher an die Pedalachse. Das macht es leichter, beim Treten den oberen und unteren Totpunkt zu überwinden. Die mit Abstand steifste Sohle im Test bietet der Bont Riot, knapp gefolgt vom Torpedo SRS von Northwave, dem Genius 5 Fit von Sidi und dem ebenfalls sehr steifen Rose RRS Carbon. Bei den Damen punktet vor allem die Sohle des Giro Solara und des Torch Road von Specialized.

Schwachpunkt Innensohlen

Damit der Fuß trotz steifer Sohle angenehm gebettet ist, kommt der Innensohle große Bedeutung zu. Diese muss dem Fußgewölbe ausreichend Unterstützung bieten. „Das entlastet die stabilisierende Muskulatur und verbessert die Kraftübertragung“, sagt Sportwissenschaftler Philip Scheller.

Doch wer sich die Innensohlen vieler Schuhe genauer anschaut, entdeckt große Unterschiede – und erlebt manche Enttäuschung! Positiv ragten nur die Modelle von Fizik, Scott und Shimano heraus, gleiches gilt für Scott und Shimano bei den Damenmodellen. Das untere Ende der Skala markieren Bont, Gaerne, Lake, Northwave und Suplest, deren Innensohlen aus einem dünnen, nicht strukturierten Stück Schaumstoff bestehen.

Wenn Sie es noch nie getan haben: Probieren Sie doch mal spezielle Einlegesohlen für die Radschuhe aus. Bereits für vergleichsweise wenig Geld können Sie Ihren Schuh damit deutlich aufwerten und viel komfortabler machen.

Gewichtstuning-Potenzial

Rennradfahrer sind immer auf der Suche nach dem letzten Gramm Gewichtsersparnis. Es ist zwar nicht vernünftig, seine Schuhe nur nach möglichst geringem Gewicht auszusuchen, der RB-Test zeigte jedoch in diesem Bereich – zumindest theoretisch – viel Einsparpotenzial: So liegen zwischen leichtestem und schwerstem Schuh im Test fast 140 Gramm.

Nur 555 Gramm bringt ein Paar Bontrager RL Road (Größe 45) auf die Waage, bei Lakes CX175 sind es 691 Gramm. Bei den Damenschuhen gibt’s ebenfalls eine 2-Klassen-Gesellschaft: Giro Solara, Mavic Ksyrium Elite W und Shimano SH-WR62 wiegen pro Paar weniger als 520 Gramm (in Größe 40), Scotts Road Pro Lady und Specializeds Torch Road sind jeweils gut 60 Gramm schwerer.

Saubere Verarbeitung

Bei der Verarbeitung gab es bei den allermeisten Modellen im Test erfreulicherweise nichts zu bemängeln – bei einigen dagegen schon. So erwies es sich beim Rose RRS Carbon als schwieriges Unterfangen, die Cleats festzuschrauben. Grund: die recht dicke Sohle und unzureichend fixierte Gewindeplatten. Die normalen, üblicherweise bei Pedalplatten mitgelieferten 8 mm langen Schrauben sind hier schlicht zu kurz. Immerhin weist Rose auf der entsprechenden Katalogseite darauf hin, dass es für die Befestigung spezielle, 10 mm lange Schrauben braucht.

Beim Bont Riot führte die unschöne Verklebung des Oberschuhs auf der Sohle zum Punktabzug. Als äußerst empfindlich erwiesen sich zudem die Sohlen einiger Schuhe, allen voran die Modelle von Northwave, Scott und Suplest, die bereits nach wenigen Schritten zerkratzt waren. Deutlich unempfindlicher präsentierten sich in dieser Disziplin die Sohlen von Shimanos SH-R107.

Testfazit kompakt

Hervorragende Passform, ein sehr gutes Verschluss-System und dazu eine überzeugende Innensohle mit guter Unterstützung: Der R5(B) Uomo von Fizik leistet sich keine Schwächen und holt damit den klaren Testsieg – mit Bestnote. Bei den Damen hat Shimano die Nase vorn: Der SH-WR62 überzeugte ebenfalls in nahezu allen Testdisziplinen.

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RoadBIKE Suplest Streetracing Supzero Foto: Benjamin Hahn
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26.10.2015
Autor: Christian Brunker
© RoadBIKE