16 Rennrad-Helme im Test

Haupt verantwortlich: 16 Rennradhelme um 150 Euro


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RoadBIKE Abus Tec-Tical Pro v.2
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RoadBIKE Megatest 2015: Rennradhelme
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RoadBIKE Alpina Pheox
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RoadBIKE Megatest 2015: Rennradhelme
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Keine Rennrad-Tour ohne Helm! Doch welcher Kopfschützer bringt geringes Gewicht, gute Belüftung und angenehmen Tragekomfort am besten zusammen? RoadBIKE hat 16 aktuelle 2015er Helme der Mittelklasse verglichen.
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UPDATE: RoadBIKE hat 16 aktuelle 2016er Fahrradhelme für Rennradfahrer um 150 Euro getestet. Den aktuellen Helmtest gibt es jetzt als PDF zum Download! (siehe unten). Hier gibt es den 2016er Helmtest auch online.

Weiße oder schwarze Socken, rasier­te oder unrasierte Beine, Shimano oder Campagnolo? Vieles beim Renn­radfahren ist Geschmackssache. Nur eine Grundregel gilt immer: Helm auf! Denn selbst bei geringen Geschwin­digkeiten kann ein Sturz ohne Helm böse Folgen haben. Außerdem sind moderne Helme so leicht und so gut belüftet, dass es keinen Grund mehr gibt, oben ohne zu fahren.

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Teurer immer besser?

Doch wie finden Sie den besten Helm für Ihren Kopf? RoadBIKE hat 16 Hel­me der Mittelklasse um 150 Euro verglichen, um Ihnen die Entscheidung zu erleichtern. Die Spanne reicht vom sehr günstigen Scott Arx Plus für 110 Euro bis zum Cypher von Cannondale, der mit 170 Euro zu Buche schlägt.

Doch ist teurer auch besser? Nicht zwingend, denn hohe Materialgüte, geringes Gewicht oder perfekte Belüftung erscheinen plötzlich unwich­tig, wenn der Helm nicht passt und drückt! Jeder Kopf ist unterschiedlich, deshalb sollten Sie am besten mehrere Modelle verschiedener Hersteller ausprobieren, um zu ermitteln, welcher am besten zu ihrer Kopfform passt.

Die von den Herstellern angegebenen Größen (54–58, 59–61 etc.) sind dabei ein nur ein erster Anhaltspunkt, denn sie beziehen sich auf den Kopfumfang und sagen nichts über dessen Form aus. Ist der Kopf eher länglich, passt ein für eher runde Köpfe gemachter Helm nicht.

Im ak­tuellen Test empfehlen sich vor allem der S3 von Specialized und der Bell Volt RL für eher längliche Köpfe, der Airshell von Endura eher für rundliche Kopfformen. Die Chance, einen gut passenden Helm zu finden, steigt, wenn der An­bieter der Wahl möglichst viele unterschiedliche Größen anbietet. Aus Kostengründen fertigen Hersteller ungern viele verschiedene Helmscha­len. Doch ein Helmmodell, dass einen weiten Größenbereich abdeckt (bspw. von 48 bis 58, wie der Mojito von Kask), passt auf kleineren Köpfen im unteren Größenbereich oft schlecht. Tipp: Ein guter Helm sitzt auch dann sicher auf dem Kopf, wenn der Gurt nicht geschlossen ist.

Gute Anpassung ist wichtig

Achten Sie bei der Helmwahl auf viel­fältige Anpassungsmöglichkeiten: Es ist meist ein klarer Komfortgewinn, wenn sich die Höhe des hinteren Ver­schlusses verstellen lässt. So lässt sich beispielsweise auch Platz für ei­nen Zopf schaffen – gut für Mädels.

Zudem ist es angenehm, wenn die Größenverstellung nicht nur den Hin­terkopf umfasst und der Zug ring, wie beispielsweise beim Genesis von La­zer oder dem Inferno UL von Met, durchgängig ist und den gesamten Kopf umschließt. Auf den Testfahr­ten zeigten diese Helme eine deutlich angenehmere Druckverteilung.

Aller­dings kann ein geschlossener Ring et­was schweißtreibender sein. Das Räd­chen zur Weiteneinstellung sollte auch während der Fahrt gut zu grei­fen und feinfühlig verstellbar sein.

Eine schlechte Belüftung galt vie­len Radfahrern lange als Hauptargu­ment, auf den Helm zu verzichten, so mancher Sportler befürchtete gar ei­nen „Hitzestau“. Diese Sorgen sind bei aktuellen Helmen unbegründet, das zeigen die Messungen und die Praxis­erfahrungen der RB­-Tester deutlich: Spürbar zu warm war kein Helm im Vergleich.

Um die Belüftung „sicht­bar“ zu machen, hat RB alle Modelle per Thermografie untersucht und die Ergeb­nisse mit den Praxistests abgeglichen. Bestnoten gab es hier für den Volt RL von Bell und den Atmos II von Giro.

Und wie schlagen sich die Helme beim Gewicht?

Der Vergleich von Top-­Helmen mit günstigen Einsteigermodellen in RB04/2014 hat ge­ zeigt, dass gute Belüftung oft zulasten des Gewichts geht, denn je größer die Öffnungen, desto fester – und damit oft schwerer – muss das verbleibende Material sein, um bei Stürzen ausreichend zu schützen.

Der Unterschied zwischen dem leichtesten Helm im Test, dem Northwave Speedster (215 g), und dem schwersten Modell, Rudy Projects Sterling (306 g), ist spürbar, sollte aber nicht überbewertet werden. Dazu rät auch Ex­-Profi und RB-­Materialexperte Mi­chael Rich: „Das Gewicht eines Helms sollte im erträglichen Rahmen bleiben, aber die Belüftung ist wichtiger. Denn ein überhitzter Kopf wirkt sich definitiv leistungsmindernd aus.“

Bleibt der Schutz: Um die Aufprall­energie aufzunehmen, bestehen Hel­me aus dem Hartschaumstoff EPS, der direkt in die Helmschale expan­diert und so mit ihr verschweißt wird („In-­Mold-­Verfahren“). Alle Helme müssen die Europäische Norm (EN) 1078 erfüllen, was bedeutet, dass sie unter anderem bei einem Sturz aus 1,5 m Höhe mit 19,5 km/h auf eine glat­te Fläche die Beschleunigung auf we­niger als 250 g (1 g = 9,81 m/s2) reduzieren.

Die Norm steht allerdings in der Kritik, denn sie berücksichtigt nur einen senkrechten Aufprall; in der Praxis wirken jedoch oft auch Rota­tionskräfte. Deshalb haben schwedi­sche Ingenieure das MIPS-­System entwickelt, mit dem im Test nur der Scott Arx Plus ausgestattet war. Ob das System im Fall der Fälle tatsächlich Vorteile bringt, muss sich noch erweisen. Was aber immer gilt: Mit Helm ist besser als ohne!

Testfazit kompakt

Belüftung, Tragekomfort, geringes Gewicht – kein Helm bringt das so gut zusammen wie der Atmos II von Giro: klarer Testsieg mit Bestnote. Günstiger, aber ebenfalls mit sehr guten Ergebnissen: Der Scott Arx Plus – klarer Preis-Leistungs-Tipp!

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26.10.2015
Autor: Christian Brunker
© RoadBIKE