Zwölf Top-Rennräder der Saison 2011 im Vergleichstest

Rennräder von 4.500 bis 10.100 Euro im Test


Zur Fotostrecke (36 Bilder)

Rennradtest
Foto: Daniel Geiger

 

BMC Teammachine SLR01

 

BMC Teammachine SLR01 - Oberrohr
Foto: Benjamin Hahn

 

BMC Teammachine SLR01 - Gabel
Foto: Benjamin Hahn

 

Cannondale Supersix HM DA
Zwölf Rennrad-Glanzlichter der noch jungen Saison 2011 stellen sich einem ersten Vergleichstest – und geben eine überzeugende Vorstellung!
Zu den getesteten Produkten

Der Test zwölf aktueller Top-Rennräder zeigt deutlich, wohin die Reise zukünftig geht. Denn was heute noch den bekannten Stars und Top-Modellen der Szene vorbehalten ist, findet sich traditionell nur wenig später auch in den erschwinglicheren Preisklassen wieder.

Deshalb dürfen auch all die vielen Rennradfahrer gespannt sein, die von diesen sündteuren Rädern – meist weit jenseits der 4500 Euro – nur träumen können. Die Räder in diesem Testfeld geben Trends vor – für die kommende Saison ebenso wie für die nächsten Jahre!

Die Trendsetter-Rahmen

Die wesentlichen Entwicklungen lassen sich an den Rahmen der Räder ablesen. Sechs Modelle im Test sind echte Neuheiten – oder tiefgreifend überarbeitete Konstruktionen: das Canyon Ultimate CF SLX (mit neuer Sattelstütze), Isaac Proton FW, Kuota KOM Evo, das RS C40T von Principia, Simplon Pavo und das Madone 6.7 SSL von Trek. Ebenfalls im Test sind bekannte Räder, die bereits Trends gesetzt haben: BMC Teammachine SLR 01, Cannon­dale Supersix, Rose (ehemals Red Bull) Car­bon X-Lite, Scott Addict, Specialized S-Works Tarmac SL3 und Storck Fascenario 0.7.

Nicht zu übersehen ist die Tatsache, dass die Rahmen(-Gabel-Sets) noch leichter, immer steifer – aber dennoch komfortabler werden. Abgesehen vom Kuota wiegen alle Rahmen weniger als ein Kilo. Simplon und Storck unterbieten sogar die 900- Gramm-Grenze. Bei den Set-Gewichten reißt nur Kuota die 1,5-Kilo-Messlatte, der beeindruckende Test-Durchschnitt liegt bei 1388 Gramm.

Das Set von Storck wiegt nur sensationelle 1230 Gramm! Trotzdem gibt es bei den Steifigkeiten absolut keine Probleme, im Gegenteil: Die Sets sind fast durch die Bank ausreichend steif für jedes Fahrergewicht und jeden Fahrertyp. Lediglich BMC verfehlt im Lenkkopf den von RoadBIKE geforderten Mindestwert von 70 Newtonmeter pro Grad (Nm/°), um jedem Fahrer in jeder Situation präzise Lenkmanöver zu ermöglichen. Aber auch die 65 Nm/° des BMC bedeuten noch keinen Wert, der in der Praxis zu kritischen Situationen führt – im Vergleich zu einem supersteifen Rahmen folgt das BMC aber spürbar weniger präzise dem vorgebenen Weg.

Komfort und Laufruhe

Richtig viel getan hat sich auch beim Dämpfungskomfort, der sogenannten vertikalen Nachgiebigkeit, welche die Rahmen-Gabel-Sets bieten. An der Sattelstütze bleibt nur das Isaac weit über dem Wert von 350 Newton pro Millimeter (N/mm), ab dem man von spürbarer Dämpfung sprechen kann. An der Front verfehlen nur Kuota und Specialized diesen Wert deutlich. Allerdings verspielen einige Hersteller diesen mit einigem technischem Aufwand erkauften Komfort in der Praxis gleich wieder – durch Fehlentscheidungen bei der Ausstattung. So montieren etwa Isaac und Storck nur 22 Millimeter breite Reifen. Die sind zwar leicht, Komfort ist für sie aber ein Fremdwort, zumal die schmalen Pneus mindestens acht Bar Luftdruck verlangen.

Auffällig ist, dass viele Hersteller an anderer Stelle für Komfort sorgen: mit Rahmen-Layouts, die gemäßigte Sitz- und Lenkgeometrien aufweisen. Die Rahmen von BMC, Cannondale, Scott, Specialized und Trek sind sich hier sehr ähnlich: Die Oberrohrlänge und Sattelüberhöhung erlaubt bei diesen Rahmen eine sportliche, aber keinesfalls extreme Sitzposition. Zudem überzeugen all diese Rahmen mit ihrer ausgeprägten Laufruhe und einer ruhige, dennoch punktgenauen Lenkung. Interessant: Auf genau diesen Rennmaschinen sind auch die Profis einiger ProTour-Teams unterwegs – ihnen ist ein vielseitiges, spurtreues Rad offensichtlich wichtiger als die quirlige „Giftspritze“, die noch vor wenigen Jahren als typisches Profi-Rad galt.

Freilich sind auch solche ungezügelten Energiebündel im Testfeld vertreten: Allen voran Rose, aber auch Canyon, Kuota und Simplon bauen Räder, die durch ihre agile Lenkung extrem lebendig wirken – und damit ihren Fahrer stetig anspornen, konstant Höchstleistungen zu bringen.

Neue Test-Informationen

Aus den Labormesswerten der oben genannten Punkte – Steifigkeiten, Komfort, Gewichte – errechnet RoadBIKE den KSG-(Komfort-Steifigkeits-Gewichts-Index), der anteilig in die Endnote der Testräder einfließt. Ab dieser Ausgabe vergibt RB auf Basis des KSG-Index im Messlabor (siehe Tabelle unten) eine Note für jedes Rahmen-Gabel-Set.

Diese zusätzliche Note erlaubt es, auf einen Blick die besten Rahmen im Testfeld auszumachen: Eine wertvolle Information für all die Leser, die ein getestetes Rad in einer anderen/günstigeren Modellversion kaufen möchten. Schließlich sind viele Top-Rahmen auch mit preiswerteren Komponenten zu haben.

Ebenfalls ab dieser Ausgabe bildet RB in jedem Testbrief – neben der Bewertung für Ausstattung und Gesamtgewicht – eine Bewertung der Fahreigenschaften ab. Sie ist die Summe aller Einzelnoten, die ein Rad in den umfassenden Praxistests erhält. Die Fahreindrücke machen 50 Prozent der Endnote eines Rades aus.



Die Rennräder in diesem Test:

16.02.2011
Autor: Felix Böhlken
© RoadBIKE
Ausgabe 02/2011