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Sechs Damen-Rennräder im Test
Die Waffen einer Frau
Frauenheld gesucht – RoadBIKE hat sechs aktuelle Lady-Bikes auf den Prüfstand gestellt und auf ihre Qualitäten getestet. Zu den getesteten Produkten
Frauen ticken anders als Männer? Falsch! Die Ansprüche einer Frau an ein Rennrad unterscheiden sich in den wichtigsten Punkten nicht von denen eines Mannes. Der optimale Renner muss leicht und steif sein, Komfort bieten, eine gute Ausstattung mitbringen und dabei möglichst gut aussehen. Kurzum: Er soll einfach Spaß machen. Warum gibt es dann spezielle Räder für Frauen? Zum einen, weil immer mehr Frauen das Rennrad für sich entdecken und die Hersteller dies natürlich erkennen.
Zum anderen aber, weil Frauen spezielle Bedürnisse haben, auch wenn sie prinzipiell gleich ticken wie die Männer. Aber gehen die Hersteller tatsächlich darauf ein, was Frauen wichtig ist? Wie unterscheidet sich ein Damenrad von einem Herrenrad und worauf sollten Frauen beim Kauf Wert legen?
Um diesen Fragen auf den Grund zu gehen, hat RoadBIKE sechs aktuelle Damenrennräder in Praxis und Labor ausgiebig auf ihre Qualitäten getestet. Die Preisspanne reicht von 1499 (Red Bull) bis 2599 (Cannondale). Dazwischen liegen die Modelle von Lapierre, Specialized, Stevens, und Scott. Lediglich das günstigste Rad von Red Bull hat einen Alu-Rahmen, alle anderen Lady-Bikes in diesem Test besitzen als Herzstück einen Rahmen aus Carbon.
Deutliche Unterschiede gibt es so beim Gewicht: Das Scott Contessa führt mit einem Rahmengewicht von 986 Gramm und einem Gesamtgewicht von 7,2 Kilo das Feld an, ist aber auch das zweitteuerste Rad im Test. Der Alu-Rahmen von Red Bull dagegen ist mit 1232 Gramm der schwerste. Dafür punktet das Versenderrad in der Ausstattung und kommt auf ein Gesamtgewicht von 7,8 Kilo. Das schwerste Rad im Test kommt von Lapierre.
Der Rahmen ist mit 1062 Gramm zwar leicht, die Ausstattung an dem günstigen Rennrad dagegen nicht. So stehen am Ende 8,4 Kilogramm auf der Waage. Die Ausstattung im Testfeld bewegt sich zwischen Shimanos Gruppen 105 und Ultegra und lässt somit, was Funktion und Zuverlässigkeit betrifft, keine Wünsche offen.
Der kleine Unterschied
Die meisten Konzepte für Lady-Renner – auch in diesem Test – basieren auf der Faustregel, dass Frauen im Vergleich zu Männern längere Beine und eine kürzeren Oberkörper haben. Aber: „Für diese Theorie gibt es keinen wissenschaftlichen Beleg“, sagt die Fahrrad-Ergonomie-Expertin Juliane Neuß.
Dass Frauen-Rennräder deshalb ein längeres Steuerrohr und ein kürzeres Oberrohr benötigen, ist keine Zwangsläufigkeit. Vielmehr gilt: Ein Rennrad muss zur Fahrerin und zum individuellen Körperbau der Fahrerin passen. Für Frauen gilt deshalb genau wie für Männer: Nehmen Sie sich Zeit für den Radkauf, und ermitteln Sie mit Probefahrten, ob der Rahmen zu Ihnen passt. Die ideale Rahmengröße für sich finden Sie unter www.roadbike.de/rahmengroesse.
Neben einer modifizierten Geometrie gibt es die meisten Lady-Modelle auch in sehr kleinen Rahmengrößen. Red Bull sogar in 42, Cannondale, Lapierre, Stevens und Specialized in 44, Scott in 47. Dies ist für kleine Frauen insofern wichtig, weil sie definitiv zum kleinen Lady-Renner greifen müssen – die kleinsten Herrenmodelle der meisten Hersteller sind für sie zu groß.
Dritter wichtiger Punkt, der Frauenrennräder ausmacht, ist die Ausstattung. Während es – wie gesagt – umstritten ist, ob Frauen eine spezielle Geometrie brauchen, herrscht weitgehend Einigkeit darüber, dass die meisten Frauen kleinere Hände und schmalere Schultern haben als Männer, was nicht zuletzt eine Studie eines Autmobilherstellers belegt.
Richtig kurbeln
Aufs Rennrad übertragen bedeutet dies: Frauen brauchen schmalere Lenker und Brems-/Schalthebel, die sie gut erreichen können. An den Rennrädern in diesem Test sind deshalb spezielle Frauenlenker verbaut, die schmaler sind und deren Biegung im Unterlenker enger ist als bei den männlichen Pendants.
Auch bei den Hebeln machen die Hersteller ihre Hausaufgaben und montieren die Shimano-Brems-/Schalthebel absolut frauengerecht – nämlich mit Einsätzen, die die Hebel näher zum Lenker bringen. Lediglich bei Red Bull ist der Abstand vom Lenker zum Hebel in Unterlenkerhaltung für kleine Hände zu groß.
Wichtig für Frauen ist auch die richtige Kurbellänge. Weil Männer im Bereich Kraft und Kraftausdauer im Vorteil sind und deshalb problemlos längere Kurbeln treten können, sollten Frauen eher kurze Kurbeln und hohe Trittfrequenzen fahren. Statt Kurbeln in den Längen 172,5 oder 175 mm wie bei den meisten „normalen“ Rennrädern, empfiehlt sich bei den Frauenmodellen eine Kurbellänge von 170 mm oder weniger.
Bis auf Red Bull sind alle Räder im Test mit einer 170mm-Kurbel ausgestattet – vorbildlich. Dass auf dem Red Bull aber eine 172,5 mm-Kurbel montiert ist, lässt sich schnell beheben: durch das Custommade-Programm des Versenders, das unzählige Optionen anbietet.
Was Frauen wollen
Aber wie fühlen sich die sechs Frauen-Rennräder in der Praxis an? Das Ruby Comp etwa von Specialized ist ein Musterbeispiel für gefühlte Sicherheit – insbesondere für Anfängerinnen. Aufrechte Sitzposition, Dämpfungskomfort, dazu sehr laufruhig. Perfekt für genussorientierte Frauen. Das Contessa CR1 Pro von Scott dagegen ist deutlich quirliger und direkter, zudem ist der Rahmen nicht so komfortabel wie andere im Testfeld.
Gerade deshalb ist dieses Rad ideal für leistungsorientierte Radfahrerinnen, die auch an Jedermannoder Lizenz-Rennen teilnehmen. Auch hier gilt: Lassen Sie sich beim Händler ausgiebig beraten, und nutzen Sie die Möglichkeit zu Testfahrten, um herauszufinden, ob das Rad zu Ihren Vorlieben und zu Ihrem Fahrkönnen passt.
Nur so finden Sie einen Gefährten, der jahrelang ungetrübten Rennradspaß bereitet. Während manche Frauen oft den Fehler an sich selbst suchen, sind es meist das falsche Rennrad, die falsche Größe, die falsche Sitzposition oder das falsche Zubehör, die den Spaß am Rennradfahren spürbar vermasseln.
Alle sechs Rennräder in diesem Test haben absolut das Potenzial dazu, echte Sportsfreunde mit Spaßgarantie zu werden. Unter anderem liegt dies auch daran, dass alle sechs Rennräder nicht nur in der Praxis, sondern auch im Labor eine gute Figur machen. Sowohl in puncto Steifigkeit als auch in puncto Komfort erreichen alle Rahmen sehr gute Werte.
Überzeugende Vorstellung
Steife Rahmen wie der Scott sind nicht ganz so komfortabel wie etwas weichere, die dafür sehr effektiv Vibrationen dämpfen wie etwa Specialized. Auch bei den Laufradsätzen überzeugen alle Modelle im Test. Nur selten in RoadBIKE-Rennradtests liegen alle Modelle auf einem derart guten Niveau. Spaß machen die Rennräder aber auch deshalb, weil auf allen sechs Rädern ein spezieller Damensattel montiert ist – immerhin gehören Sitzprobleme zu den größten Spaßbremsen beim Rennradfahren überhaupt.
Viele herkömmliche Herrensättel drücken Frauen unangenehm aufs Schambein, da dies deutlich tiefer liegt als bei Männern. Oft rutschen Frauen deswegen auf dem Sattel weit nach hinten. Dadurch vergrößert sich der Abstand von Lenker zu Sattel, was auf die Dauer Nackenverspannungen und Rückenbeschwerden verursacht. Damensättel besitzen eine abgesenkte Sattelnase oder eine Aussparung in der Sattelmitte und entlasten so den Druck auf das Schambein.
Am besten von den Sätteln im Test gefiel den Testerinnen der Vitesse Fizik, der am Scott, Cannondale und Red Bull montiert ist. Vergleichen Sie also und entscheiden Sie, welches Rad am besten zu Ihren Bedürfnissen passt. Scheuen Sie aber den Vergleich, wenn Sie mit Männern gemeinsam auf Ausfahrt gehen. Trainingsgruppen unter Frauen haben sich in vielen Fällen als sinnvoll und leistungsfördernd erwiesen.
Unter Frauen
Den Trainingspartnerinnen fällt es ohne Männer meist leichter, sich aufeinander einzustellen und Kompromisse bei unterschiedlichem Fitnessniveau einzugehen. Frauen haben ohnehin andere Trainingsmotive als Männer.
Während Männer häufig gezielt Technik, Kraft oder Intervalle trainieren, wollen viele Frauen meist allgemein etwas für ihre Fitness tun oder sich in der Natur sportlich betätigen. Der soziale Faktor spielt beim Training auch eine größere Rolle – auch das ein Grund für eine Frauengruppe, in der Zeit zum Plaudern bleibt. Und wenn das Training mal schnell und intensiv sein soll, können auch Frauen zeigen, dass sie genauso ticken wie Männer.
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