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15 Carbon-Renner im Test – plus: preisgünstige Alternativen

Sportfreunde

Leicht, schnell, edel – anspruchsvolle Sportler finden hier den perfekten Partner und echte Weltklasse-Rennräder. Zu den getesteten Produkten


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Carbon

Sensationell! Renner leichter als die UCI-Norm von 6,8 Kilo, Spitzenrahmen mit modernen technischen Details, die neue Dura-Ace, edle Carbonlaufräder – klingt nach unbezahlbaren Top-Modellen.

Dabei beschreibt diese Aufzählung der Superlative lediglich das aktuelle Testfeld von sportlichen Rennern zwischen 2900 und 3500 Euro. Nicht gerade wenig Geld für einen neuen Sportfreund. Aber eben doch nur halb so viel, wie die Prestigeobjekte und Profi-Räder der Hersteller kosten.

Immerhin ein starkes Fünftel der RoadBIKE-Leser investiert in Rennräder um 3300 Euro – Tendenz steigend. Grund genug für RoadBIKE, 15 dieser Sportfreunde zu testen und herauszufinden, ob anspruchsvolle und ambitionierte Rennradfahrer dieser Preisklasse sogar die besten Renner der Welt bekommen!

Das Herz: der Rahmen
Lässt man den Blick über die Rahmen schweifen, sieht es ganz danach aus: Neun Hersteller schicken ihr Top-Modell in den Test – darunter Scotts wegweisendes Addict, das wie die Rahmen von Haibike, KTM und Red Bull mit integrierten Sattelstützen lockt.

Wer genauer hinschaut, entdeckt bei Cannondale, Cube, Red Bull und Scott im Rahmen integrierte Kurbellager – diese innovative Lösung spart Gewicht und verbessert die Steifigkeit im Tretlager. Red Bull verlegt alle Züge, Focus und Lapierre den Bremszug formschön im Rahmen.

Die Rahmen von Canyon, Cube, Lapierre und Stevens bleiben sogar unter der Ein-Kilo-Marke, mehr als die Hälfte der Rahmen-Gabel-Sets wiegt unter 1400 Gramm. Bei den Testbriefen (ab Seite 50) tendieren beim Einsatzbereich fast alle Balken in Richtung „Race“. Viele Indizien für die perfekten Sportfreunde.

Die Testfahrten relativieren diese beeindruckenden Eckdaten etwas. „Beim Richtungswechsel auf schnellen Abfahrten wirkt der Lenkkopf unpräzise“, steht da bei Cannondale, Cucuma, Haibike, KTM, Rocky Mountain und Stevens in den Fahrberichten. Diese Erfahrungen bestätigen die Abgleiche mit den Messwerten.

Zwar schaukelt sich keines der Räder gefährlich auf. Doch wer wie die Tester den Luxus hat, viele Räder direkt vergleichen zu können, spürt bei diesen sechs Rennern klare Nachteile der Spurgenauigkeit und Lenkpräzision bei schnellen Abfahrten.

Anspruchsvolle Fahrer greifen da lieber zu einem der vielen herausragenden Rahmen: Canyon, Cube und Scott, aber auch Red Bull und Simplon überzeugen durch vorbildlich steife Rahmen-Gabel-Sets, die mit überzeugenden Fahrleistungen auftrumpfen. „Da wäre die Entscheidung schwer, welches dieser Räder ich zu einem Rennen mitnehmen würde“, sagt Tester Yannick Mayer.

Der Rennfahrer des deutschen Junioren-Nationalkaders würde seine Entscheidung letztendlich vom Komfort abhängig machen. Da liegen Canyon und Scott vorn – eben absolute Weltklasse.

Der Kreislauf: die Laufräder
Doch auch der beste Rahmen ist nur so gut wie sein schwächstes Anbauteil. Das wird nirgends so deutlich spürbar wie bei den Laufrädern. Anders als bei günstigeren Carbonrennern darf man da in der Klasse um 3300 Euro eigentlich nur das beste Material erwarten.

Das noble Ksyrium SL von Mavic mit einem Preis von 800 Euro – gleich in sechs Testrädern eingesetzt – zeigt, wie hoch die Messlatte liegt. Noch auffälliger profilieren sich Cube und Focus mit Aero-Laufrädern. Aber ergeben solche Spezial-Laufräder im Alltagseinsatz überhaupt Sinn? „Man muss sich genau überlegen, wo man die Laufräder einsetzt“, sagt RoadBIKE-Experte Michael Rich.

Der dreifache Zeitfahr-Vizeweltmeister weiter: „Die hohen Felgen sind seitenwindanfälliger und wiegen meist mehr als flache Felgen, sie machen also bei Flachetappen Sinn, wenn es hügelig wird überwiegen aber die Nachteile immer stärker.“ Die Räder im Focus sind in der Tat die schwersten im Testfeld. Cube montiert zwar sehr leichte Modelle, denen es aber an Seitensteifigkeit mangelt.

Ein Problem, das fast alle Laufräder im Test teilen: Sie verschenken durch mangelnde Steifigkeit das Potenzial guter Rahmen, bei den im Lenkkopf weniger steifen Rahmen verstärken sie das undifferenzierte Fahrgefühl noch. Beim Kauf bedeutet das: Genau hinschauen, Gewichte und Qualität der Einspeichung checken – oder klassisch gebaute Räder montieren.

Das Hirn: die Gruppen
Solche Probleme gibt es bei den Schaltgruppen nicht. Shimanos hochwertige Ultegra SL setzt hier den allen Ansprüchen genügenden Standard, alternativ montieren Cannondale und Lapierre die leichte Force-Gruppe von Sram. Wer bei Canyon, Cucuma oder Rose kauft, darf noch mehr erwarten: Was diese Versender durch Direktvertrieb sparen, bleibt bei ihren Rädern für eine Dura-Ace übrig. Mehr geht nicht.

Bei den Anbauteilen setzen erstaunlich viele Anbieter auf Alu – was nicht zum Schaden sein muss. Denn zumindest bei den Lenkern bedeutet das eine jedem Sprinter genügende Steifigkeit. Bei den Sattelstützen hingegen ist Carbon für maximalen Komfort die erste Wahl – wer so viel Geld in einen neuen Sportfreund investiert, sollte sich dieses Extra gönnen.

Fazit: Wer bis zu 3500 Euro ausgibt, besitzt hohe Ansprüche. Diese können aber nicht alle Räder im Test befriedigen. Einige zeigen leichte Schwächen im Lenkkopf, fast alle Laufräder werden den sportlichen Ansprüchen nicht voll gerecht – Cube und Simplon verspielen sich damit gar einen Kauftipp. Den bekommt Scotts atemberaubend vielseitiges Addict. Den Testsieg holt sich das berauschend schnelle Canyon mit seiner Traum-Ausstattung. Beides sind sensationell gute Rennräder.

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Die Räder in diesem Test:

Autor: Felix Böhlken

© RoadBIKE : Ausgabe 04/2009

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