33 Rennradhosen von 75 bis 270 Euro im Test

So finden Sie die richtige Hose für Tour und Wettkampf

Welche Hosen sorgen für mehr Sitzkomfort im Rennrad-Sattel? RoadBIKE hat in Labor und Praxis 33 Rennradhosen für Männer und Frauen getestet. Plus: Darauf kommt es bei der Sattelwahl an.
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Fotostrecke: 33 Rennradhosen von 75 bis 270 Euro im Test

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33 Rennradhosen im Test Foto: Benjamin Hahn
33 Rennradhosen im Test Foto: Benjamin Hahn
33 Rennradhosen im Test Foto: Benjamin Hahn

Was haben Profis und Hobby-Radler, neben der Liebe zu einem faszinierenden Sport, gemeinsam? Genau: Ein sensibles Gesäß. "Wunde Stellen am Hintern gehören zu den richtig unangenehmen Seiten des Radsports", weiß RoadBIKE-Experte René Weissinger, Profi beim österreichischen Team Vorarlberg-Corratec.

Die Schmerzen am Allerwertesten sind so etwas wie die Volkskrankheit der Rennradfahrer. Nicht umsonst vereinbaren manche Profis gleich nach der Saison einen OP-Termin, um die lästigen Hautreizungen entfernen zu lassen. Eine wichtige Rolle im Kampf gegen diese Beschwerden spielt die Radhose.

"Sie hat direkten Einfluss auf den Komfort und damit auch auf die Leistung des Sportlers. Genau deshalb betrachten wir die Radhose als das mit Abstand wichtigste Produkt unserer Bekleidungslinie", erklärt Jon Knoll, bei Specialized Produktmanager für den Bekleidungsbereich, stellvertretend für die Branche.

Doch welche Rennradhose bringt den größten Komfortgewinn? Um diese Frage zu klären, hat RoadBIKE 33 Modelle, 24 für Männer und 9 für Frauen, getestet. Davon 24 in der Mittelklasse von 80 bis 100 Euro und 9 innovative Top-Hosen mit Preisen bis zu 270 Euro.

Gegen den Schmerz

Um den Komfort der Hosen zu bewerten, hat RoadBIKE ganz genau auf die Dämpfung im Bereich der Sitzhöcker geachtet. Schließlich lastet fast das gesamte Körpergewicht auf den spitzen Knochen, welche die sensiblen Bereiche wie Harnröhre oder Genitalien entlasten. Kein Wunder, dass viele Sportler gerade hier Probleme bekommen.

Denn durch die ständige Belastung zwischen Sattel und Sitzhöckerbilden sich feine Risse in der Haut, eine Entzündung ist fast unvermeidbar. "Nur eine Hose, die den Druck auf die Sitzhöcker spürbar dämpft, kann die Schmerzen am Gesäß verhindern", erklärt der Urologe Dr. Moritz Fleck, selbst begeisterter Radsportler und Triathlet.

Zum Komforttest ins Labor

Zur Beurteilung der Dämpfleistung ging es für die Testkandidaten ins Labor. Bei der Gesellschaft für Biomechanik in Münster (Gebiom) hat RoadBIKE die Druckverteilung der 33 Hosen ermittelt. Als Ergebnis zeigen die Testbriefe die Bewertung der Druckverteilung sowie eine Übersicht, wie effizient die Hosen das Gesäß in den verschiedenen Sitzpositionen entlasten.

Die Laborergebnisse wurden an Probanden mit ihren individuellen Sitzeinstellungen und einem Standard-Testsattel ermittelt. Dazu fuhr jeder Tester jede Hose in den Griffpositionen Oberlenker, Bremsgriff und Unterlenker. Eine Druckmessfolie übermittelte die jeweils auftretenden Kräfte im Gesäßbereich an einen Rechner, mit dessen Hilfe die Druckverteilung der Testkandidaten anschließend verglichen wurde.

Die wichtigste Erkenntnis des Indoor-Tests: Sowohl bei den Herren als auch den Damen dämpfen die teureren Hosen den Druck aufs Gesäß fast durchweg besser als die Mittelklasse. Speziell die Top-Modelle von Assos und Castelli mindern den Druck auf die Sitzhöcker effizient. In aufrechter Sitzposition reduziert die Body Paint von Castelli den Druck um 27 Prozent – Spitzenwert im Labortest.

Auch die Fennec von X-Bionic verteilt die Kraft gut, fällt in aufrechter Sitzposition allerdings etwas ab. Doch es gibt auch erstklassig dämpfende Mittelklasse-Hosen. Vor allem die Herrenmodelle von Sportful und Etxe Ondo sowie die Damenhosen von Gore Bike Wear, Pactimo und Vaude schmeicheln dem Gesäß


19.05.2010
Autor: Felix Krakow
© RoadBIKE
Ausgabe 05/2010