Rennräder im Test

Testbericht: Focus Paralane 105 (Modelljahr 2017)

Foto: Björn Hänssler RoadBIKE Focus Paralane 105

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Das Focus Paralane 105 zeigt, wie ein moderner Alleskönner aussehen kann: Immer zuverlässig, immer angenehm, immer mit Zug auf der Kette – und trotzdem vielseitiger, als man das bisher vom Rennrad kennt.
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Bewertung

Was uns gefällt

Was uns nicht gefällt

  • Lenker zu breit
  • recht teuer

Testurteil

Testurteil sehr gut
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Testurteil: Sehr gut (71 Punkte)

Das Ergebnis unseres Rennrad-Tests: Scheibenbremsen, breitere Reifen, mehr Komfort. Bei allen Metamorphosen, die das Rennrad derzeit durchmacht, zeigt Focus mit dem neuen Focus Paralane 105: Ein gutes Allround-Konzept kann durchaus ein reinrassiges Rennrad bleiben – aber mehr Spielraum bieten.

Denn auch wenn der Rahmen des Focus Paralane 105 seinen Fahrer nur leicht gestreckt und eher aufrecht positioniert, auch wenn die ruhige Lenkung und der sichere Geradeauslauf den Charakter prägen, so fährt sich das Testrad unterm Strich doch wie ein ganz normaler Tourer. Es beschleunigt willig, klettert behände und fleißig, bei Abfahrten jeder Gangart ist es eine sichere Bank.

Dass der willige Grundcharakter, den ein Rennrad ausmacht, beim Focus Paralane 105 so deutlich erhalten bleibt, liegt an einigen kleinen, aber wichtigen Details.

So sitzt der Fahrer mit 74 Grad Sitzwinkel klassisch und sehr zentral über dem Tretlager – das bedeutet Druck auf dem Pedal und ein direktes Gefühl fürs Handling. Zudem montiert Focus serienmäßig 28er-Reifen – sehr gut, denn so folgt das Focus Paralane 105 trotz langem Radstand und recht flachem Lenkwinkel immer noch direkt und lässt sich bestens mit dem Körper dirigieren. Trotzdem ist die Laufruhe ausgeprägt, wodurch Einsätze auf schlechtem Untergrund sicher und problemlos möglich werden.

Klasse Komfort

Bei harten Schlägen vom Untergrund spielt das gut konstruierte Rahmen-Set seine größte Stärke aus: Es federt an der Gabel so gut wie kaum ein Disc-Renner, die Federung am Heck ist schlicht Weltklasse!

Dieser Federungskomfort verwöhnt Tourer und Vielfahrer, motiviert aber auch Abenteuerlustige, lieber einmal mehr Feld- und Waldwege statt der Straße zu wählen. Auch Pendler brauchen genauso ein Rad. Denn wie jeder andere Ganzjahresfahrer, freuen die sich über die hochwertigen Alu-Schutzbleche von Curana, die Focus serienmäßig mit jedem Focus Paralane 105 liefert. Die Befestigungen sind dezent in Rahmen und Gabel integriert, die Montage funktioniert im Handumdrehen.

Ein anderes Ausstattungsdetail störte die Tester hingegen mächtig: Der 44 cm breite Lenker ist für die Rahmengröße 2 cm zu breit, dadurch wirkt das Testrad wuchtig, und das Handling wird indirekt. Es sind eben oft kleine Details, die am Rennrad eine erstaunlich große Wirkung haben können.

Kritik muss sich Focus zudem für die Preispolitik gefallen lassen: 3000 Euro sind eine stolze Summe für ein Rennrad, an dem die günstige 105-Gruppe verbaut ist – auch wenn der Carbon-Rahmen gut gemacht ist und die hochwertigen Schutzbleche zum Lieferumfang zählen. Bei der Konkurrenz jedenfalls gibt es vergleichbar ausgestattete Räder zum Teil bereits deutlich günstiger.

Technische Daten des Test: Focus Paralane 105

Preis: 2999 Euro
Gewicht: 8,8 kg
Rahmengewicht: 1022 g
Gabelgewicht: 411 g
Laufradgewicht mit Reifen, Disc, Kassette: (ohne Schnellspanner /Steckachse) 3156 g
Vertriebsweg: Fachhandel
Verfügbare Rahmenhöhen: S/M/ML/L/XL
Getestete Rahmenhöhe: L
Rahmenmaterial: Carbon
Lenkkopfsteifigkeit: 71 Nm/Grad
Tretlagersteifigkeit: 92 N/mm
Komfort vorne: 216 N/mm
Komfort hinten: 175 N/mm
Laufradsteifigkeit Vorderrad: 85 N/mm
Laufradsteifigkeit Hinterrrad: 91 N/mm
Schaltgruppe: Shimano 105, 11–32
Kurbelsatz: Shimano 105, 50/34
Bremse: Shimano BR-RS505
Laufräder: Fulcrum CEX 7.0 db
Reifen: Schwalbe One, 28 mm
Vorbau: Concept
Sattel: Concept

Profil:

Geometrie:

Fazit

Das Focus Paralane 105 zeigt, wie ein moderner Alleskönner aussehen kann: Immer zuverlässig, immer angenehm, immer mit Zug auf der Kette – und trotzdem vielseitiger, als man das bisher vom Rennrad kennt. Ein starkes Konzept für Tourenfahrer und Abenteuerlustige. Am Testrad verschlechterte der zu breite Lenker aber das Handling und, gemessen am Preis, ist die 105-Gruppe unter Niveau. Schade, denn das Konzept des Focus Paralane 105 geht auf!

16.05.2017
Autor: Felix Böhlken
© RoadBIKE
Ausgabe /2017