Schmelztiegel

Wo einst längs der Straße in gemauerten Hochöfen Erz zu Eisen verarbeitet wurde, glühen heute die Alpen und die Waden der Rennradfahrer.

Graubünden, Schweiz Schweiz

Passhöhe 2.149 m
Länge 22 km
Höhenmeter 1.098 Hm
Steigung Ø 5,5 %
Steigung max. 14,8 %
Karte & Höhenprofil

 

Ofenpass

Karte

 

Ofenpass

 

Ofenpass

Es lodert im Val Müstair zu Füßen des Ofenpasses in Graubünden. Zwar ist das Feuer in den Hochöfen rechts und links der Straße, in denen einst Erz zu Eisen geschmolzen wurde, längst erloschen, doch herrscht im Sommer noch immer eine drückende Hitze in den Niederungen am Rand des Schweizer Nationalparks. Für die Trockenheit im Val Müstair, das vom Vinschgau in die Schweiz führt, sind die mächtigen Gebirgsgruppen der Ostalpen verantwortlich.

Sie schützen das Unterengadin verlässlich vor Wind und Regen. Durch die zerklüftete Landschaft mit ihrer trockenen Vegetation schlängelt sich der Ofenpass auf 2149 Meter Höhe. Auf den letzten Kilometern schraubt sich die Straße in kunstvoll gebauten Serpentinen zum Höhepunkt.

Als die Schmelzöfen am Wegesrand der Ofenpassstraße noch glühten, wurde das Brennholz aus dem angrenzenden Wald geholt. Eine Arbeit voller Anstrengungen und Qualen.

Heute quälen sich viele Menschen freiwillig die Straße zum Schweizer Nationalpark hinauf – auf dem Rennrad. In Mals im Vinschgau (1051 m) geht’s hinein ins Val Müstair, erst mäßig, später deutlich steiler ansteigend.

Die Auffahrt von der Schweizer Seite ab Zernez (1474 m) dagegen ist weniger anspruchsvoll und lässt auch den einen oder anderen entspannten Blick neben die Straße zu – auf die Landschaft des Naturreservats Schweizer Nationalpark.

Nach dem ersten langen An­stieg nach Ova Spin (1879 m) führt die Straße deutlich flacher und mit einer 6-km-Zwischenabfahrt direkt in den unberührten Nationalpark. Die
dunklen Nadelwälder und die Ruhe hüllen die Straße in eine mysteriöse Atmosphäre. Die letzte Rampe der Auffahrt wird mit einer Steigung von zehn Prozent zur finalen Beweisprobe.

Die Abfahrt führt ins Val Müstair zunächst nach Santa Maria (1375 m). Wer dort noch nicht genug hat, kann über den Umbrailpass aufs Stilfser Joch fahren. Aber Vorsicht: Die Waden werden glühen.

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27.01.2010
© RoadBIKE
Ausgabe 09/2009