Mit dem Rennrad rund um Füssen

Königsklasse - Allgäu

König Ludwig II. wusste, warum er sein schönstes Schloss ins Allgäu setzte. Rund um Neuschwanstein findet sich eine märchenhafte Landschaft – auch für Radsportler.

„Peißenberg, Steingaden, Füssen – Majestät erreichen in einer halben Stunde Neuschwanstein.“ Nächtelang ritt der ruhelose König Ludwig II. in seiner Münchener Hofreithalle im Kreis. Ein Diener musste die Runden zählen – und für die Fantasiereise des Königs die Entfernungen ausrechnen. In München, umgeben von Pomp und Regierungsgeschäften, fühlte der sich als Gefangener. Nur bei seinen Reisen in die Berge und zu seinen Schlössern wähnte er sich frei. Und in seinen Träumen.

Ich muss an Ludwig II. denken, als wir an diesem kalten Morgen auf die Räder steigen und am Westufer des Forggensees unsere Tour beginnen. Eine kleine Runde vor dem Frühstück, ein Appetithappen Allgäu. Es ist noch kalt. Über dem See liegen letzte Nebelfetzen. Drüben, am anderen Ufer, dämmert die Postkartenlandschaft noch im Schatten: Vor den Zacken der Ammergauer und Tannheimer Berge zwei Königsschlösser und eine Burg. Füssen muss ziemlich laut „hier“ gerufen haben, als die Touristenattraktionen verteilt wurden. Über der Stadt die trutzige Festungsanlage des Hohen Schlosses. Eine der besterhaltenen Burgen Bayerns. An Berühmtheit dennoch weit überstrahlt von Schloss Neuschwanstein: Auf hohem Fels, außerhalb der Stadt, thront das Märchenschloss von Ludwig II., das auch die letzte Station in seinem bewegten Leben darstellte. Unweit davon: Schloss Hohenschwangau, die Sommerresidenz seiner Eltern, wo Ludwig einen Teil seiner Kindheit verbrachte. Wir nehmen Fahrt auf, finden unseren Tritt.

Die Runde um den Forggensee ist eine autofreie Traumreise auf breitem Radweg. Radfahren in einem Postkartenmotiv. Tiefblau leuchtet das Wasser, gespeist von den Fluten des Lechs. Drum herum grünen die Wiesen. Idylle pur! „Eine Zeit wird kommen, in der wir uns nach einem Lande sehnen und zu einem Fleck Erde flüchten, wo die moderne Kultur, Technik, Habgier und Hetze noch eine friedliche Stätte weit vom Lärm, Gewühl, Rauch und Staub der Städte übriggelassen hat“, formulierte Ludwig II. einst. Auch knapp 130 Jahre nach seinem Tod findet sich im Allgäu eine Landschaft für genau solche Sehnsüchte.

Einen Tag später sind wir wieder unterwegs auf Ludwigs Spuren. Auf einer Tour, die ein weiteres seiner Schlösser streifen wird: Linderhof. Die Runde führt östlich von Füssen durch die Ammergauer Berge und passiert das vergleichsweise versteckt liegende und für Ludwigs Verhältnisse eher kleine Schloss. Dennoch darf es als der wohl beeindruckendste Beweis seiner Traumwelt gelten. Im Schlosspark findet sich eine magische Grotte, künstlich aus dem Fels geschlagen, mit Tropfsteinen behängt und einem eigenen See ausgestattet. Eine für den König konstruierte Wellenmaschine und ein künstlicher Wasserfall hielten die Traumwelt am Plätschern.

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03.06.2014
Autor: Gerhard Eisenschink
© RoadBIKE
Ausgabe 6/2014