Rad am Ring 2015

Das Team Alpecin beim 24-h-Rennen


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Team Alpecin beim 24h Rennen am Nürburgring
Foto: Björn Hänssler

 

Team Alpecin beim 24h Rennen am Nürburgring
Foto: Björn Hänssler

 

Team Alpecin beim 24h Rennen am Nürburgring
Foto: Björn Hänssler

 

Team Alpecin beim 24h Rennen am Nürburgring
Foto: Björn Hänssler

 

Team Alpecin beim 24h Rennen am Nürburgring
Foto: Björn Hänssler
Wenn man Ende Juli zu einem Radrennen anreist, dann rechnet man eigentlich mit warmen Temperaturen und Sonnenschein, EIGENTLICH. Beim 24-h-Rennen am Nürburgring musste das Team Alpecin andere Erfahrungen machen.

Wenn man Ende Juli zu einem Radrennen anreist, dann rechnet man eigentlich mit warmen Temperaturen und Sonnenschein, EIGENTLICH. Denn Erstens findet Rad am Ring ja bekanntlich in der Eifel statt und die hat Ihre eigenen (Wetter-)Gesetze und Zweitens haben wir einen netten Begleiter namens „Zeljko“.

Ihm haben wir es auch zu verdanken, dass der Start des 24h Rennens, richtigerweise, ganze zweimal verschoben wurde. Schließlich wurden Windböen mit bis zu 110 KM/H erwartet und mit diesen Windstärken will kein Fahrer bei der Abfahrt in die Fuchsröhre seitlich konfrontiert werden.

So wurde aus dem 24h Rennen ganz schnell ein 17h Rennen und wir mussten in unserer Alpecini-Box weitere 7 Stunden Zeit totschlagen. Das haben wir erfolgreich mit Essen, Schauen der Tour Etappe oder dem erfolglosen Versuch noch ein wenig Schlaf zu finden getan.
Als der Wind gegen 18 Uhr ein wenig nachließ haben sich einige mutige Fahrer zu einer Einrollrunde auf das Rad geschwungen. Es war für viele die letzte Möglichkeit die Strecke nochmal bei Tageslicht zu erkunden, denn die meisten mussten, aufgrund des verschobenen Startes, Ihre erste Runde in der Dunkelheit absolvieren und jeder wollte wissen worauf er sich einlässt.

Rennradfahren in der Dunkelheit

Die Einrollrunde gehen wir recht locker an aber ganz schnell wird klar, flach gibt es hier nicht. Das Profil der Strecke gleicht (gefühlt) der beschriebenen verkürzten Wachstumsphase der Haare aus der bekannten Werbung präsentiert durch Dr. Klenk – es geht schnell aufeinanderfolgend nur Auf- und Ab. Ein wenig nass geworden kommen wir wieder in unsere Box 17 zurück und tauschen uns über die wichtigsten Stellen auf der Strecke nochmal aus und die jeweiligen 4er-Teams feilen an Ihrer Taktik. Eine Runde in der Nacht? Oder zwei am Stück? Vollgas oder jede Runde einteilen?

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Video: Team Alpecin

Ich starte im Alpecin Team 1, zusammen mit dem, selbsternannten!, „Altherrenclub“ Udo, Olli und Torsten und wir treten im alpecininternen Zweikampf gegen Alex, Matthias, Daniel und Philipp an. Langsam steigt die Aufregung - der Start um 20:15 Uhr rückt näher! Wir vom Team Alpecin 1 schicken als erstes unseren Bielefelder Kämpfer Udo ins Rennen, der Mann hat Rennerfahrung und weiß, dass er sich von den viel zu schnellen Anfangstempo nicht mitreißen lassen sollte und dass es in den ersten Kurven darauf ankommt sicher mit dem Pulk durchzukommen.

Alle anderen Fahrer und Betreuer warten gespannt in der Box und halten Ausschau wann die ersten Fahrer wieder über die Zielgerade sprinten. Alex vom Team Alpecin 2 überquert als erstes Start und Ziel, dichtgefolgt von Udo. Ab hier müssen die beiden noch einmal die Grandprixstrecke hinter sich bringen und kommen dann durch das Fahrerlager wieder zur Boxengasse.

Die Übergabe des Transponders erfolgt Blitzschnell, Alex übergibt an Matthias und Udo kurze Zeit später an mich. Ich sprinte sofort los, um den kleinen Rückstand wieder aufzuholen, viel zu schnell eigentlich. Der Wattmesser zeigt Werte zwischen 300 und 400 W, weit im roten Bereich. Eine Gruppe zu finden erweist sich als schwierig und so trete ich das erste Drittel der Strecke komplett ohne schützenden Windschatten bis ich auf eine Gruppe auffahre wo ich schon von weitem Matthias erkennen kann. Ein schmerzhafter Zwischensprint bringt mich an die Gruppe heran – erstmal kurz im Windschatten durchatmen!

Das erste Drittel der Strecke verläuft vorwiegend abfällig, nun kommt der schmerzhafte Part zur hohen Acht hoch. Hier wird es schwer für mich an der Gruppe dran zu bleiben und ich muss stellenweise abreißen lassen. Ich weiß Matthias ist der bessere Kletterer, aber ich werde meine Chance auf der langen Gerade zur Döttinger Höhe wieder bekommen und so kommt es auch. Kurz vor der Anfahrt auf die lange gerade sehe ich das Feld wieder und kann ranfahren und ordne mich im Windschatten ein.

Während des kleinen Anstiegs zurück auf die Grandprixstrecke sprengt es unsere Gruppe nochmal und wir dezimieren uns auf 3-4 Fahrer. Auf der Zielgeraden bringen wir abwechselnd führend Druck auf das Pedal und durchschlängeln den Grandprixkurs. Ein kurzer knackiger Anstieg im Schuhmacher S und dann geht es scharf rechts ins Fahrerlager.

Die enge Streckenführung lässt unsere Gruppe nochmal schrumpfen und so biege ich mit Matthias zusammen in die letzte Kurve zurück auf die Boxengasse ein – schnelle Transponderübergabe an unsere Teamkollegen und Shakehands mit Matthias! Eine sehr flotte erste Runde die wir beide da abgeliefert haben. Rennfeeling pur!

Danach heißt es erstmal raus aus den verschwitzten Klamotten, etwas Trinken und Essen und dann fast 3h entspannen ehe es in der Nacht zur nächsten Runde losgeht. Der Zweikampf zwischen den Teams tobt. Am Computer werden stets die Zeiten geprüft und wir prüfen Rückstand oder Vorsprung gegenüber dem jeweils anderen Team.

In der Nacht kristallisiert sich heraus das wir verschiedene Taktiken in den Teams fahren, während sich Alpecin 1 für eine „Einrunden-Taktik“ entschieden hat, setzt Team 2 auf zwei Runden am Stück. Wir rechnen uns Chancen aus, denn bei dem Streckenprofil sind zwei Runden am Stück sehr sportlich und man muss beide Runden kontrollierter angehen, um gute Zeiten abzuliefern. Bei der Ein-Runden-Taktik hingegen können wir weiter all-out gehen, dafür hat das andere Team längere Zeit Erholung am Stück.

Runde um Runde wird in der Nacht gefahren. Jeder unserer Teamfahrer liefert super Zeiten ab, kaum langsamer als bei Tageslicht. Das Feeling in der Nacht diese Strecke ebenfalls im Renntempo zu fahren ist unbeschreiblich. Teilweise kann das Auge aufgrund der Geschwindigkeit gar nicht alles verarbeiten, es ist wie im Blindflug weswegen man viel nach Gefühl fahren muss. Das gute an den Nachtfahrten ist, der Wind hat sich gelegt – auch ein Fakt, warum die gefahrenen Runden in der Nacht nur minimal langsamer sind.

Wir kommen aus der Nacht mit einem guten Vorsprung auf Team 2, teilweise waren es 45 Minuten. Unsere Taktik ging voll auf. Mit der aufgehenden Sonne und dem strahlend blauen Himmel sind für jeden von uns noch 2 Runden bei Tageslicht möglich. Das gute Wetter und die nächtliche Verköstigung weckt nochmal ganz neue Kräfte in uns. Runde um Runde werden nochmal Bestzeiten in die Asphaltachterbahn in der grünen Hölle gebrannt und wir verfolgen euphorisch den Zwischenstand auf dem Computer mit.

Gegen Ende wird es nochmal spannend. Wer um 12:45 Uhr nochmal Start und Ziel passiert der darf noch eine letzte gewertete Runde fahren. Udo übergibt gegen 11:00 Uhr den Transponder an mich, ich trete nochmal alles in mein Giant was die Beine so hergeben. Nach nicht ganz 50 Minuten stehe ich vor der Box und übergebe an Olli, der jetzt etwas weniger als eine Stunde Zeit hat um über die Zielgerade zu rollen und somit Torsten noch eine weitere Runde zu ermöglichen. Mit einer tollen Zeit schafft Olli dies locker und der Transponder wird ein letztes Mal für Team 1 übergeben.

Torsten macht sich auf zu seiner letzten Runde und wir beschließen Ihn auf der Zielgeraden zu empfangen, damit wir alle gemeinsam ins Ziel einrollen können. Nach etwas weniger als 60 Minuten taucht Torsten bei Start und Ziel auf. Wir reihen uns ein und fahren in Viererformation über die Ziellinie! Das 17 Stunden dauernde 24 Stundenrennen ist Geschichte. Platz 39 Gesamt für unser Team 1, Team 2 kommt auf einen ebenfalls grandiosen 77. Platz und ist sogar die komplette letzte Runde nochmal gemeinsam über die Nordschleife gefahren.

Ein unbeschreibliches Erlebnis war dieses Wochenende auf einer legendären Strecke. Mit einem fabelhaftem Team und perfekter Organisation durch alle Angehörigen bzw. der Familie des Team Alpecin! Ganz großer Rennsport und für jedem von uns ein Erlebnis.

Fotostrecke: Das Team Alpecin beim 24-h-Rennen

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Team Alpecin beim 24h Rennen am Nürburgring Foto: Björn Hänssler
Team Alpecin beim 24h Rennen am Nürburgring Foto: Björn Hänssler
Team Alpecin beim 24h Rennen am Nürburgring Foto: Björn Hänssler
21.08.2015
Autor: Nils Kirsch
© RoadBIKE