10-Jähriges Jubiläum

Das Gran Fondo Team Alpecin stellt sich vor: Julia Luck

Foto: Henning Angerer Team Grand Fondo Alpecin 2017
Wie schlagen sich die Fahrer aus dem Leserteam von Alpecin und RoadBIKE auf dem Weg zum Ötztaler? RoadBIKE stellt die Team-Fahrer vor. Dieses Mal: Julia Luck.
Foto: Henning Angerer Team Grand Fondo Alpecin 2017

Bikefitting: perfekt in Position gebracht auf dem roten Renner von Canyon

Name: Julia Luck
Beruf: Food-Sylistin
Alter: 33 Jahre
Größe: 1,73m
Leistung an der IANS: 196 Watt; 3,47 Watt/kg Körpergewicht
Abbruchleistung: 280 Watt; 4,96 Watt/kg Körpergewicht

Sportlich unterwegs war Julia Luck schon immer. In ihrer Kindheit, die sie im Ruhrgebiet verbrachte, beim Reiten und auf dem Tennisplatz. Über Umwege und Zufälle kam sie später zum Laufen und zeigte, welches Potenzial in ihr steckt. Platz zwei bei den Norddeutschen Meisterschaften im Marathon und eine Bestzeit von 38 Minuten über zehn Kilometer waren die Resultate. Doch leider streikte ihr Körper irgendwann: zu hohe Trainingsbelastung.

Um ihren Bewegungsdrang abzubauen, begann sie, in die Pedale zu treten. Auf einem geliehenen Rad von einer Freundin; das war vor rund fünf Jahren. Sie fuhr nur zum Spaß und als Ausgleich zu ihrem Beruf. Denn die studierte Ernährungswissenschaftlerin und gelernte Konditorin arbeitet als selbstständige Food-Stylistin im Studio unter Kunstlicht, rückt dafür Speisen ins rechte Licht und freut sich über jeden echten Sonnenstrahl.

„Als ich das erste Mal in diesem Jahr auf der Straße Rad gefahren bin – an dem ersten schönen Märzwochenende –, hatte ich gleich unglaublich gute Laune und hätte am liebsten laut losgelacht.“ Wie stark sie tatsächlich auf dem Rennrad ist, war ihr aber bis zum Teamtreffen des Gran Fondo Teams Alpecin gar nicht klar. „Ich kann lange Rad fahren, aber halt nicht schnell“, so stellte sie sich ihren Teamkollegen vor. Ansichtssache – mit einer Freundin zusammen startete sie als Team Hamburger Berg beim Ötztaler Radmarathon 2015.

Obwohl sie nicht auf Biegen und Brechen fuhr – „ich habe oben am Gipfel immer schön Pause gemacht, bin keine tolle Abfahrerin“ –, landete sie am Ende mit 9:26:41 Stunden auf Rang zwölf bei den Frauen. Trotzdem mit Schmerzen, aber die kamen nicht von den Muskeln, sondern von den viel zu engen Kompressionsstrümpfen. Eine Stilsünde, die sie in diesem Jahr garantiert nicht mehr begehen wird.

Foto: Henning Angerer Team Grand Fondo Alpecin 2017

Auswertung: Teamcoach Florian Gayer bespricht die Daten des Leistungstests.

Starke sportliche Vorraussetzungen

Teamcoach und Sportwissenschaftler Florian Geyer korrigiert nach der Leistungsdiagnostik die Aussage von Julia Luck über ihr eigenes sportliches Niveau – nach oben: „Julia hat ein sehr gutes Grundniveau und für eine Frau ungewöhnlich viel Bums – auch noch oben raus.“ In Zahlen bedeutet das: 3,47 Watt pro Kilogramm Körpergewicht an der individuellen anaeroben Schwelle sowie eine Abbruchleistung von knapp fünf Watt.

„Ab 5,2 Watt pro Kilogramm bei der Abbruchleistung kann man bei diesem Test, den wir durchgeführt haben, von hohem nationalem Niveau sprechen“, so der Leiter des Radlabors Freiburg. „Viele Athletinnen in ihrer Gewichtsklasse haben zwar eine gute Watt-pro-Kilogramm-Leistung an der Schwelle, aber keine so hohe Abbruchleistung.

Die hohe Abbruchleistung ist ein sogenannter Prädiktor dafür, dass der Sportler in den roten Bereich gehen kann – etwa an steilen Rampen–, ohne danach total kaputt zu sein“, erklärt Florian Geyer weiter. Aufgrund ihrer aeroben Ausdauerleistungsfähigkeit wird Julia Luck im Gegensatz zu dem Gros ihrer Teamkollegen nicht die klassischen langen und lockeren Einheiten fahren. „Die heben sie nicht auf ein besseres Niveau“, so der Experte. Stattdessen finden sich in ihrem Trainingsplan zwei spezielle Schlüsseleinheiten: „Drei Stunden im Grundlagenausdauerbereich 1 (GA1) gefolgt von einer Stunde im Grundlagenausdauerbereich 2 (GA2) – auf Zug“, sagt Geyer.

Foto: Henning Angerer Team Grand Fondo Alpecin 2017

Blutspende für die Form - Laktatbestimmung bei der Leistungsdiagnostik.

Intervalltraining mit Leistungsmesser

Außerdem gibt es ein spezielles Intervalltraining mit einer Kombination von Abschnitten im Entwicklungs- und Spitzenbereich– gesteuert per Leistungsmesser. Solche Einheiten gehen nicht ganz ohne Schmerzen ab, doch Julia Luck freut sich schon darauf: „Ich habe, im Gegensatz zum Laufen, auf dem Rad noch nie nach Plan, geschweige denn nach Intensitäten trainiert.“

Ihre bisherigen Schlüsseleinheiten waren kreiselnde Gruppenfahrten am Deich in einer Männerrunde, von denen sie stets „geschafft“ zurückkam, wie sie selbst zugibt. Und epische Ritte von Hamburg an die Ostsee nach Scharbeutz und wieder zurück – gut 220 Kilometer an einem Tag.

Und sie freut sich auf das nächste Treffen mit ihren neuen Teamkollegen. Dann geht es nämlich nach Kaltern am See, wo die Equipe wie schon in den vergangenen Jahren ihr Trainingscamp aufschlägt.

19.04.2017
Autor: Daniel Beck
© RoadBIKE