Team Alpecin Kolumne: Team-Meeting

Christian Biechele ist eigentlich Redakteur beim Kicker. Im Team Alpecin, dem RoadBIKE-Jedermannteam, stellt er sich ganz neuen Herausforderungen. Hier beschreibt er seine Eindrücke.

Fotostrecke: Team Alpecin 2014: das Team-Meeting

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Foto: Björn Hänssler
Foto: Björn Hänssler
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Christian Biechele vom Jedermann Team Alpecin
Foto: Björn Hänssler Christian Biechele kommt als Redakteur beim Kicker eher mit Fußbällen als mit Rennrädern in Kontakt.

Wie das Paradies eines Hobby-Rennradfahrers aussieht? Es beginnt mit einer Top-Ausrüstung, setzt sich fort, Mitglied eines 12-Kopf starken Top-Teams zu sein, und hört mit einer Top-Rundumbetreuung auf – so gesehen streifte ich am vergangenen Wochenende das Paradies nicht nur, sondern ich bewegte mich mitten in ihm. Wo? In Bielefeld bei der großen Eröffnungsfeier, auf neudeutsch Kick-Off-Meeting, des Alpecin-Teams.

Dass ich ein Glückspilz bin, für dieses exklusive Team ausgewählt worden zu sein, war mir vorher zwar bewusst, die Dimensionen dieses Umstandes überraschten mich dann dennoch. Ich erlebte vor einigen Jahren die perfekt inszenierte und organisierte Präsentation des mittlerweile zur Sportvergangenheit gehörenden T-Mobile-Teams mit. Als Beobachter. Nun ein Déjà-vu – dieses Mal jedoch statt in einer Komparsen- in einer Hauptrolle. Das Paradies eben, nicht nur wegen des an diesem Wochenende ausgegebenen Materials. Von der Haarspitze bis zum Fußende gab’s nur das Allerfeinste, untern den Hintern wurde einem mit der Specialized-Carbon-Rakete namens Tarmac eines der weltweitbesten Rennräder geschoben, und, und, und. Einfach überwältigend, Weihnachten, Ostern und Geburtstag fallen schließlich gemeinhin nur ganz, ganz selten auf einen Tag.

Oder um es mit dem sportlichen Leiter zu sagen: „Um dieses Komplettpaket beneiden uns die meisten Pro-Tour-Teams. In meiner aktiven Zeit wäre ich gerne mal in den Genuss von so etwas gekommen“, betonte mit Jörg Ludewig einer, der es wissen muss. Gut 20 Jahre verdiente er sein Geld im Sattel diverser Profi-Mannschaften, unter anderem auch bei T-Mobile, das seinerzeit zur absoluten Weltspitze gehörte.

Doch genug der Superlative, wo gleißendes Licht, ist bekanntlich auch Schatten. Als Wiesen-, Wald und Feldfahrermacht mir dieses Komplettpaket auch ein Stück weit angst. Das beginnt mit dem Team – alle echt geile Typen, aber was ihre sportliche Vita anbelangt irgendwie auch furchteinflößend. Gut, es gibt zwei Rennrad-Rookies, doch der eine gewann als Zehnkämpfer diverse nationale Titel, die andere fuhr bei ihrer Premiere im vergangenen Jahr gleich „aufs Stockerl“. Meine letzten Podestplätze: Beim Skilanglauf, an dem die Teilnehmerzahl mit 25 höchst übersichtlich war, und beim Preiskopf-Schafkopfen. Das Gefühl der persönlichen Unterlegenheit wurde dann beim Leistungstest zementiert. Es endete mit einem 0:11-Debakel für mich - in meiner aktiven Fußballzeit hatte ich nur einmal so eine Klatsche hinzunehmen. Und die Erinnerung an die mittlerweile lang, lang zurückliegende Pleite schmerzt noch heute.

Klar, in dem Alepcin-Team geht es nicht um konkrete Plätze, sondern darum, die bestmögliche individuelle Leistung abzurufen und den Ötztaler oder den Alpentraum zu finishen. Aber, und hier zitiere ich berühmte Sportler, ohne konkrete Namen zu nennen: „Druck? Den größten Druck mache ich mir selber“, sagen sie unabhängig von der Sportart allesamt. Verdammt richtig.

Das ist auch bei mir so, dummerweise gibt es auch ein Teil in mir, der sich zu der selbst auferlegten Erwartung konträr bewegt und diese heftigst bekämpft – kurz innerer Schweinehund genannt. Hangele ich mich als Radfahrer höchst amateurhaft stets am Grat des Scheiterns entlang, so ist doch mein innerer Schweinehund ein absoluter Profi. Wenn die adrette Dame von Assos erzählte, dass es mit dem von ihr ausgegebenen Jacken, Trikots, Hosen und Überschuhen kein Grund mehr gibt, aus Wettergründen nicht zu trainieren, so hat sie zweifelsohne recht. Nur, sie kennt den besagten Hund in mir nicht, denn der wird sie garantiert weiterhin aufspüren, die Ausreden und Ausflüchte. Ein Jahrzehnte lang trainierter Reflex – Ball zu hart, Platz zu weich, Mitspieler zu schlecht, Schiri ohne Worte, gar nicht zu reden von den falschen Anweisungen des oftmals eigentlich hochqualifizierten Trainers, jede noch so miese eigene Darbietung ließ sich so prima wegdrücken. Und jetzt angesichts des 1a-Materials, zudem sich auch noch ein 1-a Trainerteam gesellt? Mission impossible für die Ausrede an sich! Anderseits, mein Hund, der innere, Ihr wisst schon, ist wie erwähnt ein echter Sauhund!

23.06.2014
Autor: Christian Biechele
© RoadBIKE