Vorschau Lüttich-Bastogne-Lüttich: Wer schlägt Valverde in Ans?

Spitzengruppe um Alejandro Valverde beim Flèche Wallonne 2016
Foto: TDW Sport
Am Sonntag steht mit Lüttich-Bastogne-Lüttich das letzte Monument des Frühjahrs an. Topfavorit ist Titelverteidiger und Flèche Wallonne-Seriensieger Alejandro Valverde.

Der Spanier vom Team Movistar ist in den Ardennen eine Macht. Am Mittwoch gewann Valverde zum dritten Mal in Folge und vierten Mal insgesamt den Flèche Wallonne. Bei Lüttich-Bastogne-Lüttich hat er bereits drei Siege und drei weitere Podiumsplatzierungen zu Buche stehen. Mit dieser Bilanz und seiner derzeitigen Verfassung ist Valverde am Sonntag der unumstrittene Topfavorit.

 

Spitzengruppe um Alejandro Valverde beim Flèche Wallonne 2016
Foto: TDW Sport

Die Konkurrenten

Wie schon an der Mur de Huy beim Flèche Wallonne wird das etixx-Quick Step-Team um Julian Alaphilippe und Daniel Martin versuchen, Valverde Paroli zu bieten. Der Vorjahreszweite Alaphilippe wurde am Mittwoch in Huy nur knapp geschlagen. Martin hat La Doyenne (die Älteste), wie Lüttich-Bastogne-Lüttich auch genannt wird, 2013 bereits für sich entschieden. Auch 2014 gehörte er zu den stärksten Fahrern, bis ihn ein Sturz in der Zielkurve aller Chancen beraubte.

Weitere Favoriten sind unter anderem Joaquim Rodriguez (Katusha), der in Lüttich schon drei Mal auf dem Podium stand, und Amstel-Sieger Enrico Gasparotto (Wanty-Groupe Gobert), der eine überragende Ardennenwoche fährt. Darüber hinaus zu nennen sind Samuel Sanchez (BMC Racing), Michael Albasini (Orica-Green Edge) und Rui Costa (Lampre Merida). Auch Michal Kwiatkowski (Sky) greift nach seinem enttäuschenden Auftritt beim Amstel Gold Race wieder ins Renngeschehen ein.



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Traditionell nutzen auch die Favoriten für die dreiwöchigen Rundfahrten den selektiven Kurs von Lüttich-Bastogne-Lüttich für einen Formtest. Vincenzo Nibali (Astana) war zwar bereits einmal Zweiter und fuhr bei zwei weiteren Ausgaben in die Top Ten, beim heute zu Ende gehenden Giro del Trentino offenbarte er jedoch ungewohnte Formschwächen. Chris Froome (Sky) steht ebenfalls am Start, konnte bei seinen bisherigen vier Teilnahmen jedoch keine Akzente setzen.

Fehlen werden Fränk Schleck (Trek Segafredo), der sich bei einem Sturz beim Flèche Wallonne das Schlüsselbein gebrochen hat, und Philippe Gilbert, der nun doch mit Blick auf den Giro d`Italia seinen gebrochenen Finger schonen wird.

 

Das Peloton an der Mur de Huy beim Flèche Wallonne 2016
Foto: TDW Sport

Die deutschen Starter

Deutsche Fahrer kamen bislang selten ganz vorne in Lüttich ins Ziel: 1930 gewann Hermann Buse, im Jahr 1979 siegte Didi Thurau und 2005 stand mit Jens Voigt als Zweitplatziertem zum bis dato letzten Mal ein deutscher Fahrer auf dem Podium. Auch 2016 werden die deutschen Fahrer nur Außenseiterchancen haben.

In diesem Jahr nimmt Simon Geschke (Giant-Alpecin) als einer von nur vier deutschen Profis die komplette Ardennen-Trilogie aus Amstel Gold Race, Flèche Wallonne und Lüttich-Bastogne-Lüttich in Angriff. „Mental und physisch ist es sehr hart mit nur zwei bis drei Tagen Pause zwischen so langen und schweren Eintagesrennen“, beschreibt er die Strapazen dieser Woche. „Aber für Fahrertypen wie mich sind diese Rennen die größten Ziele im Frühjahr. Sie haben eine große Geschichte. Die besten Klassikerfahrer messen sich dort auf ihrem Terrain und es ist ein anderes Peloton als zum Beispiel bei Paris-Nizza oder den flämischen Klassikern“, erklärt der 30-jährige die Faszination der Ardennen. Neben Geschke bestreiten auch Teamkollege Johannes Fröhlinger, Routinier Paul Martens (LottoNL-Jumbo) und Björn Thurau (Wanty-Groupe Gobert) alle drei Ardennen-Rennen.

Für eine gute Platzierung könnte der deutsche Meister Emanuel Buchmann (Bora-Argon 18) sorgen. Der junge Ravensburger fährt aktuell einen überragenden Giro del Trentino und wird die Rundfahrt aller Voraussicht nach unter den Top Ten des Gesamtklassements beenden. Weitere deutsche Starter sind die Bora-Argon 18-Fahrer Dominik Nerz und Paul Voss.

 

Das Peloton beim Flèche Wallonne 2016
Foto: TDW Sport

Die Strecke

Die Schleife von Lüttich in das südlicher gelegene Bastogne und zurück ist 253 Kilometer lang. Zusammen mit den giftigen Ardennen-Anstiegen im zweiten Streckenteil wird das Rennen so zum anspruchsvollsten Klassiker des Frühjahrs. Und im 124. Jahr scheint sogar eine weitere Hürde möglich: Für den Renntag ist eine Kaltfront vorhergesagt, die einstellige Temperaturen und sogar Schneeschauer bereithalten soll.

Die Côte de la Redoute, ein Anstieg über zwei Kilometer mit einer maximalen Steigung von 17 Prozent, gehört zu den berühmtesten Passagen im Rennen. Die Redoute läutet die entscheidende Phase ein und hat schon oft eine erste Selektion der Favoriten bewirkt. 20 Kilometer vor dem Ziel steht der in diesem Jahr noch schwierigere Falkenfelsen (Côte de la Roche-aux-Faucons, 1,3 Kilometer lang, 11 Prozent durchschnittliche Steigung) im Profil. Auf den finalen Kilometern wurde die Strecke zusätzlich erschwert: Nach der Côte de Saint-Nicolas müssen die Profis noch die Rue Naniot bezwingen – ein Abschnitt, der zwar nur 550 Meter lang ist, aber auf einer engen und mit Kopfsteinpflaster-bedeckten Straße den Fahrern alles abverlangt. Erst nach dieser Passage geht es wie gewohnt hinauf zum Zielstrich im Stadtteil Ans.

Die neue Streckenführung wird das Finale gegenüber bisherigen Ausgaben weniger vorhersehbar machen - auch für Seriensieger und Topfavorit Alejandro Valverde.

Eurosport überträgt das Rennen ab 15.00 Uhr live.

Fotostrecke: Dinge, die man nur bei Profi-Rennen sieht

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Specialized S-Works Tarmac 2016 Peter Sagan Foto: TDW
Rennrad Profis Dinge die man nur bei Profi-Rennen sieht Foto: Sebastian Hohlbaum
Rennrad Profis Dinge die man nur bei Profi-Rennen sieht Foto: Sebastian Hohlbaum

Fotostrecke: Flandernrundfahrt 2016: Die Rennradtricks der Profis

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Flandernrundfahrt 2016: Die Rennrad-Tricks der Profis Foto: Sebastian Hohlbaum
Flandernrundfahrt 2016: Die Rennrad-Tricks der Profis Foto: Sebastian Hohlbaum
Flandernrundfahrt 2016: Die Rennrad-Tricks der Profis Foto: Sebastian Hohlbaum
22.04.2016
Autor: Moritz Pfeiffer
© RoadBIKE