Vorschau Giro d´Italia 2016: Deutsche Sprint-Asse am Start, offener Kampf um das rosa Trikot


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Foto: TDW Sport

 

Giro d'Italia 2016: Karten und Höhenprofile aller Etappen
Foto: RCS

 

Giro d'Italia 2016: Karten und Höhenprofile aller Etappen
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Giro d'Italia 2016: Karten und Höhenprofile aller Etappen
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Giro d'Italia 2016: Karten und Höhenprofile aller Etappen
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Die erste dreiwöchige Landesrundfahrt des Jahres verspricht in vielerlei Hinsicht Hochspannung. RoadBIKE stellt die Favoriten und den Parcous vor.

"Das härteste Rennen in der schönsten Landschaft der Welt" - mit diesem Slogan wirbt der Giro d´Italia auch bei seiner 99. Auflage. Am 6. Mai startet das Rennen mit einem Einzelzeitfahren im niederländischen Apeldoorn, am 29. Mai endet es in Turin. Dazwischen liegen 21 Etappen, die alles bieten, was sich die Tifosi wünschen: packende Massensprints, spektakuläre Hochgebirgsetappen, Ausreißversuche sowie Zeitfahren in der Ebene und am Berg. Um den Gesamtsieg bewerben sich einige bekannte Namen, bei den Sprints könnten insbesondere deutsche Fahrer in den Fokus rücken.




Die Sprinter

In den vergangenen Jahren holten die deutschen Sprinter bei der Tour de France einen Sieg nach dem anderen. Dieses Jahr gehen sie in Italien auf Etappenjagd. André Greipel reist mit seinem Lotto-Soudal-Team an und hat bereits drei Giro-Etappen in seiner Karriere zu Buche stehen. Marcel Kittel konnte bislang zwei Tagessiege beim Giro einfahren, weitere sollen für seinen neuen Arbeitgeber Etixx-Quick Step folgen. Zu ihren Konkurrenten beim diesjährigen Giro d´Italia gehören mit Rick Zabel (BMC) und Nikias Arndt (Giant-Alpecin) zwei talentierte Landsmänner, die das Zeug zu Siegen auf großer Bühne haben. Auch Heinrich Haussler - Australier mit deutschen Wurzeln vom IAM-Cycling-Team - kann aus größeren Gruppen heraus zum Sieg sprinten. Weitere schnelle Männer sind Mailand-San Remo-Sieger Arnaud Démare (FDJ), Kristian Sbaragli (Dimension Data), Sacha Modolo (Lampre-Merida), Caleb Ewan (Orica-Green Edge) und Giacomo Nizzolo (Trek-Segafredo).

Sieben reine Flachetappen sind in diesem Jahr für Massenankünfte prädestiniert. Verlockende Aussicht für zeitfahrstarke Sprinter: Zum Auftakt der Rundfahrt könnte für die Etappensieger der 2. und 3. Etappe dank der Bonifikationssekunden gar das Rosa Trikot des Spitzenreiters drin sein.

 

Greipel, Cavendish und Kittel im Sprintduell
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Die deutschen Starter

Neben den genannten Greipel, Kittel, Zabel und Arndt stehen die Routiniers Christian Knees (Sky) und Roger Kluge (IAM) an der Startlinie. Jasha Sütterlin (Movistar) gibt sein Debüt bei einer dreiwöchigen Rundfahrt. Patrick Gretsch (AG2R) wird als starker Zeitfahrer besonders auf das knapp zehn Kilometer lange Einzelzeitfahren zum Auftakt der Rundfahrt und die welligen 40 Kilometer gegen die Uhr in Chianti bei der 9. Etappe spekulieren.

Besonders spannend für deutsche Fans aus dem Norden und Westen der Republik: Der Startort des Giros in diesem Jahr - das niederländische Apeldoorn - liegt unweit der deutsch-holländischen Grenze, die 2. und 3. Etappe werden rund um Arnheim und Nijmegen ausgetragen. Um den Giro d´Italia live zu erleben, muss man in diesem Jahr also nicht über die Alpen reisen.

Fotostrecke: Flandernrundfahrt 2016: Die Rennradtricks der Profis

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Flandernrundfahrt 2016: Die Rennrad-Tricks der Profis Foto: Sebastian Hohlbaum
Flandernrundfahrt 2016: Die Rennrad-Tricks der Profis Foto: Sebastian Hohlbaum
Flandernrundfahrt 2016: Die Rennrad-Tricks der Profis Foto: Sebastian Hohlbaum

 

Die Strecke des Giro d´Italia 2016
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Die Strecke

Nach dem Start in den Niederlanden und einem zusätzlichen Ruhetag für den Transfer rollt das Peloton aus Süditalien Richtung Norden. Eine erste Bergankunft wartet bei der 6. Etappe in den Abruzzen auf die Fahrer. Am 9. Tag steht in Chianti ein welliges Einzelzeitfahren auf dem Programm. Für Postkarten-Panoramen und glühende Schenkel wird die 14. Etappe sorgen, die über 210 Kilometer inklusive Sella-Ronda, Passo Giau und Passo Valparola in die Dolomiten führt. Am Folgetag stehen 11 Kilometer Bergzeitfahren auf die Seiser Alm auf dem Programm.

Die Entscheidung über den Rundfahrtsieg fällt auf den Etappen 19 und 20, bei denen es weit über 2500 Meter über dem Meer hinaus geht: Die 19. Etappe zur Bergankunft im französischen Risoul führt über den 2744 Meter hohen Colle dell´Agnello, zugleich höchster Punkt des diesjährigen Giro d´Italia (Cima Coppi). Bei der 20. Etappe stehen für die Fahrer die Pässe Vars (2108 Meter), Bonnette (2715 Meter) und Lombarde (2350 Meter) auf dem Programm, bevor der Tag mit einem kurzen Schlussanstieg in das 2015 Meter hoch gelegene Kloster Sant`Anna di Vinadio zu Ende geht. Hier dürfte der Gesamtsieger des Giro d´Italia 2016 feststehen. Die letzte Etappe am 29. Mai führt "nur" noch über 150 Kilometer flach nach Turin.

Fotostrecke: Dinge, die man nur bei Profi-Rennen sieht

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Specialized S-Works Tarmac 2016 Peter Sagan Foto: TDW
Rennrad Profis Dinge die man nur bei Profi-Rennen sieht Foto: Sebastian Hohlbaum
Rennrad Profis Dinge die man nur bei Profi-Rennen sieht Foto: Sebastian Hohlbaum

Die Favoriten auf den Gesamtsieg

Vincenzo Nibali hat den Giro d´Italia in diesem Jahr zu seinem Saisonziel erklärt. Oder wurde er von seiner sportlichen Leitung bei Astana dazu verdonnert, da Teamkollege Fabio Aru sein Tour de France-Debüt geben wird? Wie dem auch sei, Nibali ist einer der großen Favoriten auf den Gesamtsieg. Der Sizilianer hat in seiner Karriere alle drei großen Landesrundfahrten gewonnen - Tour, Giro und Vuelta. Nur fünf weiteren Fahrern ist dieses Kunststück gelungen. Hinter Nibalis Form steht jedoch ein Fragezeichen: Nachdem er mit einem Sieg bei der Oman-Rundfahrt gut in die Saison startete, zeigte der "Hai von Messina" zuletzt beim Giro del Trentino Schwächen.

Mikel Landa hingegen untermauerte mit seinem Sieg im Trentino seine Ambitionen auf den Gesamtsieg des Giro. Der Spanier geht als Kapitän des Teams Sky in den Giro. Bereits im vergangenen Jahr schien er bei der Italien-Rundfahrt mit zwei Etappensiegen in den Bergen der stärkste Fahrer zu sein, musste sich aber der Stallorder seines damaligen Teams Astana unterordnen und für Fabio Aru arbeiten. Ergebnis: Aru und Landa belegten hinter Sieger Alberto Contador die Plätze zwei und drei in der Endabrechnung. Sollte Landa die Form des Vorjahres mitbringen, ist ein höherer Podiumsplatz drin.

Alejandro Valverde geht als Kapitän des Movistar-Teams ins Rennen. Im zarten Alter von 36 Jahren gibt er sein Debüt beim Giro und peilt gleich eine Top-Platzierung an. Mit der Ruta del Sol und der Vuelta a Castilla y Léon konnte Valverde bereits zwei kleinere Rundfahrten in diesem Jahr gewinnen, dazu kam sein vierter Triumph beim Flèche Wallonne. Der Dritte der letztjährigen Tour de France ist in guter Form und kann auf ein starkes Team bauen.

Weitere Kandidaten für einen Platz in den Top Ten sind die Kolumbianer Rigoberto Uran (Cannondale) und Esteban Chaves (Orica-Green Edge), die Niederländer Tom Dumoulin (Giant-Alpecin) und Steven Kruijswijk (Lotto NL-Jumbo), der Pole Rafal Majka (Tinkoff), Ryder Hesjedal (Trek-Segafredo) aus Kanada, der Russe Ilnur Zakarin (Katusha) und Domenico Pozzovivo (AG2R) aus Italien.

Den Kampf um den Gesamtsieg und hoffentlich viele Sprintduelle mit deutscher Beteiligung kann man hierzulande täglich im Free-TV verfolgen: Eurosport überträgt den Giro d´Italia jeden Tag live.

 

Das Peloton beim Giro d´Italia 2015
Foto: TDW Sport
04.05.2016
Autor: Moritz Pfeiffer
© RoadBIKE