Per Rennrad, zu Fuß, auf Skiern – in einem Rutsch auf den Großvenediger


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Venediger Rush 2016
Foto: Heiko Mandl

 

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Foto: Heiko Mandl
Ein Multisport-Abenteuer der Extraklasse: 160 km mit dem Rennrad, 40 km bergauf und bergab mit Laufschuh und Tourenski, über 4000 Höhenmeter und 15 Stunden Hochleistung in zwei Tagen, das Ziel auf 3666 m Höhe – der Venediger Rush 2016. MOUNTAINBIKE-Testchef André Schmidt radelte und rannte mit. Hier sind seine Eindrücke sowie die besten Bilder und Videos.

„Der Venediger Rush ist kein Rennen“. So stand es in der Ausschreibung, so hieß es eindrücklich beim Start um 6:00 Uhr morgens in der Nähe von Salzburg. Nur, warum treten dann alle hier so verdammt stramm in die Pedale ihres Rennrads?

Warum jagen wir mit einem 30-km/h-Schnitt bei Temperaturen um den Gefrierpunkt durchs hügelige Salzburger Land? Über feuchte Landstraßen, in dünnen Lycra-Pellen? Warum ist hier alles so neblig? Wo sind die Berge, wo bleiben Spaß und Abenteuer? Und warum kann ich als passionierter Mountainbiker bloß so schlecht Windschatten fahren? Aber ich muss da jetzt mit. Denn: Ich will da hinauf.

Ein sportlicher Dreikampf bis hinauf auf 3666 Meter

Da? Das ist der Großvenediger. Die „weltalte Majestät“. 3666 Meter über dem Meeresspiegel. Fünfthöchster Berg Österreichs. Der höchste Salzburgs. Vor fast genau 175 Jahren erstbestiegen. Ein Jubiläum, das mich jetzt leiden lässt: Zur Feier führt ein Multisport-Abenteuer auf den wunderschönen Schneeriesen.

Zunächst über rund 160 Kilometer und 1000 Höhenmeter auf dem Rennrad von Salzburg nach Neukirchen am Großvenediger. Dann als Berglauf – zehn Kilometer, 800 Höhenmeter –, schließlich per Tourenski auf weiteren zehn Kilometern und 1000 Höhenmeter hoch zur Kürsinger Hütte. Alles an einem Tag wohlgemerkt.

Ehe es dann am nächsten Morgen dem Großvenediger aufs Dach gehen soll. Alleine bin ich nicht, sondern einer von 45 Aspiranten. Darunter auch Deutschlands bester Skibergsteiger Toni Palzer und Österreichs Snowboard-Hero Benjamin Karl.

Kurve. Bremsen. Beschleunigen. Kurve. Bremsen. Beschleunigen. Wir rauschen nach einer Pause in Kaprun die letzten 55 Rennrad-Kilometer durch Postkartenlandschaften. Wobei, das ist eine radelnde Ziehharmonika. Der schmale Radweg durchs Pinzgau reißt das Feld immer wieder auseinander.

Vorne wird gedrückt, hinten wird gehechelt und geflucht, ich bin irgendwie auch moralisch mittendrin, drücke mit. Und fluche gleichzeitig. Das kohlenhydratschwangere Mittagessen in Neukirchen eint das Feld wieder, füllt Magen und Lebensgeist. Nur, wie jogge ich den jetzt auf einen Berg? Wo ich schon in der Ebene ungern die Füße in die Hand nehme? Hilft nix, ich will da ja hinauf.


Venediger Rush 2016 from Ole Zimmer on Vimeo.



2000 Höhenmeter per Laufschuh und Ski hinauf zur Hütte

Ich laufe. Zu meiner eigenen Überraschung. Sogar halbwegs flott. Zumindest, so lange es nicht zu steil die Schotterrampen empor geht. Und irgendwie macht es Spaß. Vor allem weil ich zum ersten Mal das Gefühl habe, dass ich da wirklich oben ankomme. Also weiter. Rennend, gehend, rennend, gehend. Hinein in eine ganz andere Welt. Höhenmeter um Höhenmeter verschwindet der Frühling, wird Grün zu Weiß, tauchen die Gletscherberge auf.

Die letzte Etappe des Tages, per Ski zur Hütte. Eigentlich der Teil des Dreikampfes auf den ich mich vorab am meisten gefreut habe, wo ich mir meiner Stärke (naja ...) am sichersten war. Und das fühlte sich auf den ersten Metern auch alles richtig an.

Nur: Wo bleibt diese dumme Hütte denn nun? Auch wenn ich erst seit zwei Stunden auf meinen Ski durch die Glitzerwelt gleite, es fühlt sich eeeeewig an. Der Weg nervt. Entweder sehr steil oder viel zu flach. Schwer, einen Rhythmus zu finden. Und nix mehr zu Essen im Rucksack. Und immer noch keine Hütte in Sicht. Will ich da wirklich noch hinauf?

Der zweite Tag: Gipfelsturm bei Kaiserwetter

5:00 Uhr morgens, der Handy-Wecker rumpelt. Eigentlich unnötig, weil geschlafen habe ich eh kaum. Die Anstrengung des ersten Tages. Die schmerzenden Beine. Das in den gereizten Magen gepresste Hüttenessen. Das volle Matratzenlager mit dem üblichen Schnarchkonzert. Die Höhe von fast 2600 Metern. Aber ich will da jetzt wirklich hoch. Und es geht perfekt. In 10er-Seilschaften surren wir bei wolkenlosem Himmel in perfekter Harmonie gen Gipfel. Schnell sind wir gar. Nach gerademal 2,5 Stunden Laufzeit (normal sind 4 – 4,5) fallen wir uns reihum am Kreuz des Venedigers in die Arme. Ein Rausch dieser Rush.

Was folgt ist Genuss pur: fast kitschiges Traumpanorama, beseelte Abfahrts-Wedler auf erstaunlich veritablem Schnee, Weißbier nach unfallfreiem Abschwingen, ein letzter, leicht torkelnder (Glück? Weißbier?) Lauf hinab nach Neukirchen. Schuhe aus, Socken aus. Der obligatorische Blick zurück: Ich war da oben.

Venediger Rush 2016: Hier nochmal die Ausschreibung des Multisport-Events

Im Jahr 2016 jährt sich die Erstbesteigung des Großvenedigers zum 175. Mal. Den Auftakt zu den großen Jubiläumsfeierlichkeiten macht der Venediger Rush. Am 5. und 6. Mai starten die rund 50 Starter von Grödig bei Salzburg aus in die Hohen Tauern und auf den 3666 Meter hohen Gipfel der weltalten Majestät.

Die von Josef Schwab geführte Gruppe leistete 1841 nicht nur für die damalige Zeit Herausragendes. Seine Seilschaft mit Anton Ruthner, Josef Lasser von Zollheim, Ignaz von Kürsinger und anderen legte den Grundstein für den alpinen Tourismus im Oberpinzgau.


Venediger Rush 2014 – der Berg ist nicht genug from Ole Zimmer on Vimeo.



 

Vendiger Rush 2016 Wandern
Foto: Vendiger Rush

Diese großartige Leistung aus dem Jahre 1841 ist die Grundlage für ein einzigartiges Event im Rahmen der Jubiläumsfeierlichkeiten. Der Venediger Rush 2016 feiert die Leistungen der Vorfahren und zeigt dabei die Schönheiten des Salzburger Landes im Allgemeinen und des Nationalpark Hohe Tauern im Besonderen.

 

Vendiger Rush 2016 Skitouren
Foto: Vendiger Rush

Die Jedermann-Veranstaltung verbindet die drei Disziplinen Radfahren, Berglauf und Skibergsteigen zu einer besonderen Herausforderung. Der Venediger Rush ist ausdrücklich kein Rennen, aber alles andere als ein gemütlicher Spaziergang.

 

Vendiger Rush 2016 Skitouren
Foto: Vendiger Rush

Von Grödig vor den Toren der Landeshauptstadt Salzburg aus starten die Teilnehmer auf die rund 165 Kilometer lange wellige Radstrecke über Zell am See und Mittersill nach Neukirchen am Großvenediger. Hier, am Gasthof Siggen, stellen die Sportler die Räder ab und stärken sich bei einer Pinzgauer Jause. Wenig später startet das Feld zu Fuß bis an die Schneegrenze und von dort auf Tourenski weiter bis zum Tagesziel, der Kürsinger Hütte. In den frühen Morgenstunden des zweiten Tages dann nehmen die Starter den Gipfel des höchsten Salzburgers in Angriff.

 

Vendiger Rush 2016 Skitouren
Foto: Vendiger Rush

 

Vendiger Rush 2016 Abfahrt
Foto: Vendiger Rush

Alle Infos zum Rennen und das Formular zur Anmeldung finden Sie unter Venediger Rush 2016.

17.05.2016
Autor: André Schmidt
© RoadBIKE