Vorschau Tour de France 2016: Parcours, Favoriten, deutsche Sprint-Hoffnungen


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Tour de France 2015 Chris Froome gelbes Trikot Alpe d´Huez
Foto: TDW Sport

 

Profil der 1. Etappe der Tour de France 2016
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Profil der 2. Etappe der Tour de France 2016
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Profil der 3. Etappe der Tour de France 2016
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Profil der 4. Etappe der Tour de France 2016
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Die Tour de France kommt! Beim größten Radrennen der Welt kämpfen deutsche Rennfahrer um Etappensiege - und Chris Froome und Nairo Quintana um das Gelbe Trikot.

Die Sportwelt schaut derzeit auf Frankreich. Ab Samstag, den 2. Juli, rollt dort nicht nur bei der Fußball-EM der Ball, sondern auch das Peloton der Rennradprofis durchs Land. RoadBIKE liefert die Infos zur Tour de France.




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Foto: Opinel

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Deutsche Sprinter wollen auch in Frankreich dominieren

André Greipel und Marcel Kittel sind derzeit die schnellsten Sprinter im Peloton. Und bei der Tour de France machten die Beiden in den vergangenen Jahre fette Beute: Kittel holte 8 Etappensiege, Greipel derer sogar 10. Natürlich wollen beide auch in diesem Jahr auf den Ziellinien der Flachetappen die Arme in die Höhe recken. Besonders verlockend: Da es in diesem Jahr kein Prologzeitfahren gibt, schlüpft der Sieger der ersten Etappe ins Gelbe Trikot. Marcel Kittel (Etix-Quick Step) gelang dieses Kunststück bereits 2013 und 2014. André Greipel (Lotto-Soudal) fehlt das Gelbe Leibchen noch in seiner Sammlung. Und dann ist da ja noch die Straßenweltmeisterschaft im Oktober: Der WM-Kurs in Katar ist für Sprinter prädestiniert. Klare Sache, dass auch die Leistungen bei der Tour de France darüber entscheiden, welcher der deutschen Sprinter als Kapitän ins Rennen geht.

 

Greipel, Cavendish und Kittel im Sprintduell
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Derzeit scheint Greipel minimal die Nase vorn zu haben. Der "Gorilla" reist mit drei Etappensiegen vom Giro d´Italia im Gepäck an und besiegte Kittel jüngst bei den Deutschen Meisterschaften im direkten Duell. Kittel holte beim Giro zwei Etappensiege und fährt nach seinem unglücklichen Jahr 2015 stark wie eh und je. Spannung ist bei den Sprintentscheidungen der Tour also vorprogrammiert - denn auch die Konkurrenz will nicht tatenlos zusehen.

Etappenjäger und Grünes Trikot

Zu den größten Konkurrenten von Greipel und Kittel zählt Mark Cavendish (Dimension Data). 2015 jubelte der Brite in Fougères, satte 26 Etappensiege hat er bei der Tour de France bereits eingefahren. Mit Erfolgen in Katar, Kroatien und Kalifornien hat Cav auch in diesem Jahr seine Sprintstärke unter Beweis gestellt.

Weltmeister Peter Sagan (Tinkoff) ist ein weiterer Kandidat für einen Etappensieg. In den vergangenen Jahren sammelte er jedoch in fast schon tragischer Anzahl zweite Plätze. Sollte Sagan in der Form und Angriffslust des Vorjahrs sein, wird ihm aber das Grüne Trikot kaum zu nehmen sein.

 

Tour de France 2015 Cavendish siegt
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Eine Riege junger französischer Sprinter will zudem auf heimischem Terrain mitmischen. Arnaud Démare (FDJ) kommt als amtierender Sieger von Mailand - San Remo. Bryan Coquard (Direct Energie) hat bereits 11 Saisonsiege zu Buche stehen - zwar bei kleineren Rennen, doch das Selbstbewusstsein stimmt. 7 Saisonsiege kann auch Nacer Bouhanni (Cofidis) vorweisen. Der Bad Boy unter den Sprintern fiel aber auch negativ auf: Seine rabiate Fahrweise ist unbeliebt und provozierte bereits deutliche Kritik durch die Rennfahrerkollegen, und kürzlich prügelte sich Hobbyboxer Bouhanni in einem Hotel mit einem anderen Gast und musste mit mehreren Stichen an der Hand genäht werden.

Und dann ist da noch John Degenkolb. Der Deutsche bewies zuletzt ansteigende Form, nachdem sein schlimmer Trainingsunfall im Januar seine Saisonplanung gehörig durcheinander gewirbelt hatte. Degenkolb kann froh sein, den frontalen Zusammenprall mit einer auf der falschen Straßenseite fahrenden Autofahrerin überlebt zu haben. Sein erster Etappensieg in Frankreich wäre eine angenehme Therapie für Körper und Seele.

Der Kampf um das Gelbe Trikot

Während der Flachetappen geht es für die Favoriten um den Gesamtsieg darum, nicht zu stürzen und keine Zeit zu verlieren. Im Kampf um das Gelbe Trikot scheint alles auf eine große Auseinandersetzung zwischen Chris Froome und Nairo Quintana hinauszulaufen.

 

Chris Froome und Nairo Quintana bei der Tour de France 2015
Foto: TDW Sport

Titelverteidiger Froome (Team Sky) zeigte zwar im Frühjahr hier und da durchwachsene Leistungen, scheint aber pünktlich zum Saisonhöhepunkt in Form zu sein. Beim Criterium du Dauphiné holte er sich in überzeugender Manier seinen 3. Gesamtsieg. Dabei beeindruckte einmal mehr seine Mannschaft, die mit Mikel Landa einen mehr als gleichwertigen Ersatz für den zu BMC abgewanderten Leutnant Richie Porte verpflichtet hat. Die dominante, alle gegnerischen Offensiven erstickende Fahrweise von Sky mag zwar nicht allen Radsportfans gefallen, ist aber zweifelsohne effektiv.

Herausforderer Nairo Quintana (Movistar) wird die Dominanz der Sky-Domestiken in den Bergen durchbrechen müssen, wenn er Froome das Gelbe Trikot streitig machen will. Der kleine Kolumbianer hat in diesem Jahr bereits herausragende Erfolge feiern können: Quintana wurde Dritter bei der Tour de San Luis in Argentinien sowie der Baskenland-Rundfahrt und siegte bei der Katalonien-Rundfahrt, der Tour de Romandie sowie der Route du Sud. Dabei gewann er sogar ein Zeitfahren und zeigte sich auch als Ausreißer. Bei Quintana, der 2014 den Giro d´Italia gewann und 2013 und 2015 jeweils hinter Froome Zweiter der Tour de France wurde, lautet die Frage, wann er Paris in Gelb erreicht, nicht ob.

Kandidaten für die Top Ten

Zahlreiche weitere Fahrer bewerben sich für die Plätze unter den Top Ten des Gesamtklassements. Doch dass sie ernsthaft in den Kampf um Gelb werden eingreifen können, erscheint - trotz aller erworbenen Meriten und vorausgesetzt, Froome und Quintana stürzen nicht - wenig wahrscheinlich.

Alberto Contador (Tinkoff) setzt dieses Jahr ganz auf die Tour de France und wird in Topform am Start stehen. Für den besten Rundfahrer der vergangenen knapp zehn Jahre scheint dies mittlerweile aber nicht mehr zum Sieg zu reichen. Bei der Dauphiné-Rundfahrt wurden Contador am Berg mehrfach von Froome die Grenzen aufgezeigt, und trotz des Siegs bei der Baskenland-Rundfahrt überwiegen für ihn in letzter Zeit die knappen Niederlagen. Seine taktische Cleverness, seine Erfahrung und sein großer Kampfgeist könnten ihn aber noch einmal auf das Podium bringen.

 

Chris Froome bei der Tour de France 2015 an
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Auf Fabio Aru setzen die italienischen Fans ihre größten Hoffnungen. Der Astana-Fahrer, der am Tag der 2. Etappe seinen 26. Geburtstag feiert, wurde im letzten Jahr Zweiter beim Giro d´Italia und gewann die Spanien-Rundfahrt. Nun gibt er sein Debüt bei der Tour de France. Giro-Sieger Vincenzo Nibali soll als sein Edelhelfer fungieren. In der Vorbereitung holte Aru einen beeindruckenden Etappensieg bei der Dauphiné, fuhr in den Bergen jedoch hinterher. Für ihn wird es darum gehen, Erfahrungen zu sammeln und vielleicht einen Tageserfolg einzufahren. Für den ganz großen Wurf wird es kaum reichen.

Das BMC-Team geht mit einer Doppelspitze aus Tejay van Garderen und Richie Porte ins Rennen. Beide haben in den vergangenen Jahren bei den großen Rundfahrten geglänzt, aber auch immer wieder an schwarzen Tagen alle Chancen auf vordere Platzierungen eingebüßt. Es wird spannend sein zu sehen, ob sie diesmal konstant genug fahren, um ganz vorne mitmischen zu können.

 

Pinot und Bardet bei der Dauphiné 2016
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Die Hoffnungen der französischen Fans ruhen auf Thibaut Pinot (FDJ) und Romain Bardet (AG2R). Die jungen Kletterer ließen in den vergangenen Jahren bei der Tour mit Etappensiegen und guten Platzierungen im Gesamtklassement ihre Klasse aufblitzen. Dieses Jahr zeigten beide bereits gute Form und machten bei einer Bergetappe der Dauphiné den Sieg unter sich aus. Wenn sie es schaffen, ohne Zeitverlust die Pyrenäen zu erreichen, könnten sie ganz vorne mitmischen. Doch auch Warren Barguil könnte ins Rampenlicht fahren. Der Franzose vom Giant-Alpecin-Team wurde kürzlich Gesamtdritter der Tour de Suisse und ist ein Kandidat für das Weiße Trikot des besten Jungprofis.

Weitere Kandidaten für die Top-Ten sind Mathias Frank (IAM), Louis Meintjes (Lampre-Merida), Wilco Keldermann (Lotto NL-Jumbo) und Bauke Mollema (Trek-Segafredo).

28.06.2016
Autor: Moritz Pfeiffer
© RoadBIKE
Ausgabe 7/2016