Road to Görlitz: Abenteuer Langstrecke

Norman Franke unterwegs an der Costa Blanca.
Foto: Maria Galda
Vom Hobby-Rennradfahrer zum Langstreckensportler: In seinem Blog nimmt Norman Franke die RoadBIKE-Leser mit auf seinem Weg zum Race Across Germany. Diesmal geht's ins Trainingslager.

Abenteuer Langstrecke: Hobbyradsportler Norman Franke macht sich fit für das Race Across Germany. Und wo ließe sich die Grundlage für so ein 760-km-Rennen besser legen, als unter der Sonne Spaniens? Deshalb meldet sich Norman diesmal aus dem Trainingslager an der Costa Blanca.

 

Foto: Maria Galda

Teil 2: "No [S]pain, no gain” – im Trainingslager fürs Langstreckenrennen

Wie funktioniert eigentlich die Vorbereitung auf ein Langstreckenrennen? Auch zu diesem Thema konnte ich mit Race-Across-America-Sieger Pierre Bischoff bei unserem Treffen im Januar ausgiebig ausfragen. Antwort: Ein ganz wichtiger der vielen Bausteine ist der Aufbau der Grundlagenausdauer, ohne die Spritzigkeit Leistungsspitzen zu verlieren.

Klar, Grundlagenausdauer und Intervall-Einheiten stehen ohnehin auf meinem Trainingsplan. Bislang aber nach dem „Entweder-oder-Prinzip“: Lang und locker am Wochenende, kurz und intensiv unter der Woche. Pierres Tipp: Intervalle in längere Ausdauer-Einheiten integrieren. So kann ich etwa auf eine Intervall-Wiederholung verzichten und sie durch eine einstündige Fahrt im Grundlagenbereich ersetzen. Ein spannender Ansatz, der mir gerade mit Blick auf die Anpassung des Körpers an die im Frühjahr länger werdenden Touren sinnvoll erschien. Stichwort: Sitzprobleme und Co. Das wollte ich ausprobieren - und zwar im Trainingslager in Spanien.

Trainingslager
Was des Profis täglich Brot ist, stellt für mich als Hobby-Fahrer das Licht am Ende des nasskalten Winters dar. Da ich im Winter fleißig war, kam ich mit einer gewissen Grundform nach Spanien und konnte so auch längere Ausfahrten gezielt unter die Räder nehmen.

Durch meine positiven Erfahrungen aus dem vergangenen Jahr, ging es wieder zu Doris und Burkhard in die Ferienoase Los Caballos in Els Poblets, rund 100 km südlich von Valencia gelegen. Die Bedingungen sind perfekt: westlich der Ferienoase findet sich eine Hügelkette, die ideal für Intervalle oder Fahrtspiel-Ausfahrten ist. Entlang der Küste bietet sich die Möglichkeit für flache, gleichmäßige Grundlagentouren. Die Ferienoase selbst liegt ein wenig abseits eines kleinen Dorfes und bietet so ideale Gelegenheit zur Entspannung nach dem Training. Die persönliche, nahezu familiäre Stimmung trägt zusätzlich zur Erholung bei.

Die Trainingseinheiten
Mein Training habe ich klassisch in Dreierblöcken aufgebaut. Am jeweils ersten und letzten Tag eines Blocks bin ich zunächst Intervalle gefahren, gefolgt von einer etwa ein- bis zweistündigen Grundlagen-Tour. An den anderen Tagen habe ich mich den von Burkhard geführten Ausfahrten angeschlossen. Die vom Guide zur freien Fahrt eröffneten Anstiege nutzte ich dabei für intensivere Phasen.

Während der Intervalle habe ich mich auf 20-minütige Einheiten konzentriert. Sie entsprechen den Anforderungen beim Race Across Germany am ehesten.
Nach zwei intensiven Wochen an der Costa Blanca standen knapp 50 Trainingsstunden mit 1440 km und 15 000 Hm auf der Uhr.

Fazit
Das Trainingslager hat mir Vertrauen in meine belastbare Grundfitness gegeben. Auch größere Trainingsumfänge verkrafte ich sehr gut. Selbst am Ender der zweiten Woche konnte ich die Intervall-Einheiten noch problemlos absolvieren. Eine wichtige Erkenntnis, die mir hilft mein weiteres Training in Umfang und Intensität zu planen.
Wieviel „GAIN“ das Trainingslager tatsächlich gebracht hat, wird sich in der kommenden Woche zeigen: Es steht eine klassische Leistungsdiagnostik bei KOM*Sport in Köln an, dazu beim nächsten Mal mehr, euer Norman.

 

Race Across Germany
Foto: Felix Krakow

Teil 1: Inspiration und Motivation

Was bringt einen Software-Entwickler dazu, sich tagelang Nonstop im Sattel quälen zu wollen? Zum Beispiel ein packender Vortrag des Race-Across-America-Siegers Pierre Bischoff. Jetzt ist Hobbyradsportler Norman Franke (31) selbst heiß auf die Langstrecke. Beim Race Across Germany von Aachen nach Görlitz will er Anfang Juni seine Ultracycling-Premiere feiern. Wie es ihm auf dem Weg dorthin ergeht, verrät er ab sofort in diesem Blog.

Was habe ich mich gefreut, als ein gewisser Pierre Bischoff im vergangenen Sommer erschöpft aber sichtlich happy die Ziellinie in Annapolis im US-Bundesstaat Maryland überquert hat. Eine ganz besondere Ziellinie: Als erster Deutscher hat er das Race Across America gewonnen. Sozusagen die Königsklasse unter den Langstreckenrennen fürs Rennrad. 4800 km und gut 50000 Hm hat er zurückgelegt, in 9 Tagen und 17 Stunden. Fantastisch.

Ich selbst bin seit 15 Jahren dem Rennrad verfallen. Ich habe auch schon das eine oder andere 24-Stunden-Rennen absolviert. Seitdem verfolge ich auch die Langstreckenrennen mit steigendem Interesse. Aber so etwas selbst mal machen? Das konnte ich mir eigentlich nicht vorstellen. Bis ich Pierre Bischoff kennen lernte.

Im Winter habe ich ihn bei einem Vortrag über sein Rennen quer durch die USA erlebt. Packend und mit absolut glaubwürdiger Begeisterung hat er aus dem Nähkästchen geplaudert. Das hat einfach Lust gemacht. Beim gemeinsamen Abendessen habe ich ihn dann noch ordentlich ausgequetscht und irgendwann gemeinsam mit meiner Freundin Maria entschieden: Das will ich auch!

Vielleicht nicht unbedingt beim RAAM. Aber es gibt ja auch in Deutschland ein „Race Across Germany“. Und das führt in der „kurzen“ Variante von Aachen nach Görlitz sogar durch meinen Wohnort Bonn. Auf 760 km und rund 7000 Höhenmetern. Beste Voraussetzungen also für mein erstes Langstrecken-Event.

Jetzt starte ich die Vorbereitung. Und an der will ich euch mit meinem Blog regelmäßig teilhaben lassen. Denn vielleicht interessiert es euch ja auch, welche Erfahrungen ich mit Blick auf die richtige Vorbereitung mache. Vom Trainingslager über die Leistungsdiagnostik, vom Bikefitting bis zur Ernährung, und von der Materialwahl bis zur Organisation der Betreuung während des Race Across Germany selbst.

Dabei will ich das alles aber nicht nur für mich selbst machen, sondern mit der Aktion auch etwas für die Gesellschaft machen. Konkret für die DKMS. Wir unterstützen die Initiative bereits seit vielen Jahren mit unserem Verein, dem Radtreff Campus Bonn (www.radtreffcampus.de).

Zum Beispiel mit der Charity Tour, die in diesem Jahr am 16. und 17. September von Bonn nach Weilburg an der Lahn und zurück führen wird. Auch mit meinem Langstreckenrennen möchte ich auf das Thema Leukämie aufmerksam machen und Spenden für Registrierungs- und Typisierungsaktionen sammeln. Ziel der Aktion ist es, für jeden gefahrenen Kilometer einen Euro einzunehmen.

Wie es mir selbst auf meinem Weg bis zum Race Across Germany ergeht, berichte ich euch in den kommenden Wochen an dieser Stelle. Bis bald, euer Norman.

24.03.2017
Autor: Norman Franke
© RoadBIKE