Granfondo Giro d'Italia Vienna: Radfahren und Wien - das passt zusammen!

1200 Jedermann-Radsportler waren beim Granfondo in Wien am Start.
Foto: Granfondo Vienna
Granfondo Giro d'Italia in Wien - bei der zweiten Auflage des Jedermannrennens in Wien war die Langstrecke mit 137 Kilometern und 1500 Höhenmeter ziemlich anspruchsvoll. RoadBIKE-Chefredakteur Jens Vögele ist die Granfondo-Strecke mitgefahren.

Wien hatte bis 2014 gar kein Jedermann-Rennen, und plötzlich hatte es zwei. Einen Velothon und einen Granfondo Giro d’Italia – beide vergangenen September innerhalb von einer Woche. 2015 gibt es wieder beide Veranstaltungen, allerdings sind die Organisatoren des Granfondo mit ihrer Veranstaltung auf das erste Mai-Wochenende gegangen, wogegen der Velothon Vienna dieses Jahr am 20. September stattfindet.

Neu war beim Granfondo in diesem Jahr auch die Streckenführung. Nicht flach wie 2014, sondern durchaus hügelig und anspruchsvoll führte die 137 Kilometer lange Strecke über den Wienerwald nach Tulln und danach auf der anderen Seite der Donau wieder nach Wien zurück. Die Kurzstrecke war mit 67 Kilometern dagegen deutlich kürzer und quasi flach.

 

RoadBIKE-Chefredakteur Jens Vögele war beim Granfondo in Wien am Start.
Foto: Jens Vögele RoadBIKE-Chefredakteur Jens Vögele war beim Granfondo in Wien am Start.

Kühl und windig

Es war kühl und es nieselte leicht, bevor die rund 1200 Radsportler ins Rennen gingen. Aber rechtzeitig vor dem Start wurde es trocken. Gemütlich aber spektakulär ging’s vom Start am Prater los. Sightseeing auf Rädern war auf den ersten neutralisierten Kilometern angesagt, die unter anderem über die Wiener Ringstraße vorbei an den monumentalen Bauten führten. Aus der Stadt raus ging’s nach Klosterneuburg, gut 20 Kilometer neutralisert.

Was dann aber direkt nach dem scharfen Start kam, trennte die Spreu vom Weizen. Eine 18-Prozent-Wand hoch nach Hadersfeld pulverisierte das Starterfeld. Und damit war klar: Der Ritt durch den Wienerwald wird kräftezehrend, zumal mit der Dopplerhütte und dem Tulbinger Kogel noch zwei der Wiener Hausberge zu bezwingen waren. Immerhin: Richtig steil wurde es nach Hadersfeld nicht mehr, dafür aber landschaftlich richtig schön! In Tulln führte die Strecke auf die andere Seite der Donau ins südliche Weinviertel, und außer ein paar Hügeln, etwa bei der Burg Kreuzenstein, war das Streckenprofil auf dem Rückweg in Österreichs Hauptstadt eher wenig markant.

Alle, die aber dachten, sie könnten sich ausruhen, hatten sich getäuscht. Weil es windig wurde. Sehr windig sogar. Und der Wind aus Wien kam. Teilweise war der Gegenwind so stark, dass wir selbst im Peloton kaum mehr 30 auf dem Tacho hatten. Aber wir haben uns durchgebissen, zumal die Silhouette der Großstadt immer näher kam und verriet, dass das Ziel näher rückt. Und wir haben uns durchgebissen, obwohl die Flaschen leer waren, weil die zweite Verpflegungsstation aufgrund einer Panne nicht aufgebaut werden konnte.

Über die Donauinsel führte die Strecke zurück Richtung Prater zur verdienten (und schönen) Finishermedaille und zur (dringend benötigten) Finisher-Coke. Schön war’s! Wegen der Strecke und vor allem wegen dem, was Wien so einzigartig macht: die Kombination aus Geschichte, Großstadtleben und Natur.

Radfahren und Wien. Irgendwie passt das zusammen. Nicht nur beim Granfondo oder beim Velothon.

 

RoadBIKE-Chefredakteur Jens Vögele
Foto: Detlef Göckeritz

Der Autor

Jens Vögele ist begeisterter Mountainbiker, Rennradfahrer und Journalist.

Er arbeitet seit 2002 für das MountainBIKE-Magazin und gehörte zu den Gründern von RoadBIKE (2006) sowie von ElektroBIKE (2011).

Er ist als Chefredakteur verantwortlich für die Magazine MountainBIKE, RoadBIKE und ElektroBIKE.

19.06.2015
Autor: Jens Vögele
© RoadBIKE
Ausgabe 07, 08/2015