Mitgefahren: Challenge Roth 2016

Am Start bei der größten Langdistanz Europas

Challenge Roth 2016
Foto: Roth Foto
Faszination Langdistanz. Jeder Triathlet träumt davon, einmal die magischen Distanzen - 3,8km Schwimmen, 180km Radfahren, 42km Laufen - zu absolvieren. Auch ich bin der Versuchung erlegen.

Anders als mein ehemaliger Kollege Nils Fließhardt bin ich nicht sofort mit dem Einstieg in den Triathlonsport der Faszination Langdistanz erlegen. Ich blicke auf eine 14-jährige Triathlon-Karriere zurück in der ich jede Menge Sprint- und Kurzdistanzen, sowie einige Mitteldistanzen absolviert hatte, bevor ich überhaupt an die Langdistanz gedacht habe.

Aber jeder Triathlet träumt davon, einmal die magischen Distanzen - 3,8km Schwimmen, 180km Radfahren, 42km Laufen - zu absolvieren. Auch ich bin der Versuchung erlegen.

Und wie bei Nils fiel meine Wahl auch auf den "König der Langdistanzen", die größte Langdistanz-Veranstaltung in Europa - den Challenge Roth.

Das Rennen im Fränkischen zieht jedes Jahr über 2000 verrückte Triathleten in die Region. Bei der Online-Anmeldung, knapp 11,5 Monate vor dem Rennen, dauert es weniger als 1(!) Minute, bis 1000 Startplätze zu knapp 500 Euro vergeben sind.

Die ersten 1000 Plätze gehen sogar schon direkt Montags nach der Veranstaltung über den Tresen. Treue Starter gehen nach ihrem Finish gar nicht nach Hause, sondern kampieren bis Montag morgen vor dem großen Festzelt.

Für mich klappte es im Juni 2015 mit der Anmeldung am PC für 2016 und seit diesem Zeitpunkt stiegen Vorfreude und Aufregung in gleichem Maße. Denn eine Triathlon-Langdistanz beschränkt sich nicht nur auf einen Tag. Ähnlich wie bei einem Alpen-Marathon bestimmen Trainingspläne die 10 Monate vor dem ersten Langdistanz-Rennen.

Challenge Roth: Das lange Training

Für die meisten Triathleten geht nichts ohne Trainingsplan. Er bestimmt schon fast ein Jahr vor dem eigentlichen Wettkampf den Tagesablauf der Athleten. Mein Tagesablauf sollte nicht ganz vom Training abhängen, doch ganz unvorbereitet wollte ich mich auch nicht in eine Langdistanz stürzen.

Also gab es einen eher rudimentären Trainingsplan, der von mir auch eher rudimentär eingehalten wurde. Konkret waren das im Winter 6-8 Stunden Training die Woche, im Frühjahr und Sommer 10-15 Stunden. Sicher kein Bestzeiten-Training, aber dafür sehr gut mit Beruf und Freizeit vereinbar.

Challenge Roth: Das Material

Warum ein Langdistanz-Triathlon auch für Rennradfahrer interessant sein kann? Weil man so viel Zeit auf dem Rad verbringt. Außerdem sind Triathlonräder auch Nicht-Triathleten spannend, weil sie ohne Rücksicht auf UCI-Regeln die Limits des Möglichen ausreizen.

Für meine Langdistanz setzte ich auf ein Canyon Speedmax CF der 2015er Generation. Nicht das Neueste vom Neuen allerdings schon mit komplett innenverlegten Zügen und Kabeln, Ultegra Di2 Schaltung und voll integrierten Bremsen. Komplettiert wurde das ganze von Easton EC90 Aero55 Laufrädern.

Nachdem ich die Laufräder im Training mit Specialized Turbo Tubelss, also mit Dichtmilch ohne Schläuche, gefahren war, habe ich mich ein paar Wochen vor dem Rennen wieder für die klassische Lösung mit Schläuchen entschieden. Erstens geht der Wechsel im Falle eines Falles schneller, zweitens war ich von den Rolleigeschaften der Michelin Power Competition beeindruckt. Und ein bisschen weniger Rollwiderstand schadet bei 180 Radkilometern sicher nicht.

Beim Triathlon fällt die Kleidungswahl meistens auf einen Einteiler. Wer schon mal versucht hat direkt nach dem Schwimmen eine Radhosen anzuziehen, wird verstehen warum. Meine Wahl fiel auf den Castelli Free Sanremo Tri-Suit, einen Triathlon-Einteiler mit langen Ärmeln und Front-Reißverschluss. Das Polster hatte sich auf mehreren langen Touren und bei langen Läufen bewehrt. Der Front-Reißverschluss sollte mir am Renntag noch gute Dienst leisten.

Challenge Roth: Der Renntag

Egal, wie gut die Vorbereitung ist (und ich fühlte mich ausreichend, aber nicht perfekt, vorbereitet) - vor dem großen Tag wird alles nochmal in Frage gestellt: Ernährung, Material, Strategie - alles wird zig-mal umgeworfen und neu zusammen gestellt. Als ich dann am Renntag morgens am kühlen Main-Donau-Kanal stand, schwirrte mir so vieles im Kopf herum.

Doch um 7:10 gab es kein zurück mehr. Ein gewaltiger Kanonenschlag gab den Startschuss für meine Gruppe. Ab da hieß es dann, den Kopf auf positive Gedanken umschalten, um den Tag so gut wie möglich zu überstehen.

Das Schwimmen, früher fast so etwas wie meine "Paradedisziplin", gestaltete sich etwas durchwachsen. Der Kanal, in dem geschwommen wird, ist zwar breit, aber das lädt auch zum Zickzack schwimmen ein. Außerdem schwamm ich alle 10-15 Minuten auf die langsamen Schwimmer der vorherigen Startgruppen auf und musste mich immer wieder durch mehr oder weniger dichte "Pulks" schwimmen.

Als ich nach 1:06 aus dem Wasser stieg war ich nicht unbedingt zufrieden, aber auch nicht unangenehm überrascht. An einem guten Tag wäre sicher mehr drin gewesen. Aber es gilt die alte Triathlon-Weisheit: Beim Schwimmen wurde noch kein Triathlon gewonnen, aber schon viele verloren.

Vom eher langsamen Schwimmen noch nicht ganz ausgepowert, zog ich mich schnell im Wechselzelt um. Das Wetter war am 17.6.2016 heiter, aber zu dieser Uhrzeit (8:16) noch etwas frisch. Als Frostbeule entschied ich mich deshalb dazu, noch ein Trikot und eine Windweste über meinen Einteiler zu ziehen.

Für die Ernährung während des Wettkampfs hatte ich mir einen ausgeklügelten Plan zurechtgelegt. Auf dem Rad hatte ich insgesamt 8 Energie-Riegel dabei, zum Großteil schon ausgepackt in einer großen "Bento-Box" auf dem Oberrohr. Dazu 6 flüssige Energiegels in einer Radflasche hinter dem Sattel. Eine zweite Radflasche hinter dem Sattel und ein Trinksystem am Auflieger komplettierten das Programm.

Die Radstrecke in Roth besteht aus 2 Runden und gilt als eine der schnellsten im Langdistanz-Zirkus. Nicht im umsonst ist es immer der Challenge Roth, bei dem eine neue Langdistanz-Bestzeit aufgestellt wird. (So übrigens auch 2016, als Jan Frodeno mit 07:35:39 einen neue Welt-Bestzeit aufstellte.) Auch ich schien von der schnellen Strecke zu profitieren. Die erste halbe Runde legte ich mit einem 37er Schnitt zurück. Allerdings geht es dort auch tendenziell bergab und mein Puls bewegte sich noch in dem bereich, den ich eigentlich vorgesehen hatte. Also hieß es für mich erstmal einen Gang zurückschalten, um mich auf dem Rad zu sehr zu verfeuern.

Alles in allem lief es auf dem Rad sehr gut für mich. Nur mein Ernährungsplan machte mir zu schaffen. Nachdem ich mich gut 100 Kilometer ordentlich versorgt hatte (pro Stunde ca ein Riegel und ein Gel), machte mir ab Kilometer 130 mein Magen zu schaffen. Dauerbelastung und die viele süßen Gels und Riegel waren wohl einfach zu viel für meinen Körper. Meine Leistung litt nicht besonders, aber ich musste von meinem Ernährungsplan abweichen. Riegel und Gels bekam ich nur noch in kleinen Mengen und immer größeren Abständen herunter.

Als ich nach sehr genau 6:30 Stunden vom Rad stieg, hatte ich zwar noch einige nicht aufgegessene Riegel und Gels übrig, aber ich war mit meiner Zeit bis dahin sehr zufrieden. Selbst mit der von mir angestrebten Minimalziel den Marathon in 3:30 zu laufen (bei einer PB von 3:05 ein realistisches Ziel), könnte ich es eventuell sogar schaffen, unter 10 Stunden zu bleiben! Ein Wahnsinns-Motivation für den abschließenden Lauf-Part!

Auch fürs Laufen hatte ich mir meine eigenen Gels eingepackt und wollte ca. alle 30 Minuten eins zu mir nehmen. Doch schon beim ersten Gel in der Wechselzone merkte ich, dass der Plan nicht aufgehen würde. Sofort machte sich der Magen wieder sehr unangenehm bemerkbar. Die Beine fühlten sich dagegen erstaunlich frisch an, obwohl ich am Ende der Radstrecke nochmal unvernünftig aufs Tempo gedrückt hatte.

Mein Ziel-Pace von 4:40/5:00 konnte ich auf den ersten 4 Kilometern gut einhalten. Doch der Magen machte mir einen Strich durch die Rechnung. Schnell war mir klar, dass ich einen Toilettenstopp einlegen musste. Ungefähr alle 2 Kilometer gibt es Verpflegunsstellen, an jeder auch zwei Dixiklos. An der ersten schnappte mir ein Athlet die letzte frei Kabine vor der Nase weg. Nach unglaublich langen 2 Minuten Wartezeit beschloss ich, es bei der nächsten Verpflegunsstelle zu versuchen. Also Zähne zusammen beißen und weiter.

Beim zweiten Versuch hatte ich mehr Glück. Durch die unfreiwillige Pause hatte ich zwar Zeit verloren, fühlte mich aber auch besser. Also im ähnlichen Tempo weiter. Jetzt nur nicht versuchen, die verlorenen Zeit rauszulaufen und dabei über die Grenze hinauszugehen.

Bei Kilometer 13 zwangen mich die Magenkrämpfe erneut zur Toilettenpause. So langsam machte sich auch bemerkbar, dass ich von meinem Ernährungsplan abgewichen war, die Energiespeicher waren leer. Ich nutze jetzt jede Verpflegunsstelle für eine Gehpause und um Wasser, Iso und Melonenstücke (die bekam ich noch ganz gut runter) in mich hineinzufüllen. Die leeren Energiespeicher konnte ich so aber auch nicht wieder ganz auffüllen.

Am Ende kam ich nach einem anstregenden Marathon in 3:39 mit einer Gesamtzeit von 10:19:37 ins Ziel. Meine Wunschziel (zwischen 10:20 und 10:30) hatte ich somit locker erfüllt. Ich konnte den Zieleinlauf genießen und mich von der Menge nochmal feiern lassen.

Fotostrecke: Canyon-Prototyp gesichtet

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Canyon Prototyp Challenge Roth 2015 Foto: Alexander Karelly
Canyon Prototyp Challenge Roth 2015 Foto: Alexander Karelly
Canyon Prototyp Challenge Roth 2015 Foto: Alexander Karelly

Fotostrecke: Alles auf Roth: Leiden auf der Langdistanz

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Triathlon Challenge Roth 2015 Foto: Alexander Karelly
Triathlon Challenge Roth 2015 Foto: Alexander Karelly
Triathlon Challenge Roth 2015 Foto: Alexander Karelly
17.08.2016
Autor: Sebastian Hohlbaum
© RoadBIKE