Kommentar: Zahnloser Tiger

Christian Brunker, RoadBIKE
Foto: Jacqueline Bisset
Mit einem Gesetz will die Bundesregierung den Kampf gegen Doping im Sport vorantreiben. Dopingsündern und ihren Hintermännern drohen künftig sogar Haftstrafen. Doch ist das Anti-Doping-Gesetz wirklich ein großer Wurf? RoadBIKE-Redakteur Christian Brunker ist da skeptisch.

Die Bundesregierung setzt beim Kampf gegen Doping auf Abschreckung: Mit bis zu 3 Jahren Haft sollen betrügende Sportler und ihre Hintermänner bestraft werden können, allein der Besitz von Dopingmitteln ist strafbar.

Was auf den ersten Blick wie ein entschlossenes Vorgehen für einen sauberen Sport erscheint, wirft beim zweiten Blick viele Fragen auf. Diese müssen geklärt werden, damit das neue Gesetz auch in der Praxis überzeugen kann.

Das fängt damit an, dass die Nationale Anti-Doping- Agentur (NADA) zwar mehr Kompetenzen erhalten soll, aber von einer besseren Finanzausstattung der chronisch unterfinanzierten NADA ist im Gesetz nicht die Rede.

Diese müsste aber in der Lage sein, völlig unabhängig von den jeweiligen Sportverbänden, Zahl, Art und Zeitpunkt der Kontrollen zu bestimmen.

Bislang ist die NADA von den Zahlungen der Verbände abhängig, die natürlich nur ein begrenztes Interesse daran haben, dass allzu genau hingeschaut wird. Hinzu kommt, dass im NADA-Aufsichtsrat Sportfunktionäre und Politiker vertreten sind. Ein erster Schritt wäre zwingend, die NADA komplett unabhängig zu gestalten und damit jegliche Interessenskonflikte auszuschließen. Dies ist aber leider nicht vorgesehen. Doch selbst von einer positiven Kontrolle bis zu einer Haftstrafe ist es ein weiter Weg. In der Sportgerichtsbarkeit muss ein Sportler nachweisen, dass er trotz positiver A- und B- Probe nicht gedopt hat, um einer Sperre zu entgehen.

Für eine Freiheitsstrafe vor einem ordentlichen Gericht sind die Anforderungen jedoch ungleich höher: Dort muss die Staatsanwaltschaft beweisen, dass auch die abenteuerlichsten Erklärungsversuche nicht zutreffen, also beispielsweise Contadors Clenbuterol nicht aus dem Verzehr eines verunreinigten Stücks Fleisch stammen kann. Das ist in der Praxis aber nahezu unmöglich. Ganz abgesehen davon, können sich die Gerichtsverfahren über Jahre hinziehen. Es zeigt sich: Das Anti-Doping-Gesetz in dieser Form ist ein zahnloser Tiger und ein weiteres Beispiel für die Unentschlossenheit im Kampf gegen Doping.

Das Ziel ist bei Politik wie organisiertem Sport das gleiche: Es soll der Eindruck erweckt werden, entschieden gegen Doping vorzugehen; gleichzeitig muss aber ausgeschlossen werden, dass positive Dopingfälle ein schlechtes Licht auf den Sport werfen.

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15.01.2015
Autor: Christian Brunker
© RoadBIKE
Ausgabe 1/2015