Kommentar: Umweg inklusive

Christian Brunker, RoadBIKE
Foto: Jacqueline Bisset
Navigieren per GPS: Im Auto längst Standard, auf dem Rennrad immer wieder mit der Gefahr unliebsamer Überraschungen. Während das Abfahren von Routen mittlerweile meist problemlos klappt, tun sich auch aktuelle Geräte immer noch schwer, selbst die besten Strecken für Rennradfahrer herauszufinden.

GPS-Radcomputer am Rennrad sind eine feine Sache: Wer in unbekannten Regionen unterwegs ist, der kann sich vorher reizvolle Strecken raussuchen und nachfahren, ohne an jeder Kreuzung auf der Karte nachschauen zu müssen. Außerdem stellt man so sicher, dass man sich nicht durch zu lange oder zu anspruchsvolle Strecken übernimmt und weiß vorher genau, worauf man sich einstellen kann.

Dass man sich mit den aufgezeichneten Strecken auf Online-Portalen wie strava.com noch mit anderen vergleichen kann, ist ein zusätzlicher Reiz. Was mich aber regelmäßig zur Weißglut treibt, ist eine andere Funktion der GPS-Radcomputer: das Routing. Also wenn man ihnen den Auftrag gibt, einen zu einer bestimmten Adresse zu lotsen oder eine Rundtour zu erstellen. Meine Erfahrung – und die meiner Kollegen – zeigt aber: Es funktioniert einfach nicht zuverlässig. Mal will einen das Gerät auf eine für Fahrräder gesperrte vierspurige Bundesstraße lotsen, mal endet der Weg in einer Sackgasse vor Bahngleisen. Die auf der GPS-Karte angezeigte Brücke/Unterführung ist schlicht nicht existent.

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Ebenfalls immer wieder ärgerlich ist, wenn die eigentlich schöne und verkehrsarme Straße nach mehreren Kilometern plötzlich in einem für Rennräder unbefahrbaren Waldweg endet. Unzählig sind die Geschichten, die Ihnen GPS-Nutzer erzählen können. Die Ursache liegt einfach darin, dass die meisten Kartengrundlagen schlicht mangelhaft sind, denn genau wie die Navis im Auto müssten sie permanent aktualisiert werden – und das europaweit. Außerdem benuotigen Radfahrer andere Strecken-Informationen, beispielsweise den Fahrbahnbelag.

Wo ein Auto noch locker über einen Feldweg holpert, ist für einen Rennradfahrer Endstation. Wenn der Straßenbelag auf den hunderttausenden Straßenkilometern in der digitalen Karte nicht hinterlegt ist, sind böse Überraschungen nicht zu vermeiden. Natürlich gibt es auch unzählige Fälle, in denen das GPS-Routing wunderbar funktioniert — das muss der Gerechtigkeit halber gesagt werden. Und natürlich erinnert man sich an solche Touren weniger als wenn man sich richtig ärgern musste. Was aber bleibt: Man kann sich auf das GPS- Routing eben nicht verlassen. Deshalb kommt bei mir immer auch die gute, alte Straßenkarte in die Trikottasche!

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14.09.2014
Autor: Christian Brunker
© RoadBIKE