Kommentar: Trainieren nach Plan

Nils Flieshardt, RoadBIKE
Foto: Jacqueline Bisset
Bei den Profis zählen Trainingslageraufenthalte zum festen Bestandteil der Jahresplanung, und auch immer mehr Hobbyfahrer zieht es im Frühjahr in den Süden, um zielgerichtet zu trainieren. Sinnvoll oder Unsinn? Die RoadBIKE-Redaktion ist gespalten ...

Pro (Nils Flieshardt):

Rad fahren ohne Plan? Einfach so, aus Spaß am Sport? Gerne! Aber nicht im Trainingslager. Wer sich an den wertvollsten Tagen im Jahr nur treiben lässt, anstatt nach sinnvollen Vorgaben zu trainieren, verpasst die Chance, die anstehende Saison auf ein solides Fundament zu stellen. Ohne einen individuell erstellten Plan besteht zudem die Gefahr, zu viel zu machen, was zu langwierigen Verletzungen fuhren kann. Zu keinem Zeitpunkt in den kommenden Monaten bekommt man wieder die Chance, sich ohne Ablenkung auf den Formaufbau zu konzentrieren.

Wenn der Job, die Familie oder andere Hobbys Zeit einfordern, dann sind Kompromisse notwendig. Im Trainingslager gehört der Sportler nur sich selbst. Es spielt übrigens keine Rolle, ob Sie ambitionierte Ziele verfolgen oder nur fit sein wollen. Ein Trainingslager kann der entscheidende Anschub zu einem richtig guten Jahr werden, und wie motivierend Sonne sein kann, weiß jeder Rennradfahrer aus eigener Erfahrung.

Und sogar der verordnete Ruhetag ist kein Grund zur Sorge. Schließlich lässt er sich super nutzen, um das Wettkampfjahr zu planen. Und vielleicht sogar ein paar Tage Urlaub mit dem Rad.

 

Christian Brunker, RoadBIKE
Foto: Jacqueline Bisset Christian Brunker - Will sich den Spaß am Rennradfahren nicht durch Trainingspläne verderben lassen.

Kontra (Christian Brunker):

Die Sonne strahlt bei 22 °C, eine leichte Brise erfüllt die Luft mit Mandelduft ... Und was mache ich? Liege am Pool mit Pauschaltouristen. Warum? Der Trainingsplan schreibt Regeneration vor, obwohl draußen geradezu ideale Bedingungen zum Radeln herrschen. Und das, nachdem Schnee und Glatteis meinen Renner über Monate in der Garage gefangen gehalten haben. Nein, auf festgezurrte Trainingspläne lasse ich mich deshalb nicht ein – schon gar nicht, wenn ich mal eine Woche nur mit dem Rennrad verbringen kann.

Diese kostbare Zeit will ich genießen und nicht mit der Stoppuhr im Auge Intervalle fahren. Nicht schon wieder in Richtung Hotel abbiegen, weil die Trainingszeit abgelaufen ist, statt noch einen Abstecher runter nach Sa Calobra zu machen – und schon gar nicht will ich mir die Espresso-Pause und das After-Ride-Bier madig machen lassen. Es mag sein: Wer nach Plan trainiert, trainiert effektiver. Aber wofür? Um beim Ötztaler statt auf Platz 1196 auf 1083 anzukommen? Die eigene Bestzeit um 10 Minuten zu verbessern? Also ehrlich: Da nutze ich meine knappe Zeit doch lieber, um so lange und so viel Rennrad zu fahren, wie ich Lust dazu habe.

Fotostrecke: Rennrad-Neuheiten für die Saison 2017

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15.03.2015
Autor: Niels Flieshardt/Christian Brunker
© RoadBIKE
Ausgabe 3/2015