Kommentar: Offen für Neues

Alex Walz, RoadBIKE
Foto: RoadBIKE
Vorurteile über Bord werfen, ab und an etwas Neues ausprobieren und dabei völlig überraschende Erfahrungen machen – das Rennradfahrer-Leben kann so abwechslungsreich sein. Dennoch tun sich viele Radsportler schwer damit, alte Zöpfe abzuschneiden. Und sich für neue Erfahrungen zu öffnen.

Wer braucht das?“, höre ich Rennradfahrer immer wieder sagen, sobald die Sprache auf technische Innovationen kommt. Oder auf Aktivitäten, die mit liebgewonnenen Traditionen brechen. Im Grunde eine verständliche Reaktion. Warum sollte man sich von bewährtem Material oder von alten Angewohnheiten verabschieden, so lange alles reibungslos funktioniert und kein Anlass zum Meckern besteht? Ich sage: Warum nicht!

Was wäre mir alles entgangen, hätte ich mich nicht immer wieder auf Neues eingelassen! Dabei müssen es gar nicht immer die großen technischen Revolutionen sein, die das Rennradfahrer-Leben am Ende bereichern. Doch auch auf die muss man sich erst einmal einlassen. Ein Beispiel: Obwohl seit Langem ein Freund elektronischer Schaltungen und Verfechter der Scheibenbremse am Rennrad – eine echte Notwendigkeit dafür konnte ich zunächst nicht erkennen. Zu gut funktionierten schon vor Jahren mechanische Schaltungen und Felgenbremsen. Erst nachdem ich beides intensiv ausprobieren konnte, gab es für mich keine Zweifel mehr. Ob man sich das Ganze dann auch leisten kann oder möchte, ist natürlich ein anderes Thema.

Doch oft sind es ja auch kleine Investitionen, die Großes bewirken. Wie vor Jahren, als ich zum ersten Mal breitere Reifen auf mein Rennrad montierte. Erst 25er, dann immer häufiger auch fette 28-mm-Pneus. Die bringen nicht nur Komfort und Grip, sie nehmen auch Schotterpisten ihren Schrecken. Mein Aktionsradius hat sich seitdem dramatisch vergrößert, meine Ausfahrten wurden abwechslungsreicher – lange, bevor das Thema „Gravel- Racer“ in aller Munde war. Ein komplett anderes Thema: meine ersten „Gehversuche“ auf der Bahn. Starre Nabe, keine Bremse, immer nur im Kreis fahren – meine Vorbehalte gegen den Bahnradsport waren gewaltig. Dass sich beim Kreiseln auf dem Holzoval so etwas wie Fahrspaß einstellen könnte, schien mir kaum vorstellbar. Wie habe ich mich getäuscht! Und wie freue ich mich heute, dass ich es trotzdem ausprobiert habe! Inzwischen besitze ich mein eigenes Bahnrad.

Vergangenen Winter schließlich habe ich mir eine freie Rolle ausgeliehen, obwohl ich mit Indoor-Training wirklich gar nichts am Hut habe. Die Berichte einiger Radsport-Kollegen hatten mich so neugierig gemacht, dass ich das Thema auf meiner To-do-Liste unbedingt abhaken wollte. Der Anfang war wackelig, und es hat einige Anläufe gebraucht, bis ich mich oben halten konnte. Aber: Es war eine gute Erfahrung – und es hat Spaß gemacht! Was kommt als Nächstes? 1 x 11-Antriebe sollen das nächste große Ding am Rennrad werden. Ganz ehrlich, ich bin skeptisch! Ausprobieren muss ich es trotzdem, nicht nur aus beruflichem Interesse. Wer weiß ...

Fotostrecke: Rennrad-Neuheiten für die Saison 2017

88 Bilder
Cervelo P5X 2017 neues Triathlonrad Foto: Cervelo
Rennrad-Neuheit für 2017: Cervelo S3 Disc Foto: Cervelo
Gravel-Racer Orbea Terra 2017 Prototyp Foto: Felix Krakow
15.06.2015
Autor: Alexander Walz
© RoadBIKE