Kommentar: Laufen als Lösung?

Nils Flieshardt, RoadBIKE
Foto: Jacqueline Bisset
Laufen als Lösung? Naht der Winter, schnüren wieder viele Radsportler die Laufschuhe. Sich in der kalten Jahreszeit mit „Alternativsportarten“ fitzuhalten, ist gute Tradition. Doch so mancher Radfahrer pflegt auch eine tiefe Abneigung gegen die flotte Fortbewegung auf zwei Beinen. In der RB-Redaktion finden sich ebenfalls Anhänger beider Lager.

Pro (Nils Flieshardt):

Fakt ist: Laufen geht immer. Mag die Zeit noch so knapp sein, die Umgebung noch so fremd und das Wetter noch so mies: Schuhe an, und los geht’s. Auf dem Weg zum Bäcker, in der Mittagspause, nach Feierabend, auf Dienstreise ... Ich könnte als Argument natürlich auch die unglaubliche Intensität anführen, mit der man plötzlich seine Umwelt wahrnehmen kann. Von den Gerüchen im herbstlichen Wald schwärmen oder von der Ruhe auf der Runde um den See.

Ich könnte von den Reisen erzählen, auf die ich völlig gefahrlos meine Gedanken schicke, während ich einen Schritt vor den nächsten setze, ohne auf den Straßenverkehr oder tückische Wurzeln achten zu müssen. Und ich könnte von der extrem motivierenden Wirkung der Musik berichten, die beim Tempo-Training für Feuer sorgt. Ich könnte belegen, dass man seine Zeit in Hinblick auf die Aufwand-Nutzen-Rechnung kaum besser investieren kann, als in einen flotten Lauf. Die Zufriedenheit beschreiben, die einkehrt, wenn man den Körper von den Zehen- bis zu den schweißnassen Haarspitzen gefordert hat. Oder ich könnte es ganz knapp zusammenfassen: Laufen geht immer!

 

Felix Krakow, RoadBIKE
Foto: Jacqueline Bisset Felix Krakow - Der RoadBIKE-Redakteur hat spätestens seit den Bundesjugendspielen ein gespaltenes Verhältnis zum Lauf-„Sport“.

Kontra (Felix Krakow):

Okay, ihr Verfechter der heißen Sohle, ihr könnt jetzt aufhören. Es glaubt euch ja doch kein Mensch, dass dieser Quatsch wirklich Spaß machen soll. Ehrlich, ich habe es selbst ausprobiert. Und ich sah, dass es schlecht war. Laufen, also das, was 99,9 Prozent der „Läufer“ sagen, wenn sie eigentlich von „Joggen“ sprechen, ist die Ausgeburt eines Nicht-Sports. Es ist langsam, es ist schrecklich langweilig – und es geht auch noch voll auf die Knie. Wenn Gott, also in unserem Fall Karl Drais – alternativ auch Pierre Michaux und Pierre Lallement – gewollt hätte, dass der Mensch läuft, dann hätte er doch nicht das Fahrrad erfunden. Streng genommen ist Laufen also Blasphemie. Schämt euch was!

Und dass mir hier jetzt keiner mit den immensen Vorteilen in puncto Trainingsintensität kommt. Müsst ihr halt schneller fahren! Guckt euch nur mal eine halbe Stunde richtiges Cyclocross-Training an. DAS ist Intensität. Bleibt noch das gern genommene Argument vom Laufen als tolle Rennrad-Alternative für den Winter. Quatsch! Das Mountainbike ist eine tolle Alternative für den Winter. Oder der Cyclocrosser. Meinetwegen, und mit ganz viel Liebe auch noch die Langlaufski. Aber Laufschuhe? Please!

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14.12.2014
Autor: Nils Flieshardt/Felix Krakow
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