Kommentar: 1000 Fragen

Christian Brunker, RoadBIKE
Foto: Jacqueline Bisset
Einfach losfahren – das war einmal. In den vergangenen Jahren haben sich nicht nur die Rennräder enorm weiterentwickelt, auch vor Parts und Bekleidung haben die Ingenieure nicht halt gemacht. Das Ergebnis sind hoch spezialisierte Produkte für alle möglichen Bedingungen - ein Trend, der nicht jedem gefällt ...

Wer aufs Rennrad steigt, muss stark sein – denn es gilt, harte Entscheidungen zu treffen: Das Touren- Rennrad nehmen? Oder die Zeitfahrmaschine? Den Klassiker mit Renngeometrie oder doch lieber den Crosser? Oder warum nicht mal den Gravel-Racer ausführen? Aber damit sind die Entscheidungen noch lange nicht vorbei: Nehme ich die Langstrecken-Radhose mit dem kräftigen Polster? Oder doch die eher harte Race-Variante? Muss es der schnelle Aero-Straßenhelm sein oder die etwas besser belüftete Variante? Im Kampf um die letzten Sekunden zur Bestzeit könnte auch ein Aero-Trikot mit dieser Haifischhaut-Beschichtung helfen.

Brauche ich ein Unterhemd mit Kühlung oder doch eins, das wärmer hält? Was sagt überhaupt das Wetter: Muss ich vorher noch die Regenreifen aufziehen? Brauche ich nur eine Windweste oder doch eine Regenjacke? Warum gibt es eigentlich nichts, was sowohl Wind als auch Regen abhält? Das mit der Mondlandung hat doch schließlich auch geklappt.

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Foto: RoadBIKE

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Zugegeben, für die meisten stellt sich nur ein Bruchteil dieser Fragen vor der Ausfahrt – ganz einfach deshalb, weil sich niemand dieses ganze Geraffel leisten kann – und will. Und trotzdem kommen immer neue Spezialprodukte hinzu, die die jeweiligen Anforderungen noch besser erfüllen. Windwesten mit Spoiler, die durch die entstehenden Wirbel noch aerodynamischer sein sollen. Radhosen, die den Schweiß vom Rücken auf die Oberschenkel leiten, um sie dort zu kühlen. Sättel mit Massagefunktion. Klar, ohne innovative Ingenieure würden wir wahrscheinlich immer noch vor jedem Anstieg das Hinterrad umdrehen und uns vor der anschließenden Abfahrt Zeitungspapier unters Trikot stopfen.

Vor diesem Hintergrund hat so manche Innovation ihre Berechtigung. Aber muss es immer noch spezialisiertere Spezialprodukte geben? Was bringt es mir, wenn ich zwar für absolut jeden Temperatur- und Einsatzbereich die beste Ausrüstung habe, mir über den Perfektionierungswahn aber der Spaß völlig abhanden gekommen ist? Denn darum sollte es doch immer gehen: Rausfahren – und Luft, Landschaft und Bewegung genießen! Einfach so.

Fotostrecke: Rennrad-Neuheiten für die Saison 2017

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15.04.2015
Autor: Christian Brunker
© RoadBIKE
Ausgabe 4/2015