Blog: Auf dem Weg zur Haute Route

Foto: Rose Goldman Rose Goldman Haut Route Blog Werkzeug
Rose Goldman ist Rennrad-Neuling und möchte die Haute Route in den Dolomiten überstehen. Im Blog beschreibt sie den beschwerlichen, und manchmal komischen Weg dorthin.

Teil 4: Gute Radschläge und erste Schraubversuche

„Lass mich wissen, wie es gelaufen ist. Ich finde es immer spannend von Leuten zu hören, die sich unerreichbare Ziele stecken!“ So verabschiedete sich neulich einer meiner Radfahrer-Freunde, als ich ihm erzählte, dass ich bei der Haute Tour Dolomites an den Start gehen würde.

Ah, das ist wohl die typisch deutsche Direktheit, von der alle immer Sprechen. Meine Landsleute die Briten haben diese Fähigkeit nicht – hier sagt kaum einer genau das, was er meint. Zwei Beispiele: Wenn ein Brite am Ende einer Unterhaltung etwas „apropos“ erwähnt, dann war das sicher der Hauptgrund des Gesprächs. Oder „Das war sicher mein Fehler.“ bedeutet: „Es war zu 100 Prozent deine Schuld!“

Naja, mich für die Haute Route anzumelden, war definitiv mein eigene Fehler, aber mir immer wieder zu sagen, was das für ein RIESENFEHLER war, hilft mir auch nicht weiter. Ja, ich will die Haute Route Dolomiten mitfahren. Ja, ich weiß dass es 800 Km und 20.000 Hm in 7 Tagen sind. Ja, ich trainiere. Ja, mir ist bewusst, dass es schmerzhaft wird. Erzählt mir mal was Neues!

Denn es gibt ziemlich viele Tipps, die ich nicht kenne und die tatsächlich hilfreich wären. Aber zum Glück gibt es ja Google. Was bedeutet 50/34, 11-32? Keine Ahnung, aber Google weiß es und ich jetzt auch. Etwas nicht zu wissen, ist nichts wovor man Angst haben müsste und nichts was einem peinlich sein sollte.

Wer Berge hochfahren möchte, sollte sich mit diesen Zahlen vertraut machen. 50/34 sind die Anzahl der Zähne auf dem großen und kleinen Kettenblatt an der Kurbel. Hier gilt: je kleiner, desto leichter die Gänge. 11-32 sind die Anzahl der Zähne des kleinsten und größten Ritzels (die Zahnräder am Hinterrad). Hier gilt: je größer, desto leichter der Gang. Klingt komisch, ist aber so.

Ich rate jedem aus vollstem Herzen, sich gut mit seinem Rad vertraut zu machen. Ich hatte immer Angst davor – ich bin kein Mechaniker und besitze keinen Werkzeugkasten – ich habe ein oder zwei Inbus-Schlüssel, das war‘s.

Und da war immer diese Stimme in meinem Kopf: Was, wenn ich etwas kaputt mache? Oder etwas repariere und dann fällt es während der Fahrt auseinander? Oder der schlimmste Gedanke von allen: Was, wenn ich etwas nicht hinbekomme und dann in den Fahrradladen gehen und dem Mechaniker erklären muss, was ich angestellt habe? Den Anblick auf seinem Gesicht würde ich nicht ertragen können.

Aber all das muss euch ganz egal sein! Schaut euch einfach ein paar Videos auf Youtube an und fangt mit etwas einfachem wie „Lenkerband wechseln“, „Wie putze ich mein Fahrrad richtig“ oder „Schlauch flicken“ an. Als nächstes fragt ihr vielleicht einen technisch begabten Freund, ob er euch etwas zeigen kann – und hinterher checken kann, ob auch alles sicher ist.

Fangt damit an, euch euer Rennrad genau anzuschauen. Ja, genau jetzt.

Wie breit ist eigentlich euer Lenker? Welche Zahlen stehen auf den Kettenblätter und der Kassette? Was sind Kettenblätter und wo ist die Kassette?? Die Zahlen müsst ihr euch nicht alle merken, aber so fangt ihr an ein Gefühl für euer Rad zu bekommen.

Warum der ganze Aufwand? Weil Wissen ja bekanntlich Macht ist. Wer etwas über die Einstellung des eigenen Rennrads sagen kann oder sich an einem Gespräch über Sattelhöhe beteiligen kann, hat es im Rennrad-Leben leichter. Und spart am Ende sogar auch Geld.

Es kann euch davor schützen, dass euch teure Teile aufgeschwatzt werden, die ihr vielleicht gar nicht braucht. Vor allem, wenn ihr vorhabt längere Touren zu fahren und hohe Berge zu erklimmen. Wenn der Lenker die falsche Breite hat, kann das auf längeren Touren zu Schulterschmerzen führen. (40cm Breite sind ein guter Anfang. Sollte euer Lenker breiter sein, messt mal eure Schulterbreite. Lenker- und Schulerbreite sollten ungefähr gleich sein.)

Und die richtige Übersetzung (welche Gänge ihr habt, die Zahlen von weiter oben) hilft euch ungemein, die Berge hoch zu kommen. Manche Räder sind eher für flaches Gelände oder Fahrer mit sehr starken Beinen ausgerüstet.

Sich dessen einfach bewusst zu sein, hilft schon ungemein, wenn man mit einer Frage zum Radladen geht oder wenn man etwas am Rad reparieren oder austauschen möchte. Es gibt euch mehr Selbstvertrauen im Umgang mit dem Rad und anderen Fahrradfahren. Und am wichtigsten: Das Fahren macht so mehr Spaß.

Ich weiß immer noch sehr wenig. Aber ich weiß mehr als am Anfang und ich habe mehr Vertrauen in mein Rad, mein Set-up und dass es zu mir und meinen Plänen passt. Und ich bin mittlerweile ziemlich gut im Lenkerband wechseln!

Foto: Markus Stephani Rose Goldman Haut Route Blog Training

Rollentraining gehört einfach dazu.

Tagebuch einer Rennradfahrerin Teil 2: Rolle fahren und Gesäßschmerzen

Es tut weh, sehr sogar. Ich zähle mal alle Körperteile auf, die mir weh tun, damit man ein gutes Bild von meinem Schmerz bekommt. Mein Hintern kommt auf der Schmerz-Liste auf Platz 1. Danach meine Beine, dicht gefolgt von den Schultern. Und dann alles andere.

Der Schweiß tropft mir von der Stirn, mein Gesicht hat eine unnatürlich rote Farbe angenommen, meine Unterlippe macht komische Sachen und das Frauenmagazin auf dem Couchtisch versucht mir zu erzählen, wie ich fit und sexy sein kann. Finde ich gar nicht komisch. Aber am schlimmsten ist, dass ich einfach nicht vom Fleck komme und sogar das Hinterrad aus meinem Rennrad ausgebaut ist!

Willkommen zum Training auf der Rolle! Warum man das macht? Nun, das Rolle-Fahren ist die Antwort auf viele Fragen im Radsport: Wie kann ich trainieren, wenn draußen die Wetter-Apokalypse tobt oder es einfach im April nochmal schneit? Wie hole ich das Meiste aus meinen wenigen Trainingsstunden raus, wenn man gleichzeitig auch noch Geld verdienen soll? Wie kann ich beim Radfahren gleichzeitig fernsehen? Die Antwort lautet jedes Mal: auf der Rolle. (oder wenn man besonders masochistisch veranlagt ist auf einer freien Rolle.)

Was mich am Radsport manchmal ärgert, ist, dass man manche Dinge einfach wissen muss, weil sie einem niemand erklärt. Aber ich halte es da wie Donald Rumsfeld – es gibt einfach Dinge von denen ich weiß, dass ich nichts davon weiß. Der Rollentrainer ist ein gutes Beispiel dafür.

Bisher bin ich davon ausgegangen, dass die Profis im Winter im Süden trainieren und alle anderen einfach eine Pause Machen so lange es draußen kalt ist (abgesehen von ein paar Verrückten, die auch im Winter fahren). Stattdessen trainieren die Profis und etliche Hobbysportler im Winter auf Rollentrainern! Und jeder Rennradfahrer (und jeder Coach!) mit dem ich gesprochen habe, ist einfach davon ausgegangen, dass ich natürlich auch einen Rollentrainer besitze.

Am Ende konnte ich mich nur über diese scheinbare Selbstverständlichkeit wundern – und dann doch einfach einen Rollentrainer kaufen. Jeder, der im Sommer eine längere Distanz in Angriff nehmen will, hat einen. Und sobald man sich etwas mehr Gedanken über den eigenen Trainingsplan macht, ergibt es auch einen Sinn.

Einsteiger-Rollentrainer gibt es schon ab 150 Euro. Diese Modelle sind günstig, machen aber auch mehr Lärm und haben nicht so viele Einstellungsmöglichkeiten. Für mehr Geld erhält man auch mehr Funktionsumfang und das Gerät ist nicht mehr so laut. Die teuersten Rollentrainer nennt man „Smart Trainer“, denn sie können und wissen tatsächlich mehr: Leistunsanalyse, Streckensimulation und Wettkämpfe gegen andere Sportler, die auf ihrem Rollentrainer schwitzen aber nicht vom Fleck kommen. Aber egal wie teuer, auf allen kann man ordentlich trainieren.

Mein Rollentrainer stand am Anfang vor allem in der Ecke und hat mich vorwurfsvoll angestarrt, um mich daran zu erinnern, dass das Ding nicht nur Deko ist sondern dass man es auch benutzen muss. Aber ehrlich gesagt, war der Rollentrainer eine der besten Investitionen, die ich für mein Training machen konnte, dicht gefolgt von einem personalisierten Trainingslpan, der den Rollentrainer mit einschließt. Denn am Ende werden mein Hinter und meine Beine dankbar für diese Vorbereitung sein.

Foto: Markus Stephani Rose Goldman Haut Route Blog Training

Berge sind für Rennradanfänger besonders aus der Ferne schön.

Teil 1: Worum geht es in diesem Rennrad-Blog?

Die kurze Antwort ist Radsport. Man könnte auch sagen, dass Alkohol eine entscheidende Rolle gespielt hat. Dank der Tatsache, dass mein größter Ansporn Angst und ein bisschen zu viel Wein ist, habe ich jetzt noch weniger als fünf Monate um herauszufinden, wie man Rad fährt. Oder besser gesagt wie man ein 7-tägiges Abenteuer mit dem Namen Haute Route überlebt: über 800km, mehr als 20.000 Höhenmeter, mit Start in Innsbruck und Ziellinie in Venedig.

Nicht der Rede wert? Naja, vielleicht schon. Denn obwohl ich nun seit viele Jahren Rad fahre, würde mich immer noch als Neuling bezeichnen. 160 Kilometer war bis jetzt die längste Strecke, die ich bis jetzt auf dem Rad geschafft habe. Und das keines Falls in einer Rekordzeit.

Außerdem sind größere Berge und Anstiege in meiner Heimat England Fehlanzeige – ich komme nämlich aus London. Da haben wir vielleicht ein paar Hügel, aber die sind im Vergleich zu den Alpen gar nichts. Jetzt lebe ich in München und kann die Berge sogar sehen. Doch mein zu großer Respekt hat mich bis jetzt von ihnen ferngehalten.

Ich bin kein Radsport-Nerd und wenn man mich bis vor kurzem nach meinen Watt-Werten gefragt hätte, wären mir als erstes Glühbirnen in den Kopf gekommen.

Der Spannende Weg zu Haute Route

Doch jetzt ist es zu spät um einen Rückzieher zu machen. Ich muss das ganze wohl durchziehen und würde mich freuen, wenn ihr mich auf meinem Weg begleitet – oder zumindest auf dem Teil der euch gefällt.

Lass uns gemeinsam ein Ziel verfolgen: Egal ob einfach nur auf dem Rad in den Bergen rumgurken oder einen ersten richtigen Wettbewerb absolvieren – gemeinsam können wir versuchen unseren inneren Schweinehund zu überwinden.

Von Bike-Fitting über Ernährung bis zum Training und Dehnen werde ich alles in den kommenden Wochen und Monaten durchleben – oder zumindest den legalen Teil davon. Auf EPO werde ich verzichten und Zugang zu einer privaten Blutbank habe ich leider auch nicht.

Aber Ich werde mir so viele Radsportexperten wie möglich zur Brust nehmen und ich möchte mit euch teilen, was ich auf meinem Weg zur Haute Route entdecken und erleben werden. Hoffentlich kann ich euch zeigen, wie man sicherer auf dem Rennrad wird, sich im Training verbessert, immer mehr Kilometer abspult und viel Zeit mit dem schönsten Sport der Welt verbringt – Rennrad fahren!

Du hast eine radsportbezogene Frage? Dann lass es mich wissen!

Rose Goldman

Um wen geht es?

Rose Goldman, gebürtige Engländerin, ist eine leidenschaftliche Rennradsportlerin die vor kurzem mit Sack und Rad von London nach München zog. Sie ist nicht nur nach Deutschland gekommen um hier zu leben, sondern möchte vor allem in der Frauenradsportszene etwas bewegen.

Mit ihrem jungen Label Victor+Leap stellt Rose funktionelle, aber trendige Radbekleidung für sportliche Damen her. Und damit nicht genug: Im September stellt sich die 33-jährige zum ersten Mal der Herausforderung an einem mehrtägigen Jedermann-Etappenrennen teilzunehmen, der berüchtigten Haut Route Dolomites.

In diesem Blog berichtet Rose, wie sie sich auf dieses neue Projekt mit großem Elan, wechselnder Motivation aber brennender Leidenschaft für Radsport vorbereitet. Oder es eben versucht. Mit ihrer Geschichte verfolgt sie ein klares Ziel: Rose möchte noch mehr Frauen zu leidenschaftlichen Rennradfahrerinnen machen!

Oder in ihren eigenen Worten: „My aim is to get more women out there loving cycling and generally being awesome.”

11.08.2017
Autor: Rose Goldman
© RoadBIKE