Blog: Auf dem Weg zur Haute Route

Rose Goldman Haut Route Blog Training
Foto: Markus Stephani
Rose Goldman ist Rennrad-Neuling und möchte die Haute Route in den Dolomiten überstehen. Im Blog beschreibt sie den beschwerlichen, und manchmal komischen Weg dorthin.

Tagebuch einer Rennradfahrerin Teil 2: Rolle fahren und Gesäßschmerzen

Es tut weh, sehr sogar. Ich zähle mal alle Körperteile auf, die mir weh tun, damit man ein gutes Bild von meinem Schmerz bekommt. Mein Hintern kommt auf der Schmerz-Liste auf Platz 1. Danach meine Beine, dicht gefolgt von den Schultern. Und dann alles andere.

Der Schweiß tropft mir von der Stirn, mein Gesicht hat eine unnatürlich rote Farbe angenommen, meine Unterlippe macht komische Sachen und das Frauenmagazin auf dem Couchtisch versucht mir zu erzählen, wie ich fit und sexy sein kann. Finde ich gar nicht komisch. Aber am schlimmsten ist, dass ich einfach nicht vom Fleck komme und sogar das Hinterrad aus meinem Rennrad ausgebaut ist!

Willkommen zum Training auf der Rolle! Warum man das macht? Nun, das Rolle-Fahren ist die Antwort auf viele Fragen im Radsport: Wie kann ich trainieren, wenn draußen die Wetter-Apokalypse tobt oder es einfach im April nochmal schneit? Wie hole ich das Meiste aus meinen wenigen Trainingsstunden raus, wenn man gleichzeitig auch noch Geld verdienen soll? Wie kann ich beim Radfahren gleichzeitig fernsehen? Die Antwort lautet jedes Mal: auf der Rolle. (oder wenn man besonders masochistisch veranlagt ist auf einer freien Rolle.)

Was mich am Radsport manchmal ärgert, ist, dass man manche Dinge einfach wissen muss, weil sie einem niemand erklärt. Aber ich halte es da wie Donald Rumsfeld – es gibt einfach Dinge von denen ich weiß, dass ich nichts davon weiß. Der Rollentrainer ist ein gutes Beispiel dafür.

Bisher bin ich davon ausgegangen, dass die Profis im Winter im Süden trainieren und alle anderen einfach eine Pause Machen so lange es draußen kalt ist (abgesehen von ein paar Verrückten, die auch im Winter fahren). Stattdessen trainieren die Profis und etliche Hobbysportler im Winter auf Rollentrainern! Und jeder Rennradfahrer (und jeder Coach!) mit dem ich gesprochen habe, ist einfach davon ausgegangen, dass ich natürlich auch einen Rollentrainer besitze.

Am Ende konnte ich mich nur über diese scheinbare Selbstverständlichkeit wundern – und dann doch einfach einen Rollentrainer kaufen. Jeder, der im Sommer eine längere Distanz in Angriff nehmen will, hat einen. Und sobald man sich etwas mehr Gedanken über den eigenen Trainingsplan macht, ergibt es auch einen Sinn.

Einsteiger-Rollentrainer gibt es schon ab 150 Euro. Diese Modelle sind günstig, machen aber auch mehr Lärm und haben nicht so viele Einstellungsmöglichkeiten. Für mehr Geld erhält man auch mehr Funktionsumfang und das Gerät ist nicht mehr so laut. Die teuersten Rollentrainer nennt man „Smart Trainer“, denn sie können und wissen tatsächlich mehr: Leistunsanalyse, Streckensimulation und Wettkämpfe gegen andere Sportler, die auf ihrem Rollentrainer schwitzen aber nicht vom Fleck kommen. Aber egal wie teuer, auf allen kann man ordentlich trainieren.

Mein Rollentrainer stand am Anfang vor allem in der Ecke und hat mich vorwurfsvoll angestarrt, um mich daran zu erinnern, dass das Ding nicht nur Deko ist sondern dass man es auch benutzen muss. Aber ehrlich gesagt, war der Rollentrainer eine der besten Investitionen, die ich für mein Training machen konnte, dicht gefolgt von einem personalisierten Trainingslpan, der den Rollentrainer mit einschließt. Denn am Ende werden mein Hinter und meine Beine dankbar für diese Vorbereitung sein.

 

Rose Goldman Haut Route Blog Training
Foto: Markus Stephani Berge sind für Rennradanfänger besonders aus der Ferne schön.

Teil 1: Worum geht es in diesem Rennrad-Blog?

Die kurze Antwort ist Radsport. Man könnte auch sagen, dass Alkohol eine entscheidende Rolle gespielt hat. Dank der Tatsache, dass mein größter Ansporn Angst und ein bisschen zu viel Wein ist, habe ich jetzt noch weniger als fünf Monate um herauszufinden, wie man Rad fährt. Oder besser gesagt wie man ein 7-tägiges Abenteuer mit dem Namen Haute Route überlebt: über 800km, mehr als 20.000 Höhenmeter, mit Start in Innsbruck und Ziellinie in Venedig.

Nicht der Rede wert? Naja, vielleicht schon. Denn obwohl ich nun seit viele Jahren Rad fahre, würde mich immer noch als Neuling bezeichnen. 160 Kilometer war bis jetzt die längste Strecke, die ich bis jetzt auf dem Rad geschafft habe. Und das keines Falls in einer Rekordzeit.

Außerdem sind größere Berge und Anstiege in meiner Heimat England Fehlanzeige – ich komme nämlich aus London. Da haben wir vielleicht ein paar Hügel, aber die sind im Vergleich zu den Alpen gar nichts. Jetzt lebe ich in München und kann die Berge sogar sehen. Doch mein zu großer Respekt hat mich bis jetzt von ihnen ferngehalten.

Ich bin kein Radsport-Nerd und wenn man mich bis vor kurzem nach meinen Watt-Werten gefragt hätte, wären mir als erstes Glühbirnen in den Kopf gekommen.

Der Spannende Weg zu Haute Route

Doch jetzt ist es zu spät um einen Rückzieher zu machen. Ich muss das ganze wohl durchziehen und würde mich freuen, wenn ihr mich auf meinem Weg begleitet – oder zumindest auf dem Teil der euch gefällt.

Lass uns gemeinsam ein Ziel verfolgen: Egal ob einfach nur auf dem Rad in den Bergen rumgurken oder einen ersten richtigen Wettbewerb absolvieren – gemeinsam können wir versuchen unseren inneren Schweinehund zu überwinden.

Von Bike-Fitting über Ernährung bis zum Training und Dehnen werde ich alles in den kommenden Wochen und Monaten durchleben – oder zumindest den legalen Teil davon. Auf EPO werde ich verzichten und Zugang zu einer privaten Blutbank habe ich leider auch nicht.

Aber Ich werde mir so viele Radsportexperten wie möglich zur Brust nehmen und ich möchte mit euch teilen, was ich auf meinem Weg zur Haute Route entdecken und erleben werden. Hoffentlich kann ich euch zeigen, wie man sicherer auf dem Rennrad wird, sich im Training verbessert, immer mehr Kilometer abspult und viel Zeit mit dem schönsten Sport der Welt verbringt – Rennrad fahren!

Du hast eine radsportbezogene Frage? Dann lass es mich wissen!

 

Rose Goldman Haut Route Blog Training
Foto: Rose Goldman

Rose Goldman

Um wen geht es?

Rose Goldman, gebürtige Engländerin, ist eine leidenschaftliche Rennradsportlerin die vor kurzem mit Sack und Rad von London nach München zog. Sie ist nicht nur nach Deutschland gekommen um hier zu leben, sondern möchte vor allem in der Frauenradsportszene etwas bewegen.

Mit ihrem jungen Label Victor+Leap stellt Rose funktionelle, aber trendige Radbekleidung für sportliche Damen her. Und damit nicht genug: Im September stellt sich die 33-jährige zum ersten Mal der Herausforderung an einem mehrtägigen Jedermann-Etappenrennen teilzunehmen, der berüchtigten Haut Route Dolomites.

In diesem Blog berichtet Rose, wie sie sich auf dieses neue Projekt mit großem Elan, wechselnder Motivation aber brennender Leidenschaft für Radsport vorbereitet. Oder es eben versucht. Mit ihrer Geschichte verfolgt sie ein klares Ziel: Rose möchte noch mehr Frauen zu leidenschaftlichen Rennradfahrerinnen machen!

Oder in ihren eigenen Worten: „My aim is to get more women out there loving cycling and generally being awesome.”

02.06.2017
Autor: Rose Goldman
© RoadBIKE