Frühjahrsklassiker: Die Ardennen warten

Mur Huy 2015 Ardennen
Foto: TDW
Nach den Kopfsteinpflaster-Rennen fordern die Ardennenklassiker in der zweiten Aprilhälfte einen ganz anderen Typ von Radprofi. RoadBIKE schaut voraus.

Michal Kwiatkowski ist einer der wenigen Fahrer, die den Spagat wagen: Der Pole vom Team Sky startet sowohl bei ausgewählten Kopfsteinpflasterrennen als auch bei den Ardennenklassikern mit Siegambitionen. Im letzten Jahr gewann Kwiatkowski im Weltmeistertrikot das Amstel Gold Race, in diesem Jahr schlug er im Zweiersprint beim E3 Harelbeke niemand geringeren als Peter Sagan.

Doch Kwiatkowski ist eher die Ausnahme. Die Zeiten, in denen ein Fahrer Gent-Wevelgem, Paris-Roubaix und Flèche Wallone gewinnt und bei Lüttich-Bastogne-Lüttich und Flandernrundfahrt aufs Podium fährt wie Eddy Merckx im Jahre 1970, sind vorbei. Spezialisierung lautet das Stichwort. Fahrer wie Cancellara, Sagan oder Boonen, die auf den Kopfsteinpflastern dominierten, treten bei den Ardennenklassikern in den Hintergrund. Puncheure wie Joaquim Rodriguez, Alejandro Valverde oder Philippe Gilbert kommen nun zum Zug.

Loading  

 

Lüttich Bastogne Liege 2015
Foto: TDW

Die Rennen in den Ardennen

Bei den Klassikern in der zweiten Aprilhälfte sind die Anstiege zahlreicher und meistens auch länger als in Flandern. Den Auftakt bildet der "Pfeil von Brabant" am Mittwoch, den 13. April. Die Strecke führt über 205 Kilometer zwischen Leuven und Overisje. Dabei stellen sich den Fahrern 26 Anstiege in den Weg. Der Sieger wird schließlich auf einer 23 Kilometer-Runde ermittelt, die drei Mal gefahren wird und jeweils mit fünf Anstiegen aufwartet.

Beim Amstel Gold Race am Sonntag, den 17. April, müssen die Fahrer nicht weniger als 32 Anstiege erklimmen. Das Rennen startet in Maastricht und endet nach 258 Kilometern kurz hinter dem Cauberg nahe Valkenburg. Zu den entscheidenden Stellen gehören die Anstiege Kruisberg, Eyserbosweg, der bis zu 22 Prozent steile Keutenberg und der Cauberg.

Der Flèche Wallone wiederum am Mittwoch, den 20. April, führt über knapp 200 Kilometer von Charleroi zur berüchtigten Mauer von Huy. Dieser bis zu 20 Prozent steile Schlussanstieg wird auch 2016 der Scharfrichter des Rennens sein. An gleicher Stelle und am gleichen Tag ermitteln auch die weltbesten Radrennfahrerinnen beim Damen-Rennen eine Siegerin.

Lüttich-Bastogne-Lüttich beschließt am Sonntag, den 24. April, als ältestes noch ausgetragene Eintagesrennen die Ardennenklassiker. Die Erstauflage fand 1892 statt. 2016 führt die Strecke über 253 Kilometer und zehn, zumeist längere Anstiege. Schlüsselstellen des Rennes sind unter anderem die steile Côte de la Redoute und die Côte de Saint-Nicolas. Spannung verspricht das neue Finale: Um den Rennverlauf offener als in den vergangenen Jahren zu gestalten, haben die Organisatoren mit der Côte de la Rue Naniot einen neuen, 600 Meter langen und im Schnitt 10 Prozent steilen Anstieg ins Programm aufgenommen. Danach geht es wie gewohnt den Schlussanstieg zum Ziel in Ans hinauf.

 

Lüttich Bastogne Liege 2015
Foto: TDW

Die Favoriten

Häufig sprinten bei den Ardennenklassikern kleinere Gruppen um den Sieg. Fahrer, die bei längeren Anstiegen gut klettern, am Ende eines langen Renntages aber noch die Kraft für einen langen Sprint in den Beinen haben, sind klar im Vorteil. Neben den klassischen Puncheuren sind es vor allem die Rundfahrtspezialisten, die die Ardennenklassiker für einen ernsthaften Formtest nutzen.

Alejandro Valverde (Movistar) ist Seriensieger in Lüttich und beim Flèche Wallone. Da er beim Giro d´Italia mit Ambitionen startet, dürfte er in Top-Form in die Ardennen reisen. Joaquim Rodriguez (Katusha) gewann den Flèche Wallone 2012 und holte sich an der Mauer von Huy den Etappensieg, als die Tour de France im Vorjahr zu Gast war. Phillipe Gilbert (BMC) schaffte 2011 das seltene Kunststück, alle vier Ardennenklassiker für sich zu entscheiden. Ob er in diesem Jahr starten kann, ist noch unsicher, nachdem er sich bei einer Auseinandersetzung mit Autofahrern am vergangenen Freitag im Training den Mittelfinger gebrochen hat.

Weitere Fahrer mit Ambitionen in den Ardennen werden unter anderem Daniel Martin und Julian Alaphilippe (etixx-Quick Step), Bauke Mollema und Fränk Schleck (Trek-Segafredo), Ben Hermanns (Lotto-Soudal), Romain Bardet (AG2R), Rui Costa (Lampre-Merida), Roman Kreuziger (Tinkoff) und Vincenzo Nibali (Astana) sein, wobei nicht alle Fahrer auch bei allen vier Rennen starten.

Und dann ist da noch Michal Kwiatkowski, der den Spagat wagt zwischen Kopfsteinpflaster und Ardennen.

Fotostrecke: Flandernrundfahrt 2016: Die Rennradtricks der Profis

36 Bilder
Flandernrundfahrt 2016: Die Rennrad-Tricks der Profis Foto: Sebastian Hohlbaum
Flandernrundfahrt 2016: Die Rennrad-Tricks der Profis Foto: Sebastian Hohlbaum
Flandernrundfahrt 2016: Die Rennrad-Tricks der Profis Foto: Sebastian Hohlbaum
12.04.2016
Autor: Moritz Pfeiffer
© RoadBIKE