"Garmin Velothon: Eine Riesen-Veranstaltung"

Foto: privat
Björn Schröder hat als Radprofi viele Erfolge vorzuweisen und war unter anderem bei den Radställen von Wiesenhof, Stölting und Nutrixxion unter Vertrag. Für das Team Milram fuhr er zwei Mal die Tour de France. Beim Velothon in Berlin war der 35-Jährige, der mittlerweile wieder Rennen fährt und beim Team Ur-Krostitzer/Giant angeheuert hat, als einer von vielen Safer-Cycling-Guide dabei und gab mit seinen Kollegen und seiner Erfahrung den über 10 000 Garmin Velothon-Teilnehmern wertvolle Tipps zum Fahren in großen Pelotons. Im Interview mit RoadBIKE-Chefredakteur Jens Vögele berichtet er über seine Erlebnisse beim Velothon in Berlin.

Was ist für dich das Besondere am Velothon in Berlin?

Es ist einfach unglaublich, wie viele Menschen Spaß daran haben, zusammen Fahrrad zu fahren. Der Velothon ist einfach eine Riesen-Sportveranstaltung.

Du warst als einer von vielen Safer Cycling Guides im Fahrerfeld. Was war genau deine Rolle?

Natürlich schauen wir darauf, dass die Leute gut miteinander umgehen und Respekt voreinander haben. Weil es ist unglaublich, wie ambitioniert vor allem im vorderen im vorderen Teil des Fahrerfeldes Rad gefahren wird. Und im Windschatten fahren dann viele mit, denen wir noch viele Tipps geben können. Etwa wie man ablöst, wie man fährt, wenn der Wind von der Seite kommt, wie man Gefahrenstellen anzeigt.

Hilft das, Stürze zu vermeiden?

Wenn so viele Leute zusammen Radfahren, gibt es naturgemäß auch Stürze, vor allem weil im Renntempo irgendwann die Konzentration nachlässt. Aber wir als Safer Cycling Guides tragen schon dazu bei, dass alle etwas sicherer sich im Feld bewegen können. Und wenn dann trotz Renntempo noch Zeit bleibt, die Kulisse Berlins zu sehen und die Atmosphäre zu genießen, ist das einfach genial. Mit dem Fahrrad auf abgesperrten Straßen durch die Weltstadt an allen Sehenswürdigkeiten vorbei – das ist einfach eine Riesensache.

Wie ist es für dich als Ex-Profi mit so vielen Hobbysportlern zusammen zu fahren?

Mir macht das sehr viel Spaß, weil mir einfach Fahrrad fahren schon immer wahnsinnig viel Spaß gemacht hat. Ich ziehe den Hut davor, wie viele Menschen Hobby, Training und Beruf unter einen Hut kriegen. Wenn ich dann noch dazu beitragen kann, dass Hobbysportler ein paar Tipps kriegen, mit denen sie besser werden, ist das für mich auch eine Bestätigung. Mir hat’s sehr, sehr viel Spaß gemacht.

Wie beurteilst du das sportliche Niveau beim Velothon?

Vorne wird natürlich richtig Gas gegeben. Aber der Start in verschiedenen Blocks macht es möglich, dass sowohl die ganz Ambitionierten als auch diejenigen, die nicht ganz so schnell unterwegs sind, einigermaßen homogene Gruppen bilden können. Das Niveau vorne ist aber wirklich schon sehr hoch. Hut ab! Es war sehr schnell und wir waren ja auch wieder schnell im Ziel. Immer Unterlenker und immer Zug auf der Kette.

Kannst du uns Hobbysportlern noch ein paar Tipps geben, wie man ein Rennen wie den Velothon möglichst stress- und sturzfrei überlebt?

Ganz wichtig ist, dass man wirklich immer konzentriert ist, sich nicht ablenken lässt und die Hände am Lenker hat. Dann muss man plötzliche Reaktionen vermeiden. Bremsen, Ausscheren oder die Linie verlassen, ist immer gefährlich, weil der Hintermann nicht damit rechnet. Was aber auch ganz wichtig ist: Genügend essen und trinken. Es ist einfach so, dass man im Training weniger Energie braucht als im Rennen. Im Renntempo ist man aber ganz schnell unterzuckert, und dann lässt die Konzentration nach. Und trotz allem Rennfieber ist es auch hilfreich, mal einen Nebenmann in die Lücke zu lassen und nicht verbissen um jeden Millimeter zu kämpfen. Das hilft zu vermeiden, dass sich Lenker verhakeln und dadurch Stürze passieren. Man muss ja auch daran denken: Dahinter fahren noch Hunderte andere, die keine Chance haben, einem Sturz auszuweichen.

Entspannung hilft also auch in der Rennatmosphäre?

Auf jeden Fall – der Velothon ist ja eine Jedermannveranstaltung, und da sollte am Ende der Spaß im Vordergrund stehen. Respekt voreinander ist sehr wichtig. Und viel wichtiger als die Platzierung ist, dass man abends noch mit Freunden und Familie feiern kann und am nächsten Tag wieder seinen Job erledigen kann. Am besten ohne Schürfwunden und Sturzverletzungen. Und wenn man bei solchen Jedermannrennen nur ein bisschen aufeinander Acht gibt, dann kann man damit schon ganz viel bewirken.

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Foto: Hoch Zwei
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Impressionen vom Velothon 2014

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Garmin Velothon Berlin 2014 Foto: Hoch Zwei
Garmin Velothon Berlin 2014 Foto: Hoch Zwei
Garmin Velothon Berlin 2014 Foto: Hoch Zwei
02.06.2015
Autor: Jens Vögele
© RoadBIKE