BMC Teammachine: Neues Top-Rennrad aus der Schweiz

Foto: Jeremie Reuiller BMC Teammachine SLR01 Disc 2017

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Aus der Schweiz kommt ein neues High-End-Rennrad mit Scheiben- und Felgenbremsen: das BMC Teammachine SLR. Hier gibt es alle Infos und Bilder.

Der Name lässt es bereits vermuten: Die Teammachine ist kein Rad, das für die entspannte Fahrt zur Eisdiele entwickelt wurde. Die Teammachine ist ein Renner klassischer Prägung: Schnell, leicht, steif. Und seit einigen Generationen das meistgenutzte Arbeitsgerät der Profis vom BMC Racing.

Kein Wunder, dass BMC zur Vorstellung des neuen Renners in die Französischen Alpen einlud. Denn wo ließe sich ein waschechtes Race-Bike besser „erfahren“ als auf den legendären Pässen der Tour de France? Klangvolle Namen wie Col d’Ornon, Col de la Croix de Fer, Col du Télégraphe, Col de l’Izoard standen an zwei Testtagen auf dem Programm. Ausreichend Gelegenheit also, dem neuen Teamrenner schon mal ordentlich auf den Zahn zu fühlen.

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BMC Teammachine: Design aus dem Supercomputer

Die Teammachine Modelljahr 2018 wurde mit Hilfe der beim Vorgänger eingeführten ACE-Technolgie entwickelt. Vereinfacht gesagt „errechnet“ dabei ein Supercomputer unzählige Varianten eines Rahmens anhand vorgegebener Paramater, um schließlich das bestmögliche Ergebnis zu erzielen. Bereits minimale Änderungen im Carbon-Lay-up oder der Form können das Ergebnis maßgeblich beeinflussen.

Besonders erfolgversprechende Entwürfe werden als Prototypen gebaut und unter Realbedingungen getestet – unter anderem vom ehemaligen Teamfahrer und Tour-de-France-Sieger Cadel Evans, der als exzellenter Testfahrer gilt. Letztlich dient das ACE-Verfahren dazu, den Entwicklungprozess zu beschleunigen. Wurden beim Vorgänger bereits 38 000 Varianten durchgerechnet, setzte man beim Konstruieren neuen Teammachine weitere 18 000 obendrauf. Ziel: „Find ways to make the best better“, wie Road Product Manager Mart Otten selbstbewusst verkündet.

Moderneres Design, steifer, aber nicht viel leichter

Abgesehen von den inneren Werten schlägt sich die Weiterentwicklung auch optisch – deutlich sichtbar – nieder. Die neue Teammachine wirkt moderner, die Linienführung klarer. Vor allem beim Top-Modell SLR01 mit elektronischer Schaltung und hydraulischen Scheibenbremsen: Kabel und Leitungen sind praktisch komplett innen verlegt, nicht zuletzt durch die vollintegrierte Lenker-/Vorbaueinheit, die in ähnlicher Form auch an der 2016 vorgestellten Roadmachine verbaut wird und für ein extrem aufgeräumtes Cockpit sorgt.

Die Anpassung an unterschiedliche Sitzpositionen erfolgt über formschöne, geteilte Spacer, die sich ohne Öffnen der Hydraulikleitungen tauschen lassen – und so eine weitreichende Anpassung an unterschiedliche Sitzpositionen erlauben, ohne das die Linienführung durchbrochen wird.

Rahmen und Gabel sind teils asymmetrisch konzipiert – um bei gleicher Steifigkeit Gewicht zu sparen und dem veränderten Kraftfluss bei der Verwendung von Scheibenbremsen gerecht zu werden. Dennoch wurde der Rahmen der aktuellen Teammachine im Vergleich zum Vorgänger laut BMC 25 Gramm schwerer (815 zu 790 Gramm in RH 54, SLR01). Für einen hoch integrierten, scheibenbremstauglichen Rahmen ist das Gewicht dennoch beeindruckend. BMC spricht von „einem der leichtesten Disc-Rahmen auf dem Markt“.

Die Rahmenvariante mit Felgenbremsaufnahme spielt bis auf wenige Gramm in der gleichen Gewichtsklasse. Grund ist auch hier weitreichende Systemintegration und die Verwendung von Directmount-Sockeln für die Felgenbremsen.

Gewicht gespart hat BMC aber nicht nur durch optimierte Rahmenformen und Lay-ups, sondern beim Disc-Renner etwa durch die Direct-Flatmount-Bremssattelbefestigung, die ohne Adapter auskommt, eigens entwickelte Steckachsen (12 x 142 und 12 x 100), ein äußerst filigranes, gleichwohl steifes Schaltauge und eine optimierte D-Shape-Sattelstütze, die in Verbindung mit der integrierten Sattelklemmung und den tief angesetzten Sitzstreben hohen Komfort garantieren soll. Für die Lenkkopfsteifigkeit verspricht BMC das Niveau des Vorgängers zu erreichen, für die Tretlagersteifigkeit nennt der Hersteller ein Plus von 10 Prozent.

BMC Timemachine SLR01 Disc Team: erster Praxistest

Soweit die Theorie. Und wie fährt sich die neue Teammachine? Wie zu erwarten: Schnell! Für die Ausfahrten stand eine Teammachine SLR01 mit elektronischer Dura-Ace und hydraulischen Scheibenbremsen (160/140 mm) zur Verfügung – die Top-Variante der Modellfamilie. Laut Hersteller exakt 6,85 kg schwer.

Spielerisch zu beschleunigen, wendig in verwinkelten Passagen, aber dennoch nie nervös oder gar unruhig. Trotz aller Wendigkeit, vermittelt der Renner auch auf Highspeed-Abfahrten oder beim harten Anbremsen vor Kurven viel Sicherheit. Stichwort Bremsen: Die neuen Dura-Ace-Disc-Stopper entpuppten sich im ersten harten Praxiseinsatz als echte Macht: Extrem kraftvoll, perfekt dosierbar, dabei mit geringen Handkräften zu bedienen. Heiß gebremst neigen sie zum Klingeln, was sich nach kurzer Abkühlphase allerdings schnell wieder legt. Kurz: Der perfekte Partner, um die Bewegungsfreude der Teammachine jederzeit sicher im Zaum zu halten. Auch die Schaltung arbeitet – Di2-typisch – mit kurzen Wegen, blitzschnell und äußerst geschmeidig.

Wer nun fürchtet, die Teammachine sei als Profi-Rad nur etwas für leidgeprüfte Berufsradfahrer, sieht sich aufs Angenehmste enttäuscht. Wie bereits der Vorgänger bietet der SLR01-Rahmen ordentlich Komfort. Und das nicht nur am Heck (siehe oben), nein, auch die Front gibt sich durchaus verbindlich. Selbst für einen modernen Disc-Renner ist das keine Selbstverständlichkeit.

Wie schon in der Vergangenheit bietet BMC die Teammachine nicht nur mit dem Top-Rahmen-Set unter der Bezeichnung SLR01 (als Disc- und Felgenbremsversion zu haben) in verschiedenen Ausstattungsvarianten an, sondern auch als günstigere SLR02-Modellreihe. Das SLR02-Rahmen-Set fällt etwas schwerer aus, da aus anderem Carbon gefertigt, und verzichtet auf die aufwendige integrierte Lenker-/Vorbau-Kombination. Auch die Teammachine SLR02 ist als Disc- oder Scheibenbremsmodell zu haben.

Noch im Juni soll das SLR01 Team mit mechanischer Dura-Ace, Felgenbremsen und Laufrädern von Mavic (Cosmic Pro Carbon SL C WTS) für vorausssichtlich 8499 Euro in den Handel kommen. Ebenfalls für Juni angekündigt: Das SLR02 TWO als günstigstes Modell der Familie mit Shimano 105, Felgenbremsen und Mavics Aksium Laufrädern für voraussichtlich 2599 Euro.

Das Top-Modell SLR01 Team Disc mit elektronischer Dura-Ace und DT Swiss PRC 1100 Dicut db 35 Carbon soll ab Ende Juli für stolze 11499 Euro zu haben sein. Andere Modelle, u. a. mit Shimanos Ultegra sollen später im Jahr folgen.

Als Rahmen-Set kostet das SLR01 Disc 4199 Euro, die Variante für Felgenbremsen 3999 Euro.

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01.06.2017
Autor: Alexander Walz
© RoadBIKE