Rotor Uno: hydraulische Rennradschaltung für 2016


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Rotor Uno hydraulische Rennradschaltung Scheibenbremse
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Rotor Uno hydraulische Rennradschaltung Scheibenbremse
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Rotor Uno hydraulische Rennradschaltung Scheibenbremse
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Rotor Uno hydraulische Rennradschaltung Scheibenbremse
Foto: Alexander Walz

 

Rotor Uno hydraulische Rennradschaltung Scheibenbremse
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Der spanische Hersteller Rotor stellt die erste Rennrad-Komponentengruppe mit hydraulischer Ansteuerung für Schaltung und Bremsen vor. Wahlweise ist die Gruppe mit Disc- oder Felgenbremsen erhältlich.

5. April 2016, Puerto de La Morcuera auf 1796 m Höhe in Zentralspanien. Das Thermometer zeigt knapp unter 0 Grad Celcius, die Straße ist nass, dichter Nebel legt sich als kalter Film auf die Haut und lässt die eh schon klammen Finger noch mehr verkrampfen.

Das Wetter ist nicht eben das, was man im Frühjahr in dieser Gegend erwarten würde. Und doch sind es perfekte Voraussetzungen, um die neue Rennrad-Scheibenbremse von Rotor einem ersten Praxistest zu unterziehen.

Wer bei diesem Namen zuerst an ovale Kettenblätter, Kurbel- und Leistungsmesssysteme denkt, liegt richtig. So war es bislang. Die neuen Disc-Bremsen sind optionaler Bestandteil der „ersten kompletten Rennrad-Gruppe der Welt hydraulischer Ansteuerung von Schaltung und Bremsen“.

Uno lautet der schlichte Name der Gruppe, die erste von Rotor. Und die neue Nummer 1 im ewigen Wettstreit um die leichteste Top-Rennradgruppe, wenn sich das Versprechen der Spanier bewahrheitet: „Über 400 Gramm leichter als eine Dura-Ace Di2 mit Discs“ soll die Uno sein, und selbst die leichte mechanische Sram Red 22 soll einen Tick mehr wiegen.

Hydraulische Rennrad-Bremsen von Magura ohne Tadel

Um es vorwegzunehmen: Die vom deutschen Bremsen- und Hydraulikspezialisten Magura entwickelten Stopper gaben sich auf der schnellen Abfahrt keine Blöße. Die Brems-/Schalthebel liegen gut in der Hand, die Carbon-Hebel greifen sich angenehm – auch mit eisigen Fingern.

Die Disc-Bremsen lassen sich sehr gut dosieren und liefern ordentlich Power, ohne dass auf dem schlüpfrigen Untergrund jemals Unsicherheit aufkommt. Das langjährige Know-how der Bad Uracher Entwickler macht sich hier positiv bemerkbar.

Eine Fahrergewichtsbeschränkung hält der Hersteller für unnötig: Man setze durchgängig auf 160 mm große Stahl-Scheiben, 140er soll es aus Sicherheitsgründen von Rotor/Magura nicht geben. Für den Endkundenmarkt definitiv die richtige Entscheidung.

Zudem verspricht Rotor das „leichteste und sicherste Rennrad-Bremssystem am Markt“, eine Aussage, die ausführlichere Test bestätigen werden müssen. Die Bremssattelbefestigung erfolgt wahlweise nach Postmount- oder dem neuen Flatmount-Standard.

Die Eigenschaften einer hydraulischen Rennradschaltung

Und der Rest der Gruppe? Auch die Schaltung hinterließ auf den ersten Testrunden einen sehr guten Eindruck. Und sie wartet mit einigen Besonderheiten auf.

Umwerfer und Schaltwerk werden jeweils über einen CNC-gefrästen Alu-Hebel angesteuert, der hinter dem Bremshebel liegt. Die Anordnung der Hebel erinnert wie auch die Schaltlogik an Sram-Modelle: Ein kurzer Druck auf den Hebel bewegt die Kette auf eine kleineres Ritzel/Blatt, wird der erste Widerstand überwunden, wandert die Kette in entgegengesetzter Richtung nach oben.

Letzteres erfordert etwas Kraft, und auch der Weg ist naturgemäß länger, sollte aber auch Fahrer mit zarten Händen nicht überfordern. Auf Wunsch lassen sich mit dem Schaltwerk 1 bis 4 Gänge auf einmal schalten, der Besitzer kann die Größe der Schaltsprünge per Schraube am Schaltwerk einstellen.

Die Kette wandert schnell, präzise und geräuscharm über die dreiteilige, aus dem Vollen gefräste Kassette. Die kleineren Ritzel sind aus Stahl gefertigt, die beiden größten aus Alu. Zum Markstart im Juli wird eine 11–28-Kassette lieferbar sein, andere Abstufungen sollen folgen. Die Kassette ist Sram-/Shimano-kompatibel und setzt auf die gleiche Verzahnung wie deren aktuelle 11-fach-Freilaufkörper.

Auch der Umwerfer machte am Testrad einen guten Job. Vor allem, wenn man den Umstand berücksichtig, dass Q-Rings, die ovalen Kettenblätter von Rotor, verbaut waren, die sich speziell beim Hochschalten nicht ganz so geschmeidig geben wie ihre runden Pendants. Der Umwerfer lässt sich auf beiden Blättern trimmen, sodass schleiffreier Betrieb auch bei großem Kettenschräglauf gewährleistet ist.

Die Hydraulikflüssigkeit (im Gegensatz zur Bremse kein Mineralöl, sondern ein Wasser-Glykol-Gemisch) gibt dabei nur den Schaltimpuls weiter, die komplette Schaltmechanik liegt im Schaltwerk bzw. im Umwerfer, laut Rotor die optimale Voraussetzung für höchste Schaltpräzision und lang anhaltende problemlose Funktion.

Sollte die Hydraulik, etwa bei einem Sturz, doch einmal Schaden nehmen, lässt sich das Schaltwerk von Hand bewegen und auf dem gewünschten Gang fixieren. Gleiches gilt für den Laufradausbau: Ein Handgriff genügt, um das Schaltwerk zum äußeren Anschlag zu schwenken – für den leichteren Radausbau.

Bremse und Schaltung werden jeweils über ein geschlossenes Hydrauliksystem befehligt, laut Hersteller sollen sie praktisch ohne Wartung auskommen. Beide Flüssigkeiten ziehen kein Wasser und müssen deshalb nicht regelmäßig getauscht werden wie etwa DOT-Bremsflüssigkeit.

Weiterer Vorteil der Hydraulik gegenüber mechanischen Schaltungen: Die Bögen der Leitung können sehr eng verlegt werden, ohne dass störende Reibung entsteht – bei innen verlegten Brems- und Schaltzügen mechanischer Schaltungen inzwischen ein häufiger auftretendes Problem.

Während die Bremsen auf 5-mm-Leitungen setzen, kommt die Schaltung mit schlanken 3-mm-Leitungen aus. Die passen in jeden für elektronische Schaltungen vorbereiteten Rahmen, so verspricht es der Hersteller.

Rotor Uno ab Sommer 2016 erhältlich

Alternativ zur Disc bietet Rotor eine hydraulische Felgenbremse an. Basis hierfür sind die von Magura ursprünglich für Cervélo entwickelten Stopper, die um einige Rotor-spezifische Details ergänzt wurden, etwa ein Schnellenstpannung (Quick Relase) für den problemlosen Laufradausbau.

Ab Sommer soll die Uno zu einem Verkaufspreis von 2499 Euro in den Handel kommen – ohne Kurbel und Kettenblätter. Die – oder einen der kurbelbasierten Leistungsmesser des Hauses – soll sich der Kunde aus dem vielfältigen Rotor-Sortiment entsprechend seinen Wünschen dazukaufen. Das Angebot von Rotor sei einfach „zu umfangreich“ erklärt Product Manger Lars Janssen den ungewöhnlichen Schritt. Damit ordnet sich die Uno klar im obersten Preissegment ein, aber ein Produkt für jedermann soll und will die Uno auch gar nicht sein.

Mehr zum neuen Leistungsmesssystem 2INPower finden Sie hier bei RoadBIKE.

Fotostrecke: Campagnolos neue Scheibenbremse

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Die neue Scheibenbremse von Campagnolo Foto: Campagnolo
Die neue Scheibenbremse von Campagnolo Foto: Campagnolo
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Fotostrecke: Die neue Campagnolo Potenza

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Die neue Campagnolo Potenza Foto: Campagnolo
Die neue Campagnolo Potenza Foto: Campagnolo
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06.04.2016
Autor: Alexander Walz
© RoadBIKE