Kabellos schalten: Sram zeigt elektronische Red eTap für 2016


Zur Fotostrecke (17 Bilder)

Foto: Felix Krakow

 

Foto: Felix Krakow

 

Foto: Felix Krakow

 

Foto: Felix Krakow

 

Foto: Felix Krakow
Amerikas Antwort auf Shimano Di2 und Campagnolo EPS: Mit der elektronischen Sram Red eTap schalten Radsportler ab 2016 kabellos.

Die Antwort kommt spät, aber sie hat es durchaus in sich: Rund sieben Jahre nachdem Shimano mit der Dura-Ace Di2 die erste wirklich marktreife Elektronikschaltung fürs Rennrad vorgestellt hat, präsentiert Sram sein Konkurrenzprodukt: Die Sram Red eTap.

„Wir wollten eine echte Innovation bringen, ein besseres Erlebnis für den Radsportler“, erklärt Srams Produktmanager Road Brad Manna, warum sein Arbeitgeber sich so viel Zeit gelassen hat. Und tatsächlich machen die Amerikaner bei ihrer Schaltgruppe vieles anders. Vor allem aber machen sie es ohne! Kabel gibt es nicht, Schalthebel, Umwerfer und Schaltwerk kommunizieren per Funk.

Die Idee ist nicht neu, Mavic hat bereits vor fast 20 Jahren ein kabelloses E-Schaltwerk auf den Markt gebracht – und ist gescheitert. Das wird Sram nicht passieren, ist sich Brian Jordan sicher: „Mavic war seiner Zeit voraus. Übertragungstechnologien und Akkus waren damals noch nicht so weit. Das ist heute anders“, sagt Srams Manager of Advanced Development. Einen Flop dürfte Sram sich auch kaum erlauben. Dieser Wurf muss sitzen, wenn man eine Chance auf dem Markt haben will.

Zur Darstellung des Videos benötigen Sie aktiviertes JavaScript sowie den Adobe Flash-Player.

Video: Jasmin Krause

Um das sicherzustellen, setzt Sram auf ein eigenes, mit Hilfe von Kryptologen und Hackern entwickeltes Funkprotokoll namens Airea - und auf ein massives Testprogramm. Eine jahrzehntelange Lebensdauer wurde im Labor simuliert, die Schaltungen wurden tiefgefroren, erhitzt, im Wasserbecken versenkt, mit Salzwasser besprüht. Dazu kommen rund 1.000.000 Testkilometer auf der Straße, viele davon im Profi-Peloton.

Zur Darstellung des Videos benötigen Sie aktiviertes JavaScript sowie den Adobe Flash-Player.

Video: Jasmin Krause

Einfach anders: Das unterscheidet die Sram Red eTap von Shimano Di2 und Campagnolo EPS

Als Ergebnis liefert Sram nicht nur eine Gruppe ohne Kabel, auch sonst machen die Amerikaner einiges anders als die Konkurrenz:

  • Es gibt, da kabellos, keinen zentralen Akku. Stattdessen besitzt jedes Bauteil seine eigene Batterie. Der stark beanspruchte Akku im Schaltwerk soll mindestens 1000 km lang durchhalten, die Knopfzelle im Schalthebel locker 2 Jahre. Zum Aufladen oder dem Radtransport werden die Wechselakkus einfach abgenommen. Einen Crash sollen sie indes problemlos überstehen. Laut Sram bricht eher das Schaltauge, als das der Akku nachgibt.
  • Wie bei den mechanischen Gruppen verfügen auch die eTap-Griffe über nur einen Schalthebel. Der rechte wirft die Kette nach rechts aufs kleinere Ritzel, der linke hebt sie nach links aufs größere. Hält man den Hebel gedrückt, können mehrere Gänge ohne Unterbrechung hintereinander geschaltet werden. So lange, bis der Hebel losgelassen wird oder das kleinste oder größte Ritzel erreicht ist.
  • Drückt der Sportler beide Hebel gleichzeitig, löst er den Umwerfer aus. Liegt die Kette gerade auf dem großen Kettenblatt, wird auf das kleine geschaltet. Liegt die Kette gerade auf dem kleinen Blatt, geht es nach oben.

Zur Darstellung des Videos benötigen Sie aktiviertes JavaScript sowie den Adobe Flash-Player.

Video: Jasmin Krause

Von dem Verzicht auf Kabel und den zweiten Schalthebel verspricht Sram diverse Vorteile. Die wesentlichen:

  • Schnelle und einfache Installation, da keine Schaltzüge oder Kabel mehr verlegt werden müssen. Zudem soll sich die Schaltung über die Schalthebel einfach und präzise einstellen lassen – auch während der Fahrt. Dafür drückt der Sportler einfach gleichzeitig Schalthebel und einen kleinen Knopf, genannt Action-Button, auf der Innenseite des Hebels. Schon wandert die Kette 0,2 mm nach rechts oder links.
  • Einfachheit: Der rechte Schalthebel befördert die Kette nach rechts, der linke nach links, fertig. Zusätzlich können an jeden Hebel bis zu zwei weitere Schalter, genannt Blips, angeschlossen werden. Diese per Kabel verbundenen Schalter können dann etwa am Oberlenker unter dem Lenkerband versteckt werden.
  • Zuverlässigkeit: Als größte Schwachstelle jedes kabelgebundenen Systems bezeichnet Sram-Chefentwickler Jordan die Stecker. Da es die ohne Kabel nicht gibt, ist diese Schwachstelle eliminiert.

Die wichtigste Frage lautet jedoch: Wie schlägt sich die neue Elektronik-Gruppe draußen auf der Straße? Die Antwort darauf liefert RoadBIKE nach einer ersten ausführlichen Testfahrt in Ausgabe 10/2015.

Zahlen bitte: Preise und Gewichte der neuen Sram Red eTap Road

Mit einem Komplettpreis von 2691 Euro (von Sram empfohlene Verkaufspreise inklusive Ladegerät und USB-Stick für künftige Updates) dürfte die Red eTap am Markt auf dem Niveau von Shimanos Dura-Ace Di2 liegen. Radsportler mit aktuellen 2x11-Gruppen von Sram können aber auch für rund 1500 Euro nachrüsten. Auf die Waage soll die Elektro-Schaltung weniger als 2 kg bringen (in der BB30 Variante) – inklusive aller mechanischer Komponenten. Das genaue Gewicht liegt laut Sram bei 2095 Gramm für die GPX-Version und bei 1992 Gramm für die BB30 Version. Das sind 137 Gramm mehr als bei der mechanischen Sram Red 22.

Diese Teile sind bei der Sram Red eTap Road Schaltgruppe dabei

  • ein Paar Schalt-Bremshebel
  • Umwerfer inkl. Batterie
  • Schaltwerk inkl. Batterie
  • GXP/BB30 Kurbelsatz
  • GPX/BB30 Tretlager
  • XG-1190 Kassette
  • Sram Red 22 Kette
  • Sram Red Bremsen
  • Ladegerät
  • USB Stick

Als Reichweite gibt Sram rund 1000 km an, bis dem Schaltwerk der Saft ausgeht. Vorher gibt es zwei Warnstufen. Und wer den Akku von Umwerfer und Schaltwerk wechselt, sollte ohne Probleme nach Hause kommen.

Preise und Gewichte der neuen Sram Red eTap Aero

Diese Teile sind bei der Sram Red eTap Aero Schlatgruppe dabei

  • vier Blip Schaltknöpfe für Auflieger und Unterlenker
  • BlipBox
  • Umwerfer inkl. Batterie
  • Schaltwerk inkl. Batterie
  • GXP/BB30 Kurbelsatz
  • GPX/BB30 Tretlager
  • XG-1190 Kassette
  • Sram Red 22 Kette
  • Sram Red Bremsen inkl. Aero-Bremshebel
  • Ladegerät
  • USB Stick

Das Gewicht für die Sram Red eTap Aero-Gruppe liegt bei 2015 Gramm für die GPX-Version und bei 1911 Gramm für die BB30 Version. Der Preis liegt laut Sram bei 2785 Euro.

Ab Frühjahr 2016 zu haben

Zum Marktstart im kommenden Frühjahr wird es eTap als Red-Version für Felgenbremsen und 2x11-Systeme geben. Doch die Zukunft verspricht schnelle Weiterentwicklungen. „Mit eTap haben wir jetzt eine Elektronik-Plattform, auf der wir aufbauen können“, erklärt Chris Zigmont, Srams Brand Director Road. So dürfte bald eine Hydraulikversion für Scheibenbremsen folgen, auch die Anbindung an kompatible Radcomputer wird folgen. Dort kann der Sportler dann etwa den aktuellen Gang und den Akkustand ablesen. Bewährt sich das neue System am Markt, wird es mittelfristig sicherlich auch den Weg in die Mittelklasse (Sram Force) und ans Mountainbike finden.

Fotostrecke: Red eTap: Die Fotos zur Elektrorinkschaltung von Sram

17 Bilder
Foto: Felix Krakow
Foto: Felix Krakow
Foto: Felix Krakow

Fotostrecke: Rennrad-Zubehör-Neuheiten 2016

25 Bilder
Der neue Chiba Cool Air Evolution Foto: Chiba
Die neuen Helme von Limar Foto: Limar
Die neuen Vario-Filter von Adidas Eyewear Foto: Adidas Eyewear

Fotostrecke: Aktuelle Rennrad-Neuheiten

54 Bilder
Giant TRC Disc 2016 Foto: Giant
BMC Roadmachine RM01 RM02 RM03 Foto: BMC
Rennrad Neuheit 2016 Focus Paralane Foto: Focus
26.08.2015
Autor: Felix Krakow
© RoadBIKE