Alles auf Roth - der RoadBIKE-Triathlon-Blog #1

Vorsicht, ansteckend!

Triathlon-Blog Nils Flieshardt Alles auf Roth
Foto: Benjamin Hahn
Wie kommt ein mittelalter RoadBIKE-Redakteur mit dem Schwimmtalent eines Backsteins auf die verwegene Idee, sich für den legendären Langdistanz-Triathlon Datev Challenge Roth anzumelden? RB-Autor Nils Flieshardt mit einem Erklärungsversuch.

Ja, ich gebe es zu: Ich war ein bekennender Kopfschüttler. So wie es die meisten Rennradfahrer sind, wenn es um das Thema Triathlon und seine Anhänger geht. Triathleten, davon war ich überzeugt, seien schmerzfreie Einzelgänger, die verbissen fragwürdigen Zielen hinterher hecheln – koste es, was es wolle. Seltsames Volk.

Doch dann bekam ich eine SMS. Der Text: „Wir melden dich gerade für den Hamburg-Triathlon an. Willst du im Sprint oder auf der olympischen Distanz starten?“ Der Absender dieser, wie ich heute weiß, folgenreichen Zeichen: eine Marketing-Frau aus der Radbranche. Der Hintergrund: Ich hatte ihr gegenüber meine Meinung zum Thema Triathlon kundgetan, und sie hatte es sich zum Ziel gesetzt, meine Einstellung grundlegend zu ändern.

Immun gegen Triathlon?

Niemals würde ihr das gelingen! Davon war ich felsenfest überzeugt, und meine kläglichen Alibi-Schwimmversuche bestärkten mich in meiner Auffassung, dass der Bekehrungsversuch nie und nimmer Erfolg haben könnte. Doch dann kam ich in Hamburg an und sah eine Stadt, die komplett vom Triathlonfieber befallen war. Noch schmunzelte ich über die Massen in bunten Sportschuhen, denn wie das bei „Krankheiten“ nun mal so ist: man denkt so lange, dass es einen nicht erwischen kann, bis es plötzlich passiert. Und bei mir passierte „es“ während des Männer-Rennens der Profis am Vortag meines eigenen Starts.

Ohne Erwartungen war ich zum Schwimmausstieg am Rathausmarkt spaziert und nicht im Entferntesten darauf vorbereitet, was in den nächsten Minuten auf mich zukommen würde. Dutzende Arm-Paare peitschten plötzlich die Alster, die sofort brodelte wie ein Piranha-Becken bei der Fütterung. In einer für mich bis dato nicht vorstellbaren Geschwindigkeit legten die Elite-Athleten die Schwimmstrecke zurück, sprinteten zu ihren Rädern und waren so schnell auf der Straße, dass ich meinen Mund immer noch nicht wieder zu hatte, als sie zum zweiten Wechsel auf den blauen Teppich stürmten. Verdammt, ich hatte ja keine Ahnung ... Verdammt, ich hatte mich angesteckt.

Gepackt vom Triathlon-Virus: der Videobeweis

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Video: Nils Flieshardt

Derart angeschlagen war es für den Sport ein Leichtes, mich komplett an den Haken zu bekommen. Mit Gänsehaut von den schmerzenden Füßen bis zum klatschnassen Kopf lief ich nach einem extrem intensiven Wettkampferlebnis ins Stadion ein und genoss jeden Meter der Zielgeraden durch das Spalier der applaudieren Zuschauern. Was für eine Stimmung! Was für ein fantastischer Umgang unter den Teilnehmern! Was für ein sensationeller Sport! Zum Kopfschütteln ...

Aus einer eigentlich einmaligen Sache war etwas anderes geworden. Auf der Heimfahrt nach Stuttgart malte ich mir bereits aus, wohin mich diese Reise führen könnte, und wie selbstverständlich dachte ich auf einmal laut über die legendäre Langstrecke nach. Irgendwann, das machte ich voreilig wie verbindlich mit mir aus, würde ich dieses Abenteuer wagen. Und dieses Irgendwann beginnt jetzt.

Alles auf Roth!

Der Startplatz bei der Datev Challenge Roth ist gesichert, meine Frau hat den Wahnsinn abgenickt und das Training läuft. Also demnächst ... Wie es mir gelingen wird, die Hürden, die auf meinem Weg nach Roth im Weg stehen, zu überspringen, davon werde ich in den kommenden Monaten an dieser Stelle berichten. Wie es meinem Schwimmtrainer Jörg hoffentlich gelingen wird, mir das Kraulen beizubringen, zum Beispiel. Oder mit welcher genialen Methode ich es schaffen werde, mein Training so zu planen, dass meine Kinder im Sommer nicht fragen. „Wer ist der Mann, der da über die Ziellinie humpelt?“.

Wie das alles klappen soll? Ich weiß es nicht. Oder besser gesagt: noch nicht. Ein guter erster Schritt soll es ja sein, möglichst vielen Menschen von seinen Plänen zu erzählen, um den Druck zu erhöhen. Ich glaube, die Idee ist für den Anfang gar nicht mal so schlecht ...

In diesem Sinne, euer Nils

06.10.2014
Autor: Nils Flieshardt
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