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Die perfekte Kettenpflege
Gut geschmiert - so halten Sie Ihre Rennrad-Kette in Schuss
RoadBIKE erklärt, wie Sie Ihre Kette richtig putzen und geschmeidig halten.
Kettenpflege? Glaubenssache! So klein und unbedeutend der Antriebsstrang scheint, so viele unterschiedliche Meinungen gibt es dazu. Sogar die Pflegetipps der Kettenhersteller weichen stark voneinander ab. RoadBIKE hat sich daher umgehört und gibt Tipps zur perfekten Kettenpflege.
Dass die Kette regelmäßig Pflege braucht und geschmiert werden will, darin immerhin besteht Einigkeit zwischen Herstellern und Radfahrern – den meisten zumindest. „Ohne einen konstanten, flächentrennenden Schmierfilm kommt es zu einer zerreibenden Berührung der Gelenkteile einer Kette und damit zu schnellem Verschleiß“, erklärt Diplom-Ingenieur Marco Rauch vom Kettenhersteller Rohloff. Die Firma hat sich durch umfangreiche Forschung rund um die Kette einen Namen gemacht.
Größter Feind einer Kette ist, nebst mangelnder Schmierung, in die Glieder eindringender Schmutz. Feine Partikel wirken hier wie Schmirgelpapier und verkürzen die Lebensdauer extrem. „Darum empfehlen wir, die Kette nach jeder Ausfahrt mit einem öligen Lappen abzuwischen“, rät Rohloff-Mann Rauch. RoadBIKE-Profimechaniker Haider Knall bestätigt diesen Ratschlag. „Etwas WD-40-Öl auf dem Lappen entfernt Schmutz bestens, und die Kette wird zumindest oberflächlich geschmiert“, weiß der Techniker. Wichtig: Auch Ritzel und Kettenblätter müssen sauber gehalten werden, da hier haftender Schmutz in die Gelenke der Kette gepresst wird.
Intensivere Pflege brauchen nur stark verschmutzte Ketten. Haider Knall greift dann – aber nur dann – zu Kettenreinigungsmitteln, sogenannten Degreasern. Eine Empfehlung, die auch Komponentenhersteller Shimano gibt. Campagnolo rät hingegen von solchen Mitteln grundsätzlich ab, wie auch der Experte von Rohloff.
„Das Innere der Gelenke wird damit sowieso nicht richtig sauber. Aber diese Mittel bleiben in den Gelenken und verbinden sich mit dem neu aufgetragenen Schmierstoff, der dann seine Eigenschaften verliert“, warnt Marco Rauch und empfiehlt ölhaltige, schnell verdunstende Mittel wie Diesel oder Petroleum. Allerdings sollten diese fachgerecht entsorgt werden. „Umweltfreundlicher sind Geschirrspülkonzentrate, weil die sich mit viel Wasser gut ausspülen lassen“, so Rauch.
Er rät auch vom Bürsten ab, denn: „Kettenbürsten drücken Schmutz in die Glieder.“ Nicht nur nach jeder intensiven Reinigung braucht die Kette eine neue Schmierung. Das optimale Schmiermittel hat durch spezielle Zusätze hohe Kriecheigenschaften, um auch tief in die Gelenke eindringen zu können. Außerdem muss der Schmierstoff hohe Druckbelastungen aushalten, was dünnflüssige Produkte wie Nähmaschinenöl ausschließt.
Was spezielle Kettenöle leisten, hat das RoadBIKE-Schwestermagazin MountainBIKE in Labor und Praxis getestet. Testgerät hiefür war das Triboproof T100, industrieweit genutzt und zur Definition der Schmierfähigkeits-DIN-Norm verwendet. Das Gerät überprüfte die Kriechfähigkeit und Schmiervermögen der Mittel bei verschiedenen Belastungen, von schwachen 20,8 N/mm², einer Belastung beim lockeren Pedalieren, bis hin zu 147 N/mm², die im Wiegetritt auf die Kette kommen können. Was auffiel: teflonhaltige Schmiermittel hatten keine Vorteile.
Wachsschmiermittel dringen schlecht zu den Kettenbolzen vor, bauen Sperren auf, die die Schmierung verhindern. Auch zur Schmutzhaftung ist keine pauschale Aussage möglich. Selbst der Testsieger kann seine Stärken nur ausspielen, wenn die wichtigste Regel befolgt wird: häufig schmieren. Und das nie direkt vor der Tour. Denn selbst der beste Schmierstoff braucht Zeit, sich zu verteilen. Das ist immerhin keine Glaubenssache, sondern anerkanntes Basiswissen.
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