Über 300.000 Räder werden in Deutschland jährlich gestohlen

Fahrrad-Diebstahl: Wie schützt man sich richtig?


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Rennrad-Schlösser: Aktuelle Modelle aller Top-Marken
Foto: Hiplok

 

Rennrad-Schlösser: Aktuelle Modelle aller Top-Marken
Foto: MasterLock

 

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In Deutschland wurden im Jahr 2015 gut 335.000 Räder als gestohlen gemeldet. Das sind über 900 Fahrräder am Tag. Die Dunkelziffer ist noch höher. Wie kann man dem Fahrrad-Diebstahl am besten vorbeugen? RoadBIKE hat alles Wissenswerte zusammengetragen.

Die Fahrrad-Diebstähle sind im Jahr 2015 gegenüber den Vorjahr nur marginal zurückgegangen. Allerdings hatte die Zahl der als gestohlen gemeldeten Räder 2014 mit 339.000 auch ein 5-Jahres-Hoch erreicht - das belegen Zahlen der polizeilichen Kriminalstatistik des Bundeskriminalamts.

Täglich werden in Deutschland also über 900 Räder als gestohlen gemeldet – und vermutlich sind die wahren Diebstahl-Zahlen noch viel höher. Zudem liegt die Aufklärungsquote bei gemeldeten Fahrrad-Diebstählen lediglich bei rund 10 Prozent - auch das besagt die offizielle Kriminalstatistik.

Ullrich Hefner, Pressesprecher des Landeskriminalamts (LKA) Baden-Württembergs, weiß: „Vielfach wird auch einfach unterschätzt, was für ein Wert die Räder haben und wie attraktiv diese somit für Diebe sind – um schnelles Geld zu machen.“ So sollte ein 5000 Euro-Fahrrad nicht mit einem 15 Euro-Schloss gesichert sein. Das Diebesgut findet als Gesamtes oder in Teilen schnell Abnehmer.

Immerhin 200000 der im Vorjahr geklauten Fahrräder waren versichert. Bei rund 520 Euro durchschnittlicher Auszahlung macht das eine Gesamtsumme von 100 Millionen Euro – pro Jahr! Ob Sie versichert sind und welche Möglichkeiten man hat, sich gegen Diebstahl zu schützen? Hier gibt es die wichtigsten Tipps.

Bin ich gegen Fahrrad-Diebstahl versichert?

Man sollte meinen, die Haftpflichtversicherung greift bei Fahrraddiebstählen – doch das ist nicht der Fall. Diese regelt Schäden, die man selbst dritten Personen, dem Sacheigentum dritter Personen oder dem Vermögen dritter Personen zufügt. In der Haftpflichtversicherung ist Fahrrad-Diebstahl nicht inbegriffen.

Dafür ist man durch die Hausratsversicherung bis zu einem bestimmten Punkt abgesichert. Allerdings hat man nur Recht auf Schadenersatz, wenn das Rad nachweislich aus der Wohnung, dem Kellerabteil oder der abgeschlossenen Garage geklaut wurde.

Allerdings kann man sich bei der Hausratsversicherung zusätzlich gegen Fahrraddiebstahl absichern. So ist man auch außerhalb des versicherten Wohnraums geschützt – natürlich nur, wenn das Fahrrad ordnungsgemäß abgeschlossen war.

Die entsprechenden Zusatzkosten richten sich dabei nach dem Wert ihres Fahrrads und der Region – da das Diebstahlrisiko zu Beispiel in Großstädten höher ist als auf dem Land. Will man sich beispielsweise für Räder bis 2500 Euro versichern, zahlt man rund 50 Euro zusätzlich im Jahr.

Um seinen Anspruch überhaupt geltend machen zu können, muss ebenfalls einiges beachtet werden. Zunächst muss der Diebstahl unverzüglich (innerhalb von 48 Stunden) gemeldet werden – bei der Versicherung, der Polizei und teilweise gar dem Fundbüro.

Außerdem sollte man nachweisen können, dass man der rechtmäßige Eigentümer des Fahrrads ist. Dazu sind Kauf- oder Reparaturbeleg, die Seriennummer des Rad oder auch Fotos wichtig. Ebenfalls sollte nachgewiesen werden können, dass das Rad ordnungsgemäß abgeschlossen war. Das aufgebrochene Schloss oder Einbruchspuren können dabei hilfreich sein.

Auch das LKA rät dazu, nach dem Kauf direkt alle Daten des Rads aufzunehmen. "Man kann diese beim Händler meist direkt erfragen", so der Sprecher, "dabei sind das genaue Modell, aber auch die Einzelteile und angebrachten Komponenten wichtig – auch Fotos können helfen. Es lohnt sich, sich die Zeit zu nehmen um im Notfall die Daten griffbereit zu haben.“

 

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Foto: Hiplok Abschließbare Wandhalterung für Zuhause: Das Airlok.

Wie schließe ich mein Rad am besten ab?

Sein Rad richtig abzuschließen kann einem also eine Menge Ärger ersparen. Es lohnt sich außerdem, bei der Wahl des Fahrradschlosses einige Dinge zu beachten. Zunächst gilt es: Das Rad sollte nicht nur ab, sondern auch angeschlossen werden – zum Beispiel an einem Radständern oder einer Laterne. Zwei (unterschiedliche) Schlösser reduzieren die Diebstahl-Gefahr zudem erheblich.

Ein gutes Schloss muss kein Vermögen kosten, doch teurere Schlösser sind meist aus hochwertigeren Materialien gefertigt. Bei der Wahl des richtigen Schlosses gibt es kaum eine Grundregel, da es bei jeder Art bessere und schlechtere Modelle gibt. Allerdings schlossen Spiralschlösser in Test im Durschnitt am schlechtesten ab.

Wer auf Bügelschlösser, Panzerkabelschlösser, Kettenschlösser und Faltschlösser setzt, fährt damit deutlich sicherer als mit Spiralschlössern. Auf dem markt gibt es gute Modelle oft schon ab 30 Euro. Für Zuhause stellte Hiplok auf Kickstarter zudem eine Kampagne für die weltweit erste abschließbare Wandhalterung vor - das Airlok. Im Folgenden zeigen wir Ihnen alle Radschloss-Typen im Überblick.

Bügelschloss

Bügelschlösser sind allgemein betrachtet das Beste, was man in Sachen Fahrradsicherheit bekommen kann – zahlreiche Tests belegen das. Die Markenprodukte sind stabil gebaut, ein gewaltsamer Ausbruchsversuch auf offener Straße hat kaum Erfolgsaussichten. Gegen ein professionelles Knacken des Schlosses schützen aber meist nur die Topmodelle der renommierten Hersteller. Doch die Mehrinvestition lohnt sich. Wenn man Hunderte oder auch Tausende Euro für ein Rennrad, Mountainbike oder E-Bike ausgibt, sollte einem seine Sicherheit auch noch ein Paar Euro wert sein. In der Fotostrecke finden Sie eine Auswahl der Top-Produkte an Bügelschlössern, die aktuell auf dem Markt sind.

Fotostrecke: Die aktuellsten Bügelschlösser der Top-Marken

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Rennrad-Schlösser: Aktuelle Modelle aller Top-Marken Foto: MasterLock
Rennrad-Schlösser: Aktuelle Modelle aller Top-Marken Foto: MasterLock
Rennrad-Schlösser: Aktuelle Modelle aller Top-Marken Foto: Trelock

Kettenschloss und Panzerkabel

Gute Panzerkabel und Kettenschlösser sind mittlerweile fast so sicher wie Stahlbügel-Schlösser. Meist werden die gleichen Schließmechanismen verwendet und die Panzerung, beziehungsweise die Kettenglieder, sind nahezu genauso widerstandsfähig. Ihr Vorteil: Sie sind wesentlich flexibler, was das Anschließen an Bäume oder Straßenlaternen ermöglicht. Manche Hersteller, wie Hiplok, werben gar damit, die Kettenschlösser wären der Fahrt um den Bauch befestigen zu können. In der Fotostrecke finden Sie eine Marktübersicht der Kettenschlösser, welche die Top-Hersteller derzeit anbieten.

Faltschloss

Die sogenannten Faltschlösser kombinieren die Flexibilität eines Kettenschlosses mit der stabilen Sicherheit eines Bügelschlosses. Faltschlösser sind zwar leichter zu knacken als Bügelschlösser, dafür hat man beim abschließen deutlich mehr Möglichkeiten. Sie lassen sich wie ein Zollstock platzsparend zusammenfalten und gut am Fahrrad befestigen. Tipp: Die längste Version wählen, so hat man auch an Laternen wenig Mühe zum Anschließen. Eine Auswahl der aktuellen Top-Faltschlösser finden Sie in der Fotostrecke.

Fotostrecke: Die aktuellsten Faltschlösser der Top-Marken

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Rennrad-Schlösser: Aktuelle Modelle aller Top-Marken Foto: Trelock
Rennrad-Schlösser: Aktuelle Modelle aller Top-Marken Foto: Trelock
Rennrad-Schlösser: Aktuelle Modelle aller Top-Marken Foto: Axa Security

Rahmenschloss

Rahmenschlösser reichen als alleinige Diebstahlsicherung nicht aus - als „Wegfahrsperre" haben sie aber durchaus ihre Berechtigung. Bei einem kurzen Stopp kann es reichen, das Hinterrad zu blockieren, wenn man sein Rad im Auge behält. Darüber hinaus eignen sie sich als zusätzliche Sicherung neben dem Panzerkabel oder Bügelschloss und haben den Nebeneffekt, dass das Hinterrad gegen Teileklau gesichert ist. In der Fotostrecke finden Sie eine Auswahl an Rahmenschlössern der Top-Hersteller.

Spiralkabelschloss

Für die dünnen Spiralkabel gilt das gleiche wie für Rahmenschlösser: Sie bieten nicht genug Sicherheit, um das Rad unbeobachtet lassen zu können. Für kurze Stopps oder, wenn man das Rad stets im Blick hat sind die Spiralschlösser jedoch ausreichend. Auch als Zusatz zum Bügelschloss macht ein Spiralkabelschloss durchaus Sinn. Der Schließmechanismus spielt eine eher untergeordnete Rolle, da meist ein Seitenschneider ausreicht, um das Seil zu knacken. Ein Marktübersicht über aktuelle Spiralkabelschlösser können Sie sich in der Fotostrecke verschaffen.

Zahlenschloss

Immer mehr der genannten Schlosstypen gibt es mittlerweile auch mit Zahlenschlössern. In der Fotostrecke kann man sehen, dass viele Hersteller ihre Schlösser mittlerweile sowohl mit normalem, als auch mit Zahlenschloss anbieten. Zwar schützen diese auch nicht immer ausreichend gegen das Knacken des Schlosses, doch zumindest ist man gegen einen Schlüsselverlust abgesichert. Die verschieden Zahlenschlösser, die derzeit auf dem Markt sind, finden Sie in der Fotostrecke.

Smart Lock und Ähnliches

Das Neueste auf dem Markt sind die Smart Locks. Auf den ersten Blick sehen diese aus wie normale Fahrradschlösser, doch sie sind mit dem Smartphone verbunden. Damit lässt sich das Schloss entsperren und man wird auch sofort benachrichtigt, wenn sich jemand daran zu schaffen macht. Trotz der Elektronik sollen die Smart Locks auch wetterbeständig sein. Außerdem gibt es weitere smarte Schlösser, welche per Bluetooth ge- und entsperrt werden können. Zwei aktuelle Smart Locks sind in der Fotostrecke abgebildet.

Wenn das Rad bereits geklaut wurde: GPS-Ortung und Codierung helfen

Wenn alle Vorsorge-Maßnahmen nicht greifen geht der jüngste Trend zur GPS-Ortung des gestohlenen Fahrrads. Dazu kommen immer mehr Angebote auf den Markt. Im Voraus wird ein Sensor, meist versteckt, am Fahrrad angebracht – dann kann es über eine Smartphone-App nach dem Diebstahlt per GPS geortet werden.

So wirbt beispielsweise Troja Bike damit, das erste und einzige GPS-Ortungssystem zu besitzen, welches vom Dieb weder abgeschaltet, entfernt oder zerstört werden können soll. Der Sensor soll sicher im Fahrradrahmen fixiert sein. Der Akku läuft laut Troja Bike bis zu einer Saison lang und kann wieder aufgeladen werden. Mit einer Smartphone-App kann der Standort dann jederzeit abgefragt werden.

Sollte man das gestohlene Rad selbst geortet haben, sollte man sich an die Polizei wenden und nicht selbst zur Tat schreiten. „Das ist auf jeden Fall angebracht“, so LKA-Sprecher Heffner, „man weiß einfach nicht was einen erwartet. Gut möglich ist auch, dass das Rad bereits weiterverkauft wurde und der 'neue Halter' gar nicht weiß, dass es sich dabei um Diebesgut handelt.“

Außerdem kann man sein Fahrrad gegen Diebstahl codieren lassen. Per Graviermaschine oder per spezieller Aufkleber wird auf dem Rahmen des Fahrrads ein verschlüsselter personenbezogener Code angebracht. Heffner empfiehlt dringend dazu, sein Rad individualisieren zu lassen: „Eine Codierung kann im Netz ganz einfach vorgenommen werden. Der Schlosser des Vertrauens oder auch der Händler kann diese dann im Handumdrehen eingravieren." Eine Gravur ist natürlich nur bei Rädern mit Stahl- oder Alu-Rahmen möglich - nicht bei empfindlichen Carbon-Rähmen.

Polizei oder Fundbüro erkennen anhand des Codes sofort den Eigentümer des Fahrrads und können ihn im Falle eines Diebstahls informieren - die Rahmennummer allein gibt nicht genügend Informationen. Gerade beim Weiterverkauf haben es Diebe so schwerer. Als weiteres Identifikationsmittel gibt es den bundesweiten polizeilichen Fahrradpass. Darin sind neben Rahmennummer und Codierung auch Name und Anschrift des Radeigentümers notiert. Darüber hinaus gehört ein Foto des Fahrrads dazu. Der Pass ist mittlerweile auch als kostenlose Smartphone-App erhältlich.

Fazit

Wer sich gegen Fahrrad-Diebstahl vollständig absichern will, sollte folgende Punkte beachten:

  • die richtige Schlosswahl treffen
  • mit 2 unterschiedlichen Schlosstypen gleichzeitig sichern
  • abschließen und anschließen
  • alle Daten des Fahrrads notieren
  • nachweisen können, dass man rechtmäßiger Eigentümer ist
  • eine Zusatzversicherung lohnt sich
  • bei Diebstahl Polizei und Versicherung umgehend informieren
24.10.2016
Autor: Daniel Drach
© RoadBIKE